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Grundlagen der Mnemotechniken

Visualisieren und Assoziieren

Inhaltsverzeichnis


  1. Visualisieren
  2. Assoziieren: Das Verknüpfen neuer Informationen mit bekanntem
  3. Kettenmethode, Assoziationskette

  1. Gedächtnis & Lernen - Inhaltsverzeichnis




Visualisieren


Vorwort

Sarasvati - Indische Göttin der Weisheit und Gelehrsamkeit Mithilfe der eigenen Vorstellungskraft, kann man sich einen Gegenstand, einen abstrakten Begriff oder auch eine Idee durch ein Bild verdeutlichen, sozusagen für das Auge gefällig darstellen. Wörter aus unserem Sprachgebrauchwie wie bspw. „Augenweide“, „Ohrenschmaus“ oder auch Redenwendungen wie „sich ein Bild von etwas machen“ oder „sich etwas vor Augen führen“, verweisen auf die Möglichkeit Sinneserfahrungen verständlich und nachvollziehbar zu beschreiben. Für das Trainieren des Gedächtnises bedeutet das zu lernen, gehörtes oder gelesenes bewusst und möglichst fantasievoll vor seinem inneren Auge zu sehen.

Doch die Fähigkeit bewusst in Bildern zu Denken, wird in der moderen Zeit immer seltener abverlangt da unsere Augen ständig farbige Bilder in Form von Fotografien, Filmen und Fernsehsendungen vorgesetzt bekommt. In früheren Zeiten fand die Illustration eines Textes noch in den Köpfen der Menschen statt, da diese nur wenig bebildert waren. So waren die Menschen bei der Umsetzung von Geschichten, Märchen, Nachrichten usw., damals jeweils auf ihre ganz persönliche Vorstellungskraft angewiesen. Heutzutage hingegen werden wir durch die zunehmende Bilderflut in der Werbung oder den Medien, mit ihren scheinbaren Abbildungen der Wirklichkeit, ständig beeinflußt und unser Verhalten so bewusst oder unbewusst gesteuert.

Außerdem ist auch unser Sprachverständnis immer abstrakter geworden und um etwas zu verstehen, brauchen wir uns heute nicht mehr zwangsläufig „ein Bild von etwas zu machen“ und nutzen so auch beim Zuhören kaum noch unsere persönliche Vorstellungskraft und Fantasie. Durch die Gewöhnung an diese Abstraktion der Sprache, ist die Welt in unserem Kopf trotz der bunten Medien sozusagen farbloser geworden.

Die Visualisierung ist für das Gedächtnistraining deshalb so wichtig, weil unser Gehirn sich an Bilder wesentlich besser erinnern kann als an Worte. Daher ist, für ein gutes Gedächtnis, auch das Training der Fähigkeit zu Visualisieren (Bilder im Kopf zu erschaffen) eine Grundvoraussetzung. Wichtig ist es, trotz möglicher erster Fehlversuche, weiterzumachen – manchen fällt es einfache schwerer Bilder vor dem inneren Auge zu sehen als anderen (was natürlich davon abhängig ist, wie man bisher seine Umwelt wahrgenommen und interpretiert hat).


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Übungen

Anmerkung: Für die folgenden übungen ist keine große Vorbereitung und auch nicht viel Zeit notwendig. Sie können auch immer zwischendurch durchgeführt werden, bspw. wenn man einmal Langeweile hat, beim Warten an der Ampel, in der Mittagspause, während einer U-Bahn fahrt oder in der Schlange an der Kasse. Bereits mit kurzen Visualisierungsübungen, werden die „graue Zellen“ stimuliert und man verbessert seine Fähigkeiten laufend!


Man stellt sich ein beliebiges Objekt vor, ganz egal was, umso spontaner desto besser - bspw. ein Tier wie den Elefant.


  • Man schließt die Augen und stellt sich diesen Elefanten so vor, als würde er direkt vor einem stehen: Was für eine Haut hat er, wie fühlt sie sich an, wie verhält er sich bzw. welchen Blick hat der Elefant wenn er fröhlich, traurig, wütend oder erregt ist oder wenn er Hunger hat?

    Es ist wichtig sich die jeweiligen Gesichtsausdrücke bildlich vor Augen zu führen. Man kann den Elefanten einfärben, ihn schrumpfen oder überdimensional anwachsen lassen, ihn um alle Achsen rotieren lassen oder sich um den Elefanten herum bewegen um ihn von allen Seiten zu betrachten. Egal was man mit ihm anstellt, wichtig ist es dabei immer zu versuchen das Tier möglichst detailiert vor dem inneren Auge zu sehen und sich vorzustellen wie es sich anfühlt (bspw. warm oder kalt, rau oder glatt).

    Egal ob Tiere die eingefärbt werden, Personen deren Friseur oder Figur sich ändert, ... wichtig ist nur zu lernen sich Bilder im Kopf zu machen, die man betrachten, bewegen und verändern kann.

Eine andere effektive übung ist es sich mit geschlossenen Augen den Raum vorzustellen, in welchem man sich gerade befindet.


  • Sich das vorzustellen ist schwieriger als es klingt, schnell bemerkt man das es viele Stellen gibt von denen man keine bildliche Erinnerung hat (bspw. was genau im Regal oder am Tisch steht). Treten solche Lücken auf, öffnet man wieder die Augen und betrachtet den Raum nochmal genauer und achtet auf jedes kleine Detail. Beim abermaligen schlißen der Augen, ist das Bild das man sich von der momentanen Umgebung jetzt machen kann vermutlich schon viel genauer als zuvor.

Unsere Vorstellungen im Kopf werden oft von anderen Eindrücken ergänzt (insbesondere Emotionen und Erinnerungen) – im Laufe der Zeit und mit etwas übung, wird man seine eigenen Bilder und Vorstellungen entwickeln und auch zu vielen, oft längst vergessen geglaubten Erinnerungen zurückfinden.


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Zusammenfassung

Man stellt sich (visualisiert) beliebige Objekte als möglichst konkretes Bild nacheinander vor seinem geistigen Auge. Je fantasievoller, kreativer und ausgefallener das Bild im Kopf ist, desto besser erinnert man sich daran.

Wichtig dabei ist …



Beim einprägen von Begriffen die Zeit nehmen die es braucht, dabei immer auf sich selbst vertrauen. Keine Angst vor dem Vergessen – fantasievolle und unterhaltsame Bilder die man auch wirklich sehen kann, bleiben leicht im Gedächtnis haften und man wird merken, das mit relativ wenig Training schnell Fortschritte gemacht werden.


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Assoziieren: Das Verknüpfen neuer Informationen mit bekanntem


Vorwort

Das miteinander verbinden bzw. verknüpfen (Assoziieren) von Informationen, ist neben der Visualisierung die Grundtechnik des Gedächtnistrainings/der Mnemotechniken. Es ist mit dem Ordnungssystem in einer Bibliothek vergleichbar: Wurde das Buch (Information) im richtigen im richtigen Regal (Routenpunkt) abgelegt, muss es nur noch am richtigen Punkt entnommen werden - eine falsch abgelegte Information hingegen kann nur sehr schwer wieder gefunden werden.

Informationen werden immer besser aufgenommen und damit auch gemerkt, wenn man bereits etwas über das Thema weiß. Denn bewusst oder unbewusst, werden die neuen Informationen mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft - und man merkt sich vor allem die Fakten für welche man sich auch interessiert. Erinnert man sich dann an älteres, bereits abgespeichertes Wissen, fällt einem so auch das Neugelernte wieder ein. Und auf dieser Grundlage, gemeinsam mit dem Visualisieren, basiert auch die Mnemotechnik – weshalb die Fähigkeit des Assoziierens / Verknüpfens trainiert werden muss um das Gedächtnis effektiv nutzen zu können.

Gerade für einfache übungen am Anfang, eigne sich dazu vor allem konkrete Gegenstände am besten – später fällt es einem dann wesentlich leichter, auch komplexe Informationen auf vergnügliche und damit einprägsame Weise miteinander zu verknüpfen.


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Praxis

Lässt man beim Assoziieren seiner Fantasie freien Lauf, wird man schnell erkennen das man im Grunde zwischen allen Begriffen einprägsame Verbindungen finden kann – auch hier macht die übung den Meister.

Es gibt prinzipiell vier grundlegende Methoden um Gegenstände miteinander zu Verknüpfen:


  1. Durch das erinnern an eine konkrete Situation
  2. Durch eine Personifizierung der Gegenstände (wie eine Bürste die Gitarre spielt)
  3. Die Objekte etwas erleben zu lassen (bspw. ein Hund der einem Ball nachjagt)
  4. Das gegenseitige Ersetzen der Gegenstände (wie ein Fahrrad das einen Besen reitet)


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Abstrakte Begriffe

Durch Illustrationen veranschaulichte Informationen können viel besser gemerkt werden als solche, die zu einem Text ohne erläuternde Bilder stammen. So kann man sich meist an die Gesichter von Menschen wesentlich besser erinnern als an deren Namen.

Das liegt daran, wie man sich jetzt denken kann, daran das Gesichter etwas Bildhaftes sind, ein Name wie Wojczek aber etwas sehr abstraktes ist, mit dem meist nicht sofort ein Bild assoziiert werden kann. Man weiß zwar oft, wo man eine gesuchte Information findet, aber trotzdem gelingt die Erinnerung an den Inhalt nicht – es gibt zwar eine bildliche Vorstellung aber die Buchstaben sind so verschwommen / abstrakt, dass man sie nicht „sehen“ kann.


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Beisiele für Abstrakte Begriffe und Assoziationen dazu

Begriff Mögliche Assoziationen
Begeisterung Standing Ovations nach einer Theatervorstellung, Konzert, Fußballfans
Freiheit Freiheitsstatue in New York, „Freiheit führt das Volk an“ (Gemälde von Delacroix),
Vogel der beim öffnen des käfigs davonfliegt, Tiere in freier Wildbahn
Gedanke strahlend hell aufleuchtende Glühbirne, Sprechblase in einem Comic, rauchender Kopf
Intelligenz Albert Einstein, Stephen Hawking, IQ-Test
Klang Musik aus einem Lautsprecher, Radio, Gong, Glocke, Instrument
Kraft Arnold Schwarzenegger, Hanteln, Sportler stemmt viel Gewicht,
Elefant der einen Baumstamm anhebt
Mut Bungee-Sprung, Fallschirmsprung, Klippenspringer
Vergangenheit Zeitmaschine, Schulzeit, Ereignisse und Persönlichkeiten aus der Geschichte
Vorstellung Theatervorstellung, sich öffnender Bühnenvorhang, ein Vorstellungsgespräch


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Kettenmethode, Assoziationskette

Kettenglieder Die Assoziationskette bezeichnet eine Aneinanderreihung (Kettenbildung) von Gliedern, die meist aus Wörtern bzw. ganzen Sätzen oder selten auch aus Bildern bestehen. Die Glieder bilden jeweils eine Assoziation zu der Vorausgehenden Information – dadurch hat eine Assoziationskette kein Ende, kann beliebig fortgeführt werden und die Begriffe brauchen auch nichts miteinander zu tun zu haben (bspw. bei Aufzählungen).


Die verbreitetsten Methoden dieser Art sind Zahlen-Symbol-Systeme (siehe Zahl-Form-System), das Zahl-Reim-System, das Buchstaben-System sowie die Loci-Methode (die auch das älteste System ist).

Die Methode lässt sich besonders bei Wissensgebieten anwenden, bei denen es auf Stichworte, deren Vollständigkeit und richtige Reihenfolge ankommt. Die zu lernenden Begriffe werden, durch ausdenken einer Geschichte in der die Begriffe vorkommen, wie die Glieder einer Kette so aneinander gereiht, dass die richtige Reihenfolge erhalten bleibt.

Ein Risiko besteht darin, das durch vergessen eines Kettengliedes die gesamte Assoziationskette sozusagen „reißt“ (wobei es spezifische Methoden gibt, durch die das vergessen minimiert werden kann). Weil jeder Mensch mit bestimmten Elementen in seinem Gehirn individuelle Verknüpfungen herstellt, kann eine Assoziation nicht als falsch oder richtig bezeichnet werden, da sie meist nicht rational begründet werden kann.



Je nach Lerntyp werden dabei meist 3 unterschiedliche Wege unterschieden:

  1. Bildhafte (anschauliche) Verknüpfung
    Zwei Informationen/Begriffe werden durch ein anschauliches Bild miteinander verbunden: z.B. Schuhe und Speiseöl: Man kann sich vorstellen wie man mit den Schuhen über das öl rutscht.
  2. Praktische (experimentelle) Verknüpfung
    Die zwei Begriffe werden in einer selbst vollziehenden Handlung miteinander verknüpft. Bspw. könnte man die Schuhe mit dem öl einreiben und Polieren.
  3. Haptisch (Angreifende), emotionale Verknüpfung
    Zwei aufeinander folgende Begriffe werden durch Emotionen oder sinnliche Eindrücke (berühren, riechen, schmecken) zu einer Geschichte verbunden. Z.B. trinkt jemand aus einer Flasche öl und verzieht ob des strengen Geschmacks das Gesicht.


Wichtig ist sich die einzelnen Begriffe nicht nur vorzustellen, sondern eine Art Film daraus zu drehen indem man mit der Kamera langsam von einem Begriff zum nächsten schwenkt, so dass die Begriffe lebhaft miteinander verknüpft werden. Diese 3 zuvor beschriebenen Methoden eignen sich bspw. zum memorieren von Aufzählungen (wie bspw. Bestands- und Einkaufslisten,...), Reihenfolgen (Handlungsschritten) und Wortpaaren.


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