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Mnemotechnik / Gedächtnistraining

Inhaltsverzeichnis


  1. Mnemotechnik / Memorieren

  2. Prinzipien des Gedächtnis

  3. Auflistung verschiedener Mnemotechniken


  1. Gedächtnis & Lernen - Inhaltsverzeichnis
Mnemosyne, Göttin der Erinnerung




Mnemotechnik / Memorieren

Das Wort „Mnemotechnik(von Mnemonik), stammt vom griechischen mnéme für ,Gedächtnis` bzw. ‚Erinnerung‘ und téchne für ‚Kunst‘. Es ist ein seit dem 19. Jahrhundert benutztes Kunstwort für die ars memoriae bzw. ars reminiscentiae („Gedächtniskunst“). Der Begriff kommt von der griechischen Göttin Mnemosyne, die in der griechischen Mythologie die Tochter des Uranos und der Gaia ist und zu den Titanen gehört - sie gilt als „Göttin“ der Erinnerung. Die Griechen machten die Erinnerungsfähigkeit durch die Personifizierung greifbar und dadurch auch verständlicher.

Soweit bekannt, war der erste Philosoph der sich mit dem Denken und somit auch dem Gedächtnis auseinandersetzte Aristoteles. In seiner Schrift „über die Seele“ hielt er fest, das der Mensch nicht ohne Bilder denken könne! Mit Hilfe der Mnemotechnik werden Merkhilfen (bspw. als Grafik, Merksatz, Reim oder Schema) entwickelt. Neben diesen einfachen Merkhilfen gehören aber auch komplexe Systeme zu den Mnemotechniken, mit deren Hilfe man sich ganze Bücher, Listen mit mehreren 1000 Wörtern oder tausendstellige Zahlen sicher merken kann!


Geschichte der Mnemotechnik

Das sich bereits die Redner des antiken Griechenlands und Roms häufig der Mnemotechnik bedienten, ist überliefert. Als Erfinder der Gedächtniskunst (genauer der Loci-Methode), gilt allgemein der Poet, Redner und Staatsmann Simonides von Keos (557/556 v. Chr. in Iulis auf Keos; † 468/467 v. Chr. in Akragas). Er zählt zum Kanon der neun Lyriker, einer Gruppe altgriechischer Autoren, die von den Gelehrten des hellenistischen Alexandria für „eines kritischen Studiums wert“ befunden wurden.

Aussagen die Simonides von Keos als Erfinder der Mnemotechnik bestätigen, finden sich in Schriften von Aelianus, Ammianus Marcellinus, Cicero, Plinius, Quintilian, Suidas und in der Parischen Chronik, eine Marmortafel von etwa 264 v. Chr. die Daten von legendären Entdeckungen verzeichnet (bspw. der Flöte, der Einführung des Getreides durch Ceres und Triptolemos, der Veröffentlichung von Orpheus Dichtungen, … sowie vor allem Feste und die dabei verliehenen Preise) und einen Passus über Simonides: „Seit der Zeit, da der Keaner Simonides, Sohn des Leoprepes, der Erfinder des Systems der Gedächtnishilfen, den Chorpreis in Athen gewann und Statuen zu Ehren des Harmodios und des Aristogeiton errichtet wurden 213 Jahre.“ (also etwa 477 v. Chr.).



Mutmaßlicher Ursprung der Loci-Methode

Der angebliche Erfinder der sogennanten „Loci-Methode“ ist der weiter oben bereits erwähnte Simonides von Keos. Wie Simonides die Loci-Methode angeblich ersann, wurde von Cicero in seinem Rhetoriklehrbuch „De oratore“ (einer der drei Hauptquellen der antiken Gedächtniskunst; die anderen beiden Hauptwerke sind „Institutio oratoria“, ein Rhetoriklehrbuch von Quintilian, und das anonyme „Ad C. Herennium libri IV“ - letzteres ist ein Werk, an dem sich zahlreiche mittelalterliche Texte zur Gedächtniskunst, immer als Teil der Rhetorikausbildung, orientierten) recht anschaulich geschildert:

Während eines von einem thessalischen Edlen namens Skopas veranstalteten Festmahls, trug Simonides zu Ehren seines Gastgebers ein lyrisches Gedicht vor, in welchem auch ein Abschnitt zum Ruhm von Kastor und Pollux vorkam. Anschließend teilte Skopas dem Dichter mit, das er ihm nur die Hälfte der für das Loblied vereinbarten Summe zahlen werde - den Rest könnten die Zwillingsgötter bezahlen, welchen er das halbe Gedicht gewidmet hatte.

Kurz darauf wurde Simonides die Nachricht überbracht, das draußen zwei junge Männer warteten die ihn sprechen wollten. So verließ Simonides das Festmahl aber traf niemanden an. Während seiner Abwesenheit brach das Dach des Festsaals ein und begrub Skopas mitsamt seiner Gäste. Die Leichen waren so zermalmt, dass die Verwandten sie nicht identifizieren konnten. Simonides aber erinnerte sich daran, wie die Leute bei Tisch gesessen hatten und konnte den Angehörigen so zeigen wer wer war.

So haben die unsichtbaren Besucher (Kastor und Pollux) für ihren Anteil an dem Loblied gezahlt, indem sie Simonides unmittelbar vor dem Einsturz herauslockten.


Prinzipien des Gedächtnis

Das Gedächtnis funktioniert nach bestimmten Prinzipien, welche bei richtiger Nutzung eine effiziente und möglichst langfristige Abspeicherung von Wissen ermöglichen. Der wichtigste Trcik bei den Mnemotechniken besteht darin, sich die ausgedachten Bilder (-kombinationen) oder Filme vor seinem inneren Auge vorzustellen – erst so erreicht man das beste Ergebnis.

Ein wichtiger Faktor ist es, das Gedächtnistraining über längere Zeiträume regelmäßig zu nutzen, um dadurch Erfahrungen mit dem eigenen Erinnerungsvermögen zu sammeln und diese bei der Aufnahme neuer Informationen dann entsprechend nutzen zu können.



Allgemeine Gedächtnisprinzipien


F antasie

A lle Sinne nutzen

R eihenfolge und Ordnung (das Belegen und Ordnen mit Zahlen bzw. Bildern)

B ewegung (ein Video statt eines Bildes)

E rotik (sexuelle Vorstellungen)

N ummerierung (das verwenden von Zahlen)

P ositive Vorstellungen

R eichtum an Farben

A ssoziation

C odes

H umor

T iefere Eindrücke (Das bewusste und konzentrierte Wahrnehmen; ein genauer Vorgang)


Anmerkung: Die Anfangsbuchstaben dieser Gedächtnisrinzipien, ergeben in der genannten Reihenfolge das Wort Farbenpracht.


Die 7 Mnemotechnischen Mentalfaktoren


  1. Assoziation - Das freie Assoziieren ist die Fähigkeit, Dinge miteinander zu verknüpfen.
  2. Fantasie - Das unwillkürliche Vorstellen von Dingen, ein kreativer und ausschweifender Prozess (siehe auch: Visualisieren).
  3. Logik - Das Erkennen von Systemen bzw. Sinn in einem Komplex erkennen.
  4. Transformation - Das verwandeln von abstrakten Informationen in Bilder.
  5. Visualisierung - Das bewusste Vorstellen eines Prozesses.
  6. Emotion - Der wahrscheinlich wichtigste Gedächtnisfaktor.
  7. Lokalisation – Im speziellen das Verwenden der Loci-Methode.


Um sich bspw. die mnemotechnischen Mentalfaktoren leichter einprägen zu können, kann folgender Merksaz (Akrostichon) genutzt werden:

"All Factors Lead To Very Efficient Learning" (dt.: „Alle Faktoren führen zu sehr effizientem Lernen“)


Auflistung verschiedener Mnemotechniken

Siehe auch: Vokabeln Lernen - Schlüsselwortmethode | Sprachen Lernen


Visualisieren und Assoziieren

zwei grundlegende Fähigkeiten vieler Mnemotechniken
Mithilfe der eigenen Vorstellungskraft, kann man sich einen Gegenstand, einen abstrakten Begriff oder auch eine Idee durch ein Bild verdeutlichen, sozusagen für das Auge gefällig darstellen.

Wörter aus unserem Sprachgebrauchwie wie bspw. „Augenweide“, „Ohrenschmaus“ oder auch Redenwendungen wie „sich ein Bild von etwas machen“ oder „sich etwas vor Augen führen“, verweisen auf die Möglichkeit Sinneserfahrungen verständlich und nachvollziehbar zu beschreiben ...

Visualisieren und Assoziieren


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Kettenmethode / Assoziationskette

Die Assoziationskette bezeichnet eine Aneinanderreihung (Kettenbildung) von Gliedern, die meist aus Wörtern bzw. ganzen Sätzen oder selten auch aus Bildern bestehen. Die Glieder bilden jeweils eine Assoziation zu der Vorausgehenden Information – dadurch hat eine Assoziationskette kein Ende, kann beliebig fortgeführt werden und die Begriffe brauchen auch nichts miteinander zu tun zu haben (bspw. bei Aufzählungen).

Die verbreitetsten Methoden dieser Art sind Zahlen-Symbol-Systeme, das Buchstaben-System sowie die Loci-Methode (welche auch das älteste System ist). Die Methode lässt sich besonders bei Wissensgebieten anwenden, bei denen es auf Stichworte, deren Vollständigkeit und richtige Reihenfolge ankommt.

Assoziationskette


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Einfache Tipps

um sich an Namen, Daten und Zahlen zu Erinnern
Das Verlegen der Schlüssel, eine plötzliche Oriebtierungslosigkeit oder das vergessen von Namen, Nummern oder Daten – das dass Gedächtnis einmal nicht funktioniert, hat fast jeder schon einmal erlebt.

Gegen so einen partiellen Gedächtnisverlust gibt es verschiedene Strategien ...

Tipps um sich an Namen, Daten und Zahlen zu Erinnern


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Merkspruch / Eselsbrücke

Lateinisch 'pons asinorum' / 'pons asini' = Eselsbrücke bzw. auch Eselsleiter; auch bekannt als: Lernhilfe, Lernspruch, Merkreim, Merkvers, Merkhilfe
Ein Merkspruch ist eine Mnemotechnik, die einem das Einprägen (Memorieren / Auswendiglernen) von Informationen, Lerninhalten erleichtert, weil sie dem Gehirn helfen eine Verbindung zu bereits bekannten Inhalten herzustellen.

D.h. die assoziative Arbeitsweise des Gedächtnisses wird zum Merken von Fakten genutzt und dadurch die Arbeit mit dem Gedächtnis erleichtert, da ähnlichkeiten, Assoziationen und Parallelen zu den Informationen hergestellt werden.

Merkspruch / Eselsbrücke


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Reimform

Die Reimform hatten vor allem früher eine große Bedeutung. Beim Reim wird das abspeichern der Informationen durch die besondere Sprachform, die sich deutlich von der Umgangssprache abhebt, gefördert und auch durch den einfachen, gleichmäßigen Rhythmus der Verse akustisch unterstützt.

Reimform


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Zahl-Form-System

[auch bekannt als: Bilderraster, Bildersystem, Bildtafel, Hilfsbildreihe, Pegword System (international oft gebräuchliche Bezeichnung), Zahl-Symbol-System, Zahlensymbole, ...]

Beim Zahl-Form-System, einer grundlegenden Assoziationstechnik der Mnemotechniken, wird jeder Zahl ein bestimmtes Symbol (ein Bild) zugeordnet, um mit den Symbolen die zu merkenden Begriffe in eine feste Reihenfolge zu bringen ...

Zahl-Form-System


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Zahl-Reim-System

(PEG-Methode)
Eine Mnemotechnik um sich Zahlen und Zahlenreihen mit Hilfe von Reimwörter zu merken.

Das Zahl-Reim-System wird neben dem ähnlich funktionierenden Zahl-Form-System oder der bekannteren Loci-Methode, u.a. auch von professionellen Gedächtnissportlern genutzt.

Zahl-Reim-System

Siehe auch: Erweitertes Zahl-Reim-System (Mastermethode)


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Loci-Methode

(Routenmethode, Lokalisationsmethode)
Die Loci-Methode (von lateinisch locus für Ort/Platz), ist eine bekannte und verbreitete mnemotechnische Lernmethode und Assoziationstechnik, die in der Antike und im Mittelalter die hauptsächlich genutzte wurde.

Ein Vorteil der Loci-Methode ist das es nur sehr wenig Aufwand braucht um sie zu beherrschen - aufgrund ihrer Effektivität wird sie von praktisch allen Gedächtnissportlern genutzt.

Loci-Methode


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Major-System

(Mastersystem)
Die Gedächtnistechnik des Major-Systems basiert auf der Zuordnung von Lauten zu Ziffern und Konsonanten. Das Erlernen des Master-Systems in Kombination mit der Routenmethode, bildet eigentlich erst die Basis für ein langfristig wirksames Gedächtnistraining.

Major-System


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Gedächtnispalast

Der so genannte Gedächtnispalast ist eine recht anspruchsvolle Erweiterung der Loci-Methode, die dem langfristigen memorieren von Allgemeinwissen und jeder anderen Art von Informationen dient, aber (durch seine örtliche Struktur) auch dazu verwendet werden kann, Logik in bereits vorhandenes Wissen zu bringen.

Gedächtnispalast


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