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Mnemotechniken

Inhaltsverzeichnis


  1. Zahl-Form-System

  2. Zahl-Reim-System (PEG-Methode)

  1. Gedächtnis & Lernen - Inhaltsverzeichnis




Zahl-Form-System

[auch bekannt als: Bilderraster, Bildersystem, Bildtafel, Hilfsbildreihe, Pegword System (international oft gebräuchliche Bezeichnung), Zahl-Symbol-System, Zahlensymbole, ...]


Beim Zahl-Form-System, einer grundlegenden Assoziationstechnik der Mnemotechniken, wird jeder Zahl ein bestimmtes Symbol (ein Bild) zugeordnet, um mit den Symbolen die zu merkenden Begriffe in eine feste Reihenfolge zu bringen. Ein Beispiel dafür ist die altindische Zahlendarstellung des Mathematikers und Astronoms Bhaskaras aus dem 7. Jahrhundert (siehe: Wikipedia).

Das Zahl-Form-System ist Analog (entsprechend) zum Zahl-Reim-System.



Beim Zahlensystem bilden also Zahlen das Grundgerüst (die Ordnung) – d.h. die Reihenfolge in der die zu merkenden Wörter gemerkt und einsortiert werden. Die gewählten Symbole stehen durch ihre Form/ihr Aussehen in einem leicht erkennbarem Bezug zur Zahl, wobei die verwendeten Symbole in diversen Büchern voneinander abweichen können und sollen. Denn es kommt nicht auf das verwendete Bild an, sondern darauf das man das Bild vor dem eigenen geistigen Auge lebendig und leicht sehen und so sicher memorieren kann. Es ist daher entscheidend sich für ein bestimmtes Bild zu entscheiden.

Das System funktioniert nur, wenn einem zu einer bestimmten Zahl auch immer das gleiche Bild einfällt und vor allem auch umgekehrt, bei einem Erinnerungsbild immer auch die jeweilige Zahl sicher einfällt. Hat man öfters mit der gleichen Zahl Probleme, sollte ein anderes Bild gewählt und umgelernt werden!


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Praktische Umsetzung


Beispiele für Zahlensymbole


Zahl optisch ähnliches Bild einer Zahl Assoziationskette
0 Apfel, Ball, Bowlingkugel, Diskusscheibe, Kugel, Orange, Reifen, Ring, Sack ein alter Mensch (Mund ohne Zähne)
1 Baseballschläger, Baum, Bleistift, Füllfeder, Gehstock, Kerze, stehende Person mit gesenktem Kopf (Seitenansicht; bspw. ein betender Mönch), Pfosten, Spaghettinudel Zyklop (1 Auge)
2 Ente, Gans, betender mönch (kniend mit gesenktem Kopf), Peitsche (geschwungen), Schlange (die sich zum Angriff bereit aufstellt), Schwan, Wasserschlauch Lichtschalter (2 Funktionen: Aus/Ein)
3 Doppelkinn, Dreizack, Gesäß, Handschellen, menschliches Hinterteil, Hügel,
(fliegender) Vogel, Magnet, weibliche Brüste, Zahn
Hocker (mit 3 Beinen)
4 Bergspitze, Dachschräge, Fahne, Segel eines bootes, Zelt Auto (4 Reifen), (Glücks)Kleeblatt, Tisch/Sessel (4 Beine)
5 Haken, Kniestuhl/-hocker, schwangere Frau Hand (5 Finger)
6 Elefantenrüssel (eingedreht), Golfschläger, Kirsche, Pfeife Würfel (6 Seiten)
7 Fahne, Hake, Klippe, Sense Zwerge (Schneewittchen und die 7 Zwerge)
8 Achterbahn, Brezel, Brille, Sanduhr, Schneemann, Spielrennbahn Spinne (8 Beine)
9 Feuerring, Flagge, Golfschläger (nach oben gehalten), Kaulquappe, Lupe, Seifenblasengestell, Spermium, Tennisschläger Katze (9 Leben), Kegel (alle Neune)
10 Baseballschläger mit Ball, Billardqueue mit Kugel, Laurel und Hardy Bibel (10 Gebote), alle zehn Finger bzw. Zehen
11 2 Spaghettinudeln Fußballmannschaft (11 Spieler)
12 Uhr (deren Zeiger auf 12 Uhr zeigen) Geist (Geisterstunde; Mitternacht), Mittagessen (12 Uhr)
13 Metallstab der von einem Magneten angezogen wird Flugzeug (keine 13. Reihe)
14 stehende Person mit gesenktem Kopf neben einem Segel (am Boot) Herz (14. Februar; Valentinstag)
15 schwangere Frau die sich an einem Pfosten anlehnt Ritter (lebten im 15. Jahrhundert)
16 Kirsche die an einem Baum herunterhängt Teenager (Alter)
17 Turmspringer der zum Abspringen gerade auf den Turm klettert Kartenspiel (17 und 4)
18 Trauriges Kind mit gesenktem Kopf, weil der Schneemann schmilzt Feierabendverkehr (Staus um 18 Uhr)
19 Luftballon der an einem Pfosten festgemacht ist Abendessen (19 Uhr)
20 Ein Schwan der aus einem See watschelt Nachrichten (20 Uhr)


Hat man das Zahl-Form-System verinnerlicht, können damit 10-20 Wörter memoriert werden, indem jedes dieser Wörter in ein lebendiges Bild (möglichst farbig, plastisch, beliebig sinnlos) umgesetzt und mit einem der Symbolbilder zu einem Bild verknüpft wird.



Beispiel anhand einer Einkaufsliste

Um sich Dinge zu merken die man besorgen möchte, schreibt man zuerst die zu kaufenden Objekte neben eine Zahl und kreiert dazu jeweils ein Bild in seinem Kopf.

Beispielsweise könnte neben der Zahl 10 Weintrauben stehen und das Bild für die Zahl sind 10 Zehen: So kann man sich vorstellen, das man in einem Bottich voller Weintrauben steht und diese mit den Füßen zerstampft um daraus Traubensaft zu gewinnen. Im Supermarkt wird einem beim memorieren der 10 (zehn Zehen) dieses Bild vor Augen geführt und man weiss so was man kaufen wollte.



Beispiel für abstrakte Begriffe

Das memorieren abstrakter Begriffe wie „Glaube“, „Liebe“, „Gerechtigkeit“ oder „Relativitätstheorie“ erfordert etwas mehr Einsatz und übung.

Als Bild für „Glaube“ bspw., könnte man sich einen am Boden betenden Moslem vorstellen, bei „Liebe“ ein sich küssendes Paar, bei „Gerechtigkeit“ die Göttin Justitia mit Waage und Schwert und bei „Relativitätstheorie“ Albert Einstein vor einer Tafel mit seiner berühmten Formel darauf. Ist beispielsweise das erste zu merkende Wort „Liebe“ und das gewählte Symbol für die 1 eine Kerze, kann man ein sich ein bei Kerzenschein küssendes Paar vorstellen. Oder ist das sechste zu merkende Wort „Relativitätstheorie“ und man hat für die 6 als Symbol eine Pfeife gewählt, kann man sich einen Pfeife rauchenden Albert Einstein vor der Tafel mit der Formel darauf vorstellen.


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Zahl-Reim-System (PEG-Methode)

Eine Mnemotechnik um sich Zahlen und Zahlenreihen mit Hilfe von Reimwörter zu merken.

Das Zahl-Reim-System wird neben dem ähnlich funktionierenden Zahl-Form-System oder der bekannteren Loci-Methode, u.a. auch von professionellen Gedächtnissportlern genutzt. Das System ist deshalb so effizient, weil das Gehirn Geschichten (Codierung und Dekodierung der Ziffern mit Wörtern und daraus gebildeten Geschichten) besser verarbeiten und speichern kann als reine Zahlenfolgen. Dadurch ist es möglich sich Zahlenfolgen von 50 Ziffern und mehr in kürzester Zeit zu merken.


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Praktische Anwendung

Das Zahl-Reim-System basiert auf Assoziationen von Ziffern und Wörtern, aus welchen anschließend eine leicht zu merkende Geschichte entwickelt wird – umso fantasievoller und verrückter der Begriff visualisiert wird, desto leichter prägt er sich ein und kann später abgerufen werden.

Zur Anwendung wird jede Ziffer von 0 bis 9 mit einem sich jeweils dazu reimendem Wort verknüpft - dadurch entsteht eine Codierung, welche später wieder dekodiert wird um die Zahlenfolge zu erhalten. Ein Vorteil der Methode ist, das auch wenn einem das Bild nicht gleich einfällt, immer noch das Reimwort bleibt um sich daran zu erinnern.



Beispiele für Reimwörter


Ziffer Name Reim
0 null Mull, Müll
1 ein Bein
2 zwei, zwo Mai(glöckchen), Zoo
3 drei Brei
4 vier Bier, Stier
5 fünf Strümpf(e)
6 sechs Hex(e)
7 sieben Sieb, Rüben
8 8 Yacht
9 neun Scheun(e)



Die sich auf die Zahlen reimenden Wörter und ein möglichst einprägsames und spontanes Bild zum Wort, werden zunächst auswendig gelernt indem man die Zahlen mehrfach wiederholt und sich das jeweilige Reimwort (Bild) dazu lebhaft vorstellt. Man sollte sich eine individuelle Ziffern-Wort-Reimliste von 0 bis 9 erstellen - sobald diese Liste sicher im Gedächtnis verankert ist, stellt jedes der Wörter und das damit verbundene Bild einen geordneten und damit wiederauffindbaren Platz für das zu merkende Wort dar.


Hat man bspw. auf der Einkaufsliste äpfel als 9 Begriff den man sich merken möchte, könnte man sich eine Scheune voll mit duftenden äpfeln vorstellen, die beim öffnen des Tors hinausrollen. Oder das in der Scheune Menschen mithilfe einer Obstpresse Apfelsaft pressen. Geht man beim Einkauf dann die Liste durch, erinnert man sich an der 9. Stelle nicht nur an die Scheune sondern auch an die damit verknüpften Bilder.

Somit dient das Zahl-Reim-System also in erster Linie nicht dem Merken von Zahlen, sondern die Zahlen stehen für eine geordnete Reihe von Bildern. So können durch andere Bilder immer neue Listen von zu merkenden Worten erstellt werden, um diese abrufbereit im Gedächtnis zu verankern.


Da es bei nur 9 Begriffen häufig zu Wiederholungen der Bilder kommt, gibt es die Möglichkeit dieses System zu erweitern indem den Begriffen Substantive bzw. Verben zugeordnet werden – bspw.:

0 Mull - verbinden | auf 1 Bein hüpfen | 2 Mai(glöckchen) pflücken | 3 Brei Essen/durch blasen abkühlen | 4 Stiere laufen bzw. Bier trinken | 5 Strümpfe stricken | 6 Hexe - Zaubern | 8 Sieb - Abseihen bzw. Rüben Schälen | 8 Jacht - Segeln | 9 Scheun - im Heu liegen |

Steht bei einer anderen Einkaufsliste jetzt der Begriff Schwamm an 9. Stelle, könnte man sich bspw. vorstellen, das viele Schwämme auf dem Heu in der Scheune liegen.


Das Grundgerüst der neun Ziffern und der damit verknüpften Bilder und Substantive bzw. Verben, bleibt also immer gleich und dient gewissermaßen als Ablagesystem, in dessen neun Fächer immer wieder neue Worte abgelegt werden können. Sollte man mit einem der Reimworte öfter Schwierigkeiten haben sich gute Bilder dazu vorzustellen, dann empfiehlt es sich dieses gegen ein anderes zu ersetzen.


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Kombination mit der Loci-Methode

In Kombination mit einem anderen Ordnungssystem wie bspw. der Loci-Methode (mit der man im Geiste eine feste Route/Reihenfolge abschreiten kann), können entlang des Weges Bilder aus dem Zahl-Reim-System abgelegt werden um sich so bspw. einen Code oder eine Telefonnummer zumerken.

In der Praxis bedeutet das, man kann so viele Nummern speichern wie man Routenpunkte festgelegt hat. Die Punkte werden dann mit den Bildern der Zahl-Reim-Methode die für die jeweilige Zahl stehen, in möglichst fantasievoller und einpräsamer Weise verknüpft – die Reihenfolge der Route ergibt auch die der Ziffenreihe. So werden zwar die Bilder aus dem Zahl-Reim-System angewendet aber nicht das System selbst, welches im genannten Beispiel eben die Loci-Methode ist.


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Erweitertes Zahl-Reim-System (Mastermethode)

Beim erweiterten Zahl-Reim-System, werden Ziffern-Wort-Kombinationen verwendet die über die Ziffern 0 - 9 hinaus gehen. So werden die gebildeten Geschichten kürzer und man kann sich noch längere Zahlenfolgen einfach einprägen.


Praktische Anwendung

Das Prinzip an sich ist denkbar einfach: Nachdem man sich seine persönliche Ziffern-Wort-Kombinationen erdacht hat, werden diese durch 10er-Schritte erweitert welche wiederum mit einer Eigenschaft assoziiert werden. Im folgenden Beispiel etwa, werden Stimmungen der Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zugeordnet:


Mithilfe dieses Systems muss nicht für jede einzelne Ziffer ein Gegenstand in die Geschichte eingebracht werden, sondern die jeweiligen Gegenstände verändern sich jetzt im Detail. Die Ziffer "28" bspw. wird in der Geschichte so zu einer "goldenen Yacht". Mit dem einfachen Zahl-Reim-System wären dies bspw. Maiglöcken die auf einer Yacht wachsen.


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