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Lernmethoden und
Lernhilfen

Inhaltsverzeichnis


  1. Schnelllesen


  1. Lerntechniken - Inhaltsverzeichnis




Schnelllesen


Einleitung

Schnelllesen bezeichnet die Fähigkeit, überdurchschnittlich schnell zu lesen und den Inhalt des Textes trotzdem zu verstehen.

Das Messen der Lesegeschwindigkeit ist nur in Verbindung mit der überprüfung des Verständnisses des gelesenen sinnvoll. Die Lesekompetenz (einzelne Wörter, Sätze und ganze Texte flüssig zu lesen und im Textzusammenhang zu verstehen) hängt u.a. von der Lesegeschwindigkeit, der Erfassung des Inhalts aber auch von den Kurzzeitgedächtnisleistungen ab.

Schnelles Lesen ergibt mitunter ein besseres Textverständnis, da weniger Konzentration für das „Entziffern“ der Buchstaben benötig wird und der Lesevorgang „automatisiert“ wird.


Um einen überblick über einen Text zu gewinnen, reicht das schnelle überfliegen aus. Die schnellsten Leser schaffen mehr als 1000 Wörter pro Minute, um mit weit höheren Geschwindigkeiten zu lesen ist jahrelange übung erforderlich. Wissenschaftlich belegte und überprüfte Rekorde, liegen in einem Bereich von bis zu 4000 Wörtern pro Minute.

Der Durchschnittsleser kann, durch trainieren des Schnellen lesens, seine Lesegeschwindigkeit in etwa verdoppeln bis verdreifachen. Verschiedenen Studien zufolge liegt für die Mehrheit das Maximum bei rund 800 Wörtern in der Minute - darüber hinaus erreicht man meistens nur noch ein schnelles überfliegen des Textes mit geringem Verständnis desselben.

Die maximale Lesegeschwindigkeit ist auch von der Vertrautheit des Lesers mit dem Text abhängig. So können bspw. schwer verständliche Dokumente auch von Schnelllesern nur langsam erfasst werden.


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Prinzip

Beim Lesen wird grundsätzlich nur ein kleiner Teil der Buchstaben scharf erfasst, denn das Erfassen von Text beruht hauptsächlich auf der Wiedererkennung von Wörtern bzw. Wortgruppen. Die Wortgruppen werden als Ganzes erfasst, da sie vom Gehirn großteils bereits als Bilder inklusive deren Bedeutungen abgespeichert wurden – wie effektiv das funktioniert ist von der individuellen Fähigkeit des Lesers und auch der Gestaltung (bekannte Schrifttypen sind hilfreich) der Texte abhängig.

Ein wichtiger Faktor zum Erfassen eines Textes ist also die Fähigkeit, bereits zuvor erfasste Bilder (Textblöcke, Wortgruppen) wieder aufzurufen und in den bestehenden Kontext zu integrieren.


Neue Wörter werden zuerst durch einzelne Buchstaben erfasst - wird das Wort verstanden und wurde in einen Kontext gebracht, wird es als Bild gespeichert (in einem unterschiedlichen Kontext und je nach Häufigkeit des Wortes auch mehrfach), mit bereits vorhandenen Bildern abgeglichen und schließlich in einen Verständniszusammenhang gebracht. Würde man beim Lesen jedes Wort einzeln erfassen, könnte man Texte nicht schneller als mit 300 Wörtern pro Minute lesen.

Das Lesen des nachfolgenden Textes zeigt eindrucksvoll, das beim Lesen tatsächlich nur von einem Wort zum nächsten gesprungen wird:

„Ncah der Sutide eneir englihcesn Uvinisterät, ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wort setehn. Das ezniige Wcthiige ist, dsas der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Slelte snid. Der Rset knan ein ttoaelr Slaat von Bestachubn sein, tedztorm knan man ihn onhe geößrre Pemoblre lseen. Das ist daleshb so, weil wir nicht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wort als gseatems.“


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Die Fähigkeit des schnelllesens wird erleichtert durch ...



Eine gute Beleuchtung, die richtige Sitzhaltung und ein geeigneter Abstand zum Text sind ebenfalls wichtige Kriterien für schnelles Lesen (siehe auch „Tipps zur Verbesserung der Lesegeschwindigkeit“).

Ebenso wie Verständlichkeit des Textes, ein gutes Kurzzeitgedächtnis, Neugier und Aufgeschlossenheit dem jeweiligen Thema gegenüber.


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Die Fähigkeit des schnelllesens wird gestört durch ...



So gehen langsame Leser meistens von Wort zu Wort, machen dabei langsame Augenbewegungen und erfassen mit einem Blick nur einige Buchstaben (zum Lesen eines Wortes werden so mehrere Augenbewegungen benötigt). Auch springen ungeübte Leser immer wieder zu bereits gelesenen Textstellen und haben so einen sprunghaften Leserhythmus.

Hingegen hat ein Schnellleser einen gleichmäßigen und durchgängigen Lesestil und nimmt so mit wenigen Blickstopps mehrere Wörter gleichzeitig auf.


Ineffektive Augenbewegungen und das längere fixieren eines Wortes (Augenstopp) verlangsamen die Aufnahmefähigkeit genauso wie Desinteresse, die Abneigung gegen das Thema, den Inhalt oder den Autor.


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Tipps zur Verbesserung der Lesegeschwindigkeit

Siehe auch: Medienverzeichnis Schnelllesen


Zum erlernen des Schnelllesens gibt es zwar mehrere, allerdings oft sehr ähnliche Techniken...

  1. Augen- und Aufmerksamkeitstraining
  2. Die Augen überprüfen lassen, auch auf Heterophorie (verstecktes Schielen) – eine schnelle Ermüdung ist ein Anzeichen für Probleme
  3. Regelmäßige Konzentrationsübungen von mindestens 15 Minuten (siehe auch: Konzentration und Entspannung)
  4. Für eine ausrecihende und gute Beleuchtung sorgen.
  5. Möglichst große Bereiche mit einem Blick erfassen
  6. Augenführung
    Die Augen sollten am „weißen Strich“, d.h. dem weißen Raum unter der Textzeile, entlanggleiten - so werden die Wörter im Gesamten wie Bilder erfasst.
  7. Blickwinkel
    Den Text etwa auf Augenhöhe bzw. knapp darunter halten, in ca. 50 Zentimeter Abstand vom Auge. Und möglichst in einem 90-Grad-Winkel auf das Blatt schauen (bspw. mithilde einer Lesestütze) - so sind alle Buchstaben in etwa gleich groß.
  8. Regelmäßiges Trainieren des Peripheren sehens
  9. Kein Hin-und-her-Springen mit den Augen - dadurch nimmt die Konzentration ab.
  10. Bewusst möglichst konzentriert und schnell lesen.
  11. Den Hauptgedanken wahrnehmen: nicht jedoch den Sinn einzelner Wörter (wie beim Zuhören).
  12. Gerade sitzen: Den Oberkörper nicht beugen, da man so raschee Ermüden kann
  13. Vermeiden von Regression (Zurückgückwandern des Blickes zu einem bereits gelesenen Textteil)
  14. Die Vokalisation verringern - nur die wichtigen, sinntragenden Wörter aussprechen, da das Augen-Gehirn-System wesentlich schneller ist als die Sprache bzw. das Formen der Wörter im Gehirn.
  15. Text als Bild
    Das gelesene in Bildern verarbeiten, da die Sprache des Unterbewusstseins Bilder sind.
  16. Genrell viel Lesen
    Je mehr man das Lesen trainiert, desto schneller wird man auch dabei. So werden Vielleser in den meisten Fällen auch zu Schnelllesern


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Kritik

Entgegen der Behauptung begeisterter Anhänger, wird der Text beim Schnelllesen weniger exakt aufgenommen, da aus Bereichen in denen keine Fixation stattfindet erwiesenermaßen keine Information aufgenommen wird – es ist daher nicht möglich, eine ganze Zeile Text mit nur einer Fixation in der Zeilenmitte zu erfassen. Weil beim Training des Schnelllesens meist deutlich konzentrierter vorgegangen wird als beim Lesen auf Zeit, ergibt sich hier ein positiver Effekt der Informationsaufnahme welcher aber nicht mit der Technik zusammenhängt.

Allgemeine Testungen der Lesegeschwindigkeit haben zudem gezeigt, dass jede Person eine individuelle Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit aufweist, welche mit dem Intelligenzniveau in Zusammenhang steht. Mit einem IQ von 100 und bei maximaler Anstrengung, werden in 6,7 Sekunden ca. nur 20 stochastisch (Kunst des Vermutens) unabhängige Buchstaben erkannt (entspricht 15 bit/s). Hochbegabte mit einem IQ von 130, können die gleiche Leistung in etwa 4,5 Sekunden (ca. 23 bit/s) erbringen.

Lesen besteht jedoch nicht aus der Verarbeitung stochastisch unabhängiger Buchstaben, sondern aus dem Thema des Textes, den vorangegangenen Sätzen bzw. Wörtern und der Struktur des Wortes (was die möglichen zu erfassenden Wörter stark einschränkt), wodurch der Informationsgehalt eines Textes weit unterhalb der angegebenen Werte liegt. Die höhere Aufnahmefähigkeit beruht daher auf der Reduktion des Informationsgehaltes und unter Ausnutzung der Redundanz (ausgelassene Wörter ergeben keinen Informationsverlust) der Sprache.


Ineinander verschachtelte und komplizierte Sätze, erfordern zur Entschlüsselung ihrer Struktur mehr Zeitaufwand beim Nachdenken und führen so zu Konzentrationsverlust, wodurch es beim normalen Lesen zu Regressionen (Rücksprung des Blickes zu einem bereits gelesenen Textteil) kommt. Wird bewusst auf diese Rücksprünge verzichtet, kann das dazu führen dass nicht genug Zeit verbleibt um über einen Satz nachzudenken und ihn auch wirklich zu verstehen.


Der Verzicht auf Subvokalisierung (dem Mitsprechen der Worte im Kopf) ist ein Streitpunkt für sich - Gegner der Schnelllesetechnik halten Lesen ohne Subvokalisierung grundsätzlich für nicht möglich bzw. für höchst ineffektiv. Psychologische Experimente bejahen die Möglichkeit gezielter Vermeidung der Subvokalisierung, jedoch mit abweichenden Ergebnissen der Fehlererkennung bei Prosatexten. Auch wurden ohne Subvokalisieren keine Effekte auf die Lesegeschwindigkeit bzw. kein Zusammenhang zwischen Subvokalisieren und Lesegeschwindigkeit festgestellt.

Gegen das Argument, das Schnelles Lesen dazu führe dass mehr Inhalte pro Zeit verwertet werden und so zu mehr abrufbarem Wissen führen, spricht, das mehr Quantität allgemein nicht immer zielgerichtet ist und auch die das die schriftliche Beschreibung eines Themas oft nicht umfassend genug ist ("Ein Bild sagt mehr als tausend Worte").


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