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Mnemotechniken

Die Loci-Methode

Inhaltsverzeichnis


  1. Einleitung
  2. Mutmaßlicher Ursprung der Loci-Methode
  3. Das Prinzip
  4. Mögliche Routenpunkte (Loci)
  5. Praktische Anwendung


  1. Gedächtnis & Lernen - Inhaltsverzeichnis




Loci-Methode (Routenmethode, Lokalisationsmethode)

Die Loci-Methode (von lateinisch locus für Ort/Platz), ist eine bekannte und verbreitete mnemotechnische Lernmethode und Assoziationstechnik, die in der Antike und im Mittelalter die hauptsächlich genutzte wurde. Ein Vorteil der Loci-Methode ist das es nur sehr wenig Aufwand braucht um sie zu beherrschen - aufgrund ihrer Effektivität wird sie von praktisch allen Gedächtnissportlern genutzt.


Weil Bücher und Handschriften in der Antike sehr teuer und selten waren, mussten die Wissenschaftler viel mehr auswendig lernen als heute. Und auch Redner der Antike nutzten die Technik, um ihre Reden auswendig vortragen zu können. So schritt bspw. Cicero gedanklich die Umgebung des Forums in Rom ab - er beschreibt die Methode in seinem Werk „De oratore“.

In der Antike war die Loci-Methode so verbreitet, dass man gemeinhin einfach nur von „der Methode“ sprach.


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Mutmaßlicher Ursprung der Loci-Methode

Der angebliche Erfinder der Loci-Methode ist Simonides von Keos, ein bekannter Poet und Redner der um 500 v. Chr. in Griechenland lebte. Wie Simonides die Loci-Methode angeblich ersann, wurde von Cicero in seinem Rhetoriklehrbuch „De oratore“ (einer der drei Hauptquellen der antiken Gedächtniskunst; die anderen beiden Hauptwerke sind „Institutio oratoria“, ein Rhetoriklehrbuch von Quintilian, und das anonyme „Ad C. Herennium libri IV“) recht anschaulich geschildert:

Während eines von einem thessalischen Edlen namens Skopas veranstalteten Festmahls, trug Simonides zu Ehren seines Gastgebers ein lyrisches Gedicht vor, in welchem auch ein Abschnitt zum Ruhm von Kastor und Pollux vorkam. Anschließend teilte Skopas dem Dichter mit, das er ihm nur die Hälfte der für das Loblied vereinbarten Summe zahlen werde - den Rest könnten die Zwillingsgötter bezahlen, welchen er das halbe Gedicht gewidmet hatte.

Kurz darauf wurde Simonides die Nachricht überbracht, das draußen zwei junge Männer warteten die ihn sprechen wollten. So verließ Simonides das Festmahl aber traf niemanden an. Während seiner Abwesenheit brach das Dach des Festsaals ein und begrub Skopas mitsamt seiner Gäste. Die Leichen waren so zermalmt, dass die Verwandten sie nicht identifizieren konnten. Simonides aber erinnerte sich daran, wie die Leute bei Tisch gesessen hatten und konnte den Angehörigen so zeigen wer wer war.

So haben die unsichtbaren Besucher (Kastor und Pollux) für ihren Anteil an dem Loblied gezahlt, indem sie Simonides unmittelbar vor dem Einsturz herauslockten.


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Das Prinzip

Bei der Loci-Methode wird eine möglichst Detailgenaue Vorstellung eines Raumes (real oder fiktiv) oder eines wohlbekannten Weges (der Weg zur Arbeit z.B.) als (übergeordnete) fixe Struktur genutzt, bei der jedes Detail als Ablage für einen zu merkenden Begriff reserviert ist. Dadurch ist es möglich, beim Wiedergeben die genaue Reihenfolge einzuhalten.

Wichtig dabei ist, wie bereits erwähnt, das die Strukturen mit größtmöglicher Detailgenauigkeit erschaffen werden um eindeutige Plätze/Ankerpunkte zu haben, an denen die zu merkenden Informationen in Form möglichst lebendiger Bilder platziert werden können. Auch Nummern können an den Ankerpunkten abgelegt werden - traditionell wird an einem Platz immer nur ein Begriff/Bild abgelegt.


Um sozusagen Platz/Ankerpunkte zu sparen, können mehrere zu merkende Informationen zu einem Assoziationsbild verknüpft und erst dann gedanklich abgelegt werden. So wird nicht nur Platz gespart, sondern man kann sich zudem auch leichter erinnern. Und der erdachte Weg oder Raum kann immer wieder benutzt werden, indem er mit neuen Informationen quasi neu beschrieben wird (ohne Wiederholung werden die Bilder/Informationen im Kopf immer diffuser, bis sie irgendwann schließlich ganz vergessen werden).


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Mögliche Routenpunkte (Loci)



Vor allem am Anfang sollte man sich auf sehr vertraute Plätze und Räume konzentrieren, vorallem solche aus der Jugendzeit eignen sich meist besonders gut.

Die Routen können sich überall befinden: sowohl in innen liegenden Räumen als auch an jedem Platz draußen, bspw. könnte man Reisen nutzen um eine Route anzulegen, oder diverse Gebäude (Hotels, Einkaufszentren, Schulen,...) und auch Spaziergänge durch eine fremde Stadt bieten sich an. Das bedeutet das man Routen überall finden kann, wo man sich von der Atmosphäre angesprochen fühlt und angenehme Erinnerungen mit dem Platz verbindet. Auch sollten mehrere verschieden lange Routen vorhanden sein, um bspw. bei Prüfungen diverse Aufzählungen parat zu haben.


Anmerkung: Sobald man bei einem oder mehreren Routenpunkte Schwierigkeiten hat sich an die dort abgelegte Information zu erinnern, sollten diese entweder mit anderen Punkten ersetzt werden oder man schmückt sie mit mehr Details aus. Generell sollte man vor dem Beginn des Memorierungsprozesses die einzelnen Routenpunkte im Geiste nochmal in der richtigen Reihenfolge durchgehen.


Die Abfolgen der kreierten Routen sollten außerdem regelmäßig trainiert werden, bspw. in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Mittagspause, im Bett oder während man Sport macht (die Zeit vergeht so viel schneller!). Umso häufiger die Routen benutzt werden, desto fließender folgen die Bilder aufeinander vor dem inneren Auge (quasi wie eine Kamerfahrt).


Zuerst könnte man bspw. einen kurzen Rundgang durch die eigene Wohnung/das eigene Haus machen und sich einen überblick über die Räumlichkeiten verschaffen:


So kann man bspw. bei der Haustüre anfangen und (im oder gegen den Uhrzeigersinn) durch die Räume gehen, dabei Routenpunkte auswählen die sich schon seit langen am gleichen Ort befinden und dabei die Reihenfolge festlegen. Solche Routenpunkte könnten bspw.sein: Garderobe, Spiegel, Kleiderständer, Kleiderschrank, Kommode, Bett, Sessel, Tisch, Spül- oder Waschbecken, Regal, Topfpflanze, Küchenarbeitsplatte, Kühlschrank, Kaffeemschine, Waschmaschine usw. Viele kleine Gegenstände sollte man eher vermeiden, es sei denn man verbindet besondere Emotionen damit.


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Praktische Anwendung

Umso mehr Informationen/Begriffe man sich merken möchte, desto mehr Routenpunkte werden benötigt. Routen können zwar immer wieder verwendet werden, sollten es aber nicht in zu kurzen Abständen da es sonst passieren kann, das die abgelegten Bilder (Informationen) miteinander verwechselt werden.



Das entscheidende bei der Routenmethode ist, eine möglichst fantasievolle/originelle Verbindung zwischen dem Routenpunkt und dem zu merkenden Begriff herzustellen und diese Bilder auch wirklich vor dem geistigen Auge zu sehen. Je bunter, verrückter und lustiger die Assoziationen sind, desto verlässlicher werden sie im Gehirn abgespeichert!


Der Versuch auf herkömmliche Weise eine Abfolge von Informationen zu memorieren, bringt das Gehirn meist durcheinander. Durch Nutzung der Loci-Technik werden die Lerninhalte dagegen in geordneten Bahnen „encodiert“. So kann die Methode auch für umfangreichen Lernstoff genutzt werden, da sich Bilder durch die assoziative Funktionsweise des menschlichen Gehirns besser ins Gedächtnis einprägen als die reinen Informationen (wie Text oder Zahlen).


Beispiel eines geistigen „Spaziergangs“ für Lernstoff

  1. Der Lernstoff wird auf mehreren Zetteln notiert.
  2. Dann begibt man sich mental auf einen Spaziergang entlang der erdachten Ankerpunkte und hält an den jeweiligen Punkten an und verinnerlicht sich den Lernstoff eines bestimmten Merkzettels.
  3. Jetzt wird auf dem jeweiligen Merkzettel notiert, an welchem Ankerpunkt der Inhalt gelernt wurde.
  4. Dann wird der Spaziergang (mit immer denselben Stationen) so oft wiederholt und dadurch die Informationen der Merkzettel vertieft, bis man das Thema beherrscht.
  5. In bspw. einer Prüfungssituation, reicht es dann gedanklich den Spaziergang zu machen um sich so verhältnismäßig mühelos an das Gelernte zu erinnern.



Beispiel einer frei gesprochenen Rede mithilfe eines gedanklichen griechischen Tempels

Zur Gliederung einer frei gesprochenen Rede, kann man sich bspw. die Frontansicht eines griechischen Tempels vorstellen.

Die Treppenstufen werden mit der Einleitung der Rede assoziiert, die rechte, von der Sonne beschienene Säule mit Pro-Argumenten, die linke, im Schatten liegende Säule mit den Kontra-Argumenten und die mittlere, im Halbschatten liegende Säule mit Gemeinsamkeiten bzw. unvereinbaren Gegensätzen gemeinsam. Das Und das spitz zusammenlaufende Dach des Tempels, kann mit dem Endergebnis (wie einem Kompromiss oder eine Synthese) assoziiert werden.


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