Geschichte der Espressomaschinen

Inhaltsverzeichnis


  1. Das 19. Jahrhundert

  2. Das 20. Jahrhundert

Siehe auch
Geschichte des Kaffees :: Espressomaschinen Modelle :: Technik der Espressomaschinen :: Bedienung von Espressomaschinen :: Reinigung von Espressomaschinen :: Espressomaschinen: Kaufberatung :: Zubereitung von Espresso :: Beliebte Einkreis- bzw. Zweikreismaschinen

Das 19. Jahrhundert

Die Erfindung des Kaffee-Perkolators (bei dem erhitztes Wasser aufgrund des Dampfdrucks durch einen Innenzylinder emporsteigt) wird dem Pariser Blechschmied Laurens zugeschrieben, der 1819 die erste Kanne nach diesem Prinzip entwickelt haben soll. Seine Idee wurde vielfach übernommen und weiterentwickelt bis schließlich Eduard Loysel de Santais, bei der Weltausstellung 1855 in Paris, einen Druckbrühapparat vorstellte, bei dem der Dampfdruck das Wasser von einem geschlossenen Kessel hinauf beförderte und dieses durch die Schwerkraft von oben auf das gemahlene Kaffeepulver traf – das riesige Gerät soll rund 2000 Tassen pro Stunde geschafft haben.



1850 - Das Konzept der Espressomaschine

Wie viele andere Erfindungen auch, wurde die Espressomaschine (bei eBay) nicht von nur einer Person allein erfunden sondern war das Resultat der Vereinigung von Innovationen vieler einzelner Ingenieure im laufe der Zeit. Das Konzept der Espressomaschine wurde um 1850 geboren, in Form von Patenten für experimentelle Maschinen von denen die meisten jedoch nie gebaut wurden. Und die wenigen Prototypen die doch gebaut wurden gelangten nicht in die Serienproduktion.

Da größte Problem zu jener Zeit war das Erhitzen des Wassers und die Erzeugung des Dampfdrucks, was vor 1900 noch durch Brennstoffe wie Holz, Kohle oder natürliches Gas erfolgte. Als später schließlich die elektrische Energie genutzt werden konnte, gingen einige Maschinenerzeuger dazu über elektrische Heizelemente zum aufheizen des Wassers im Kessel zu benutzen – und später auch elektrische Pumpen um das heiße Wasser durch das Kaffeepulver zu zwingen.

Von den frühen Anfängen an waren 2-Gruppen Espressomaschinen (bei eBay) der Standard, konnten damit doch 2 Tassen gleichzeitig zubereitet werden. Jedoch hatte diese Urform des Espressos nur wenig mit dem heute beliebten Getränk gemeinsam, es könnte wollte eher als schnell zubereiteter, gefilterter Kaffee bezeichnet werden.


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Weitere Entwicklungen im 19. Jahrhundert

Im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch Patente innovativer Kaffeemaschinen für zu Hause eingereicht und viele davon basierten auf Dampf zur Extraktion des Kaffees. Viele Maschinen nutzten Dampf dazu, das heiße Wasser durch das Kaffeepulver zu drücken – so wie bei der erstmals 1945 gefertigten und auch heute noch sehr beliebten Moka-Kanne Bialetti Express. Andere verwendeten herausnehmbare Filterbehälter, was schließlich zur Entwicklung des heute gebräuchlichen Siebträgers führte, der durch den Bajonettverschluss schnell entfernt und nach dem erneuten befüllen wieder eingesetzt werden kann.

Handgemachte, gewerbliche Kaffeemaschinen (bei eBay) in kleinen Mengen, wurden damals in Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich und England hergestellt. Die wichtigsten Funktionen dieser Maschinen waren das Erhitzen des Wassers in einem Kessel mittels Gas, Spiritus oder mit einer durch Holz bzw. Kohle geheizten Platte und mit dem so gewonnen, niedrigen Wasserdampfdruck das Wasser durch das Kaffeepulver zu drücken. Bei einigen Systemen gelangte vor dem Wasser etwas Dampf furch das Sieb, bei anderen folgte der Dampf der Extraktion mit dem Wasser, um (nach damaliger Meinung) das letzte aus dem Kaffeepulver zu holen und den Sud zu trocken um diesen so einfacher entfernen zu können.


Das erste Patent das die meisten Elemente einer puristischen, auf Dampfdruck basierende Espressomaschine wie wir sie heute kennen bereits enthielt, wurde 1878 von Gustav Kessel eingereicht. Der erste Prototyp der Espressomaschine basierte auf derselben Funktionsweise und wurde von dem aus Turin stammenden Angelo Moriondo am 16 Mai 1884 zum Patent angemeldet (Patent Nr. 33/256; lt. “Bollettino delle privative industriali del Regno d’Italia”, 2 Auflage, 15 Ausgabe, Seiten 635-655). Bei seiner Maschine wurde zuerst das Wasser und anschließend Dampf (weil davon ausgegangen wurde dies sei zum lösen sämtlicher Kaffeearomen wichtig) durch ein Metallsieb und das Kaffeepulver darin gedrückt - diese für die Massenproduktion entworfene Maschine schaffte rund 50 Tassen auf einmal.

Moriondo erhielt ein Zertifikat der Industrie auf dem seine Maschine als “Neue Dampfmaschine zur sofortigen wirtschaftlichen Produktion von Kaffeegetränken“ bezeichnet wurde und präsentierte auf der Nationalen Turiner Expo 1884 erstmals ein funktionierendes Modell davon.

Damals war noch eine speziell geschulte Person nötig, um die meisten dieser frühen, ausgesprochen kompliziert zu bedienenden schnellen Kaffeemaschinen zu bedienen. So musste der Kesseldruck von Hand reguliert werden um zu verhindern, das der Kessel durch den Überdruck explodierte.

Das der schnellen Kaffee zu dieser Zeit so populär wurde mag etwas mit der industriellen Revolution zu gehabt haben – die Lohnarbeiter schätzten den Geschmack und die Wirkung, hatten aber nur wenig Zeit für Kaffeepausen weil jede Minute zählte. Bedacht werden sollte auch, das der regulär gebraute, langsame Kaffee damals wesentlich besser schmeckte als der schnelle, da die Technik der Espressomaschinen noch in den Kinderschuhen steckte.

Da die Barbetreiber viel Geld in die teuren Maschinen investieren mussten und auch noch eigenes Personal benötigten um diese zu bedienen, liegt es nahe das die Nachfrage für den schnellen Kaffee damals sehr hoch gewesen sein musste. Es war eine Zeit in der als schneller wurde …


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Das 20. Jahrhundert



1901 bis 1902 - Die Erfindung des Prototyps der Espressomaschine durch Luigi Bezzera

Die Legende besagt das sich ein Barbesitzer aus Neapel Anfang des 20. Jahrhunderts über die langsame und komplizierte Kaffeezubereitung geärgert haben soll. So soll er sich an einen Mailänder Mechaniker namens Luigi Bezzera gewandt haben, um eine Lösung für dieses Problem zu finden. Dieser verbesserte die von Angelo Moriondo entwickelte Maschine und meldete mehrer Patente an, von welchen das erste am 19 Dezember 1901 eingereicht wurde: Es trug die Bezeichnung “Innovationen der Maschine zur sofortigen Produktion von Kaffeegetränken “ (Patent Nr. 153/94, 61707) und wurde am 5 Juni 1902 genehmigt.

Seine Kaffeemaschine "Tipo Gigante" nutzte nicht mehr den Dampfdruck zum Brühen sondern basierte auf einem System von vier Brühgruppen (in die verschiedene Filtergrößen passten) die an einem senkrecht stehenden Kessel angeordnet waren und mit einem Brühdruck von etwa 1,5 bar bis zu acht kleine Tassen Kaffee produzieren konnte – seine Maschine gilt als der Prototyp und Luigi Bezzera damit als Erfinder der modernen Espressomaschine.

Bezzera vereinigte die neusten Entwicklungen anderer Maschinen dieser Zeit und kombinierte diese mit einem Siebträger. Der Siebträger mit dem darin befindlichen Kaffeepulver (bei eBay) wurde an dem Ausgangsrohr eingerastet, durch öffnen eines Heißwasserventils gelangte das Wasser direkt aus dem Boiler in den Siebträger und der Kaffee wurde extrahiert. Anschließend wurde das Heißwasserventil geschlossen und ein Dampfventil geöffnet, um den Dampf aus dem Boiler zu leiten und so im System verbliebenes heißes Wasser durch den Kaffee in die Tasse zu drücken. Zurück blieb trockener Kaffeesatz der leicht entfernt werden konnte um das Sieb erneut zu befüllen.


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1903 bis 1922

Weil Luigi Bezzera (bei eBay) nicht über das Kapital verfügte eine Massenproduktion zu starten, wurden er und ein gewisser Desiderio Pavoni Partner – dennoch bauten beide Maschinen mit eigenem Namen. Pavoni (bei eBay) erwarb 1903 Bezzera’s Patent und gründete daraufhin die Firma “La Pavoni“. Pavoni’s Weiterentwicklungen bestanden in einem Ventil zum Druckablass um höheren Betriebsdruck zu erreichen, einem Gasventil zur Beeinflussung der Boilertemperatur und dem bekannten Dampfrohr zum aufschäumen bzw. erhitzen von Milch. 1905 begann Pavoni in der Via Parini in Mailand, in seiner kleinen Werkstatt mit der Produktion der Kaffeemaschine “Pavoni Ideale(1 Exemplar pro Tag).

Eine ähnliche Maschine dieser Zeit war das 1905 von Pier Teresio Arduino vorgestellte Modell “ Victoria“. Gemeinsam war all diesen frühen Kaffeemaschinen, das sie nicht den heute so beliebten Espresso sondern mehr eine Tasse starken gefilterten Kaffees produzierten. Es wurde schnell deutlich das der schwache Dampfdruck allein nicht ausreichte eine Qualität zu produzieren, die vergleichbar mit anderen zu dieser Zeit üblichen (langsameren) Brühmethoden war. Übrigens gibt es keine bekannten Aufzeichnungen über Kaffeemischungen und Röstgrade dieser Tage.

Im Jahr 1906 wurde auf der Mailänder Messe am Stand von Luigi Bezzera zum ersten mal ein Caffè (Espresso) öffentlich ausgeschenkt – vmtl. aus dem Modell Pavoni Ideale.

1909 entwickelte Luigi Giarlotto aus Turin eine Lösung für das Problem mit dem Dampfdruck, indem er seiner Konstruktion zwei handbetriebene Pumpen hinzufügte. Die erste Pumpe beförderte das Wasser durch ein Wärmetauschrohr und weiter in die Brühkammer, die zweite Pumpe drückte das erhitzte Wasser dann durch den Kaffeefilter in die Tasse (siehe auch: Handhebelmaschinen). Da Giarlotto nie zu einem der großen Hersteller für Espressomaschine wurde, dürfte es mit seiner Maschine jedoch technische Probleme gegeben haben.

1922 wurde von der Firma Snider ein Modell vorgestellt welches das Wasser elektrisch erhitze und aus dem Druck der Wasserleitung den hydraulischen Brühdruck erzeugte - dadurch wurde erstmals ein höherer Brühdruck als 1,5 bar möglich.


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1927 bis zum Ausbruch des 2 Weltkrieges

1927 wurde im Caffe Reggio in New York die erste Espressomaschine, ein Modell der Firma la Pavoni, in den USA in Betrieb genommen. Im selben Jahr patentierte die Firma Victoria Arduino ihre Espressomaschine mit einer Pumpe, die den Vorteil hatte die Brühwassertemperatur knapp unterhalb des Punkts halten konnte bevor das Wasser zu kochen begann.

Ebenfalls im Jahr 1927 wurden in Italien die Firmen La Marzocco (bei eBay) (in Florenz durch Giuseppe und Bruno Bambi | Website) und Rancilio (bei eBay) (in Parabiago, Mailand durch Roberto Rancilio | Website) gegründet. La Marzocco baute 1939 die “Marus“, die erste Espressomaschine mit horizontal eingebautem Boiler.

Im Jahr 1930 ließ sich der selbstständige Kupferschmied Giuseppe Cimbali aus Mailand seine Erfindung, einen Wärmetauscher der modernen Art im Wasser des Kessels, patentieren und begann bald darauf mit der Herstellung seiner Espressomaschine “Rapida“ unter dem Makennamen La Cimbali (bei eBay | Website).

1933 wurde die Firma Illy (bei eBay | Website) durch Francesco Illy in Triest gegründet. Im Jahr 1935 entwickelte Francesco Illy mit dem Modell "Illetta" eine Espressomaschine mit automatischer Dosierung des Wassers, welche den Brühdruck nicht mehr mit Dampf sondern Druckluft (komprimierter Luft) erzeugte. Durch diese Trennung von Druck- und Wärmequelle wurde das Überhitzen des Kaffeepulvers vermieden, jedoch konnte sich das System nie durchsetzen.

Ein weiteres Ereignis im Jahr 1933 war der Beginn eines bis heute ungebrochenen Erfolges: Alfonso Bialetti (bei eBay | Website) entwickelte die aus Aluminium gefertigte, achteckige Moka-Kanne “Moka-Express“ – sie gehörte nach dem 2 Weltkrieg zur Grundausstattung fast jeden italienischen Haushaltes.

1938 entwickelte M. Cremonesi, Techniker in einem Betrieb der Kaffee mahlte, ein neue Methode des Druckaufbaus für die Brühgruppen von Espressomaschinen mittels einer Kolbenpumpe: Über eine Handkurbel wurde eine große Feder zusammengedrückt und bewegte dadurch einen Kolben, der das Wasser komprimierte und durch den Kaffee im Siebträger presste. Diese Pumpe war ein Zubehör und wurde an Besitzer und Hersteller von Espressomaschinen verkauft. Die Kolbenpumpe beseitigte das Problem des bitteren bis verbrannten Geschmacks beim Kaffee, der durch die lange Extraktion mit zu heißem Wasser wie z.B. bei den Pavoni Maschinen entstand. Siehe auch: Handhebelmaschinen

Im selben Jahr adaptierte er seine Kolbenpumpe um sie in eine Espressomaschine von Giovanni Achille Gaggia’s “Bar Achille“ in Mailand einzubauen. Gaggia (bei eBay) war so beeindruckt von der Möglichkeit den Druck im Kessel mechanisch mit einem Kolben statt mit Dampf aufzubauen, das er am 5 September 1938 einen Patenantrag für diese neue, dampflose Espressomaschine einreichte und auch erhielt (Patent Nummer 365726). Anfangs produzierte Gaggia’s Betrieb, wie auch Cremonesi es tat, nur die Gruppen welche bereits vorhandenen Maschinen hinzugefügt wurden. Weil Gaggia damals noch nicht über die Kapazitäten verfügte, lies er seine Brühgruppen in dem Metallverarbeitendem Betrieb von Ernesto Valente bauen, welcher bis dahin nur Bestandteile für Haartrockner erzeugte. Während des Betriebes in seiner Bar bemerkte Gaggia bald, das die Herstellung von Espresso während betriebsamer Zeiten sehr anstrengend war und bat Cremonesi seine Pumpe zu verbessern. Doch dann brach der 2 Weltkrieg aus und verhinderte die Weiterentwicklung für rund 7 Jahre – während dieser Zeit verstarb Cremonesi.


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1945 bis 1948 - Die Geburt der modernen Espressomaschine und der Crema

Ab 1945 nahm Gaggia (bei eBay) auch seine Versuche die Kolbenpumpe zu verbessern wieder auf und hatte 1946 schließlich Erfolg (nachdem er am 20 Juni ein Patent für einen Boiler der in je einen Bereich für Dampf und Wasser geteilt war erhielt) - das modifizierte System presste das heiße Wasser jetzt mit einem Druck von 10 Atmosphären (135 psi) durch den Siebträger. Nach einer Einigung Gaggia’s mit der Witwe von Cremonesi, Rosetta Scorza, musste er sich die Patentrechte teilen und ihr außerdem Lizenzgebühren bezahlen, da beide Patente die von Cremonesi patentierte Kolbenpumpe verwendeten, ungeachtet der genauen Funktionsweise.

1946 begann Gaggia mit der Produktion seiner neuen Espressomaschine mit Vertikalkolben-Pumpe und 3 Brühgruppen für den professionellen Einsatz, lies sie 1947 patentieren und präsentierte sie schließlich 1948 der öffentlichkeit. Erstaunt bemerkte Gaggia rasch, das der mit der neuen Maschine produzierte Espresso durch den höheren Druck (ein Kraftakt) eine schaumige Krone bekam, die Crema war geboren. Weil die Espresso trinkenden Menschen zu Beginn ausgenommen skeptisch auf diese änderung reagierten, wurde der Kaffee bald als Espresso „con crema naturale“ (mit natürlicher Crema) angeboten, um keine Spekulationen um mögliche Zusätze anzuheizen.


Der moderne Espresso wurde erst durch die Erfindung der Kolbenpumpe und dem damit erzeugten hohen Druck sowie der Innovation des Wärmetauschers ermöglicht – Entwicklungen die erstmals in Gaggia’s Espressomaschine von 1948 vereinigt wurden. Mit der Bedienung des Hebels entstanden auch die Ausdrücke “langer Zug“ und “kurzer Zug“, aus denen die Begriffe “lungo“ und “ristretto“ als Bezeichnung für den jeweiligen Espresso hervorgingen. Auch die bis heute geltenden Parameter für die Zubereitung des Espressos (7g Kaffee mit 88 °C heißem Wasser bei 9 bar Druck) wurden durch Gaggia geprägt.

Doch noch immer war das Bedienen der Maschine anstrengend und die Zubereitung mit ca. 1 Minute für 2 Tassen zu langsam für die modernen Zeiten. (Anmerkung: Ab 1977 verkaufte die Firma Gaggia auch Maschinen für den Haushalt, welches heute das Kerngeschäft bildet. 1999 erwarb der italienische Kaffeevollautomatenhersteller Saeco mit 60% die Mehrheit an Gaggia und seit dem Juli 2009 ist Saeco ein Teil der Philips-Gruppe …).


1948 fertigt Ernesto Carlo Valente die Modellreihen “Classica“ und “Esportazione“ für Gaggia nach seinem Patent. Gleichzeitig entwickelt Valente mit der “Mercurio“ aber seine eigene Espressomaschine und verkaufte sie unter dem Markennamen F.A.E.M.A. (Fabbrica Apparecchiature Elettromeccaniche e Affini) – durch den eigens entwickelten, zweiseitig gelagerten Excenter zur Bewegung des Kolbens, umging Valente die patentrechtlich geschützte Konstruktion von Gaggia.


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1952 bis 1960 - Von der Handhebelpumpe zur elektrisch betriebenen Rotationspumpe

1952 trennten sich die Wege von Giovanni Achille Gaggia und Ernesto Carlo Valente - während Valente weiterhin unter dem Namen Faema eigene Maschinen verkaufte, eröffnete Gaggia gemeinsam mit dem Ingenieur Capsoni eine Fabrik, um seine Maschinen komplett selbst zu fertigen – die erste, für private Haushalte entwickelte Espressomaschine ist die “Gaggia Gilda“.

1955 erhielt Giampietro Saccani aus Lecco (Lombardei) ein Patent auf ein Zirkulationssystem, das während dem Stillstand der Maschine heißes Wasser vom Boiler in die Brühgruppe transportierte um diese warm zu halten – das System ist heute Standard in Espressomaschinen.

1960 stellte Ernesto Valente’s Firma F.A.E.M.A. die Entwicklung ihrer neuen elektrischen Pumpensystems “Procon“ fertig, welches das konstant auf 95 °C gehaltene Wasser unter hohem Druck durch den Siebträger jagte. Die Feder wurde durch eine elektrisch betriebene Rotationspumpe ersetzt, die das kalte Wasser komprimierte und dann in den Wärmetauscher des Kessels beförderte. Ein wichtiger technischer Fortschritt der die gesamte Industrie beeinflusste.

Die neue Technik löste das Problem mit dem Wasserdruck und machte die schwierige Handhabung der Hebelbetriebenen Kolbenpumpe überflüssig. Allerdings musste aufgrund des hohen Drucks der Wasserfluss reguliert werden, um Turbulenzen im Siebträger zu verhindern. Dazu wurde in die Gruppen fast aller neuen Maschinen eine Flussbegrenzung eingebaut, ähnlich dem Prinzip von Duschköpfen um Wasser zu sparen oder dem von Autovergasern zum Zerstäuben von Luft und Kraftstoff.


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1961 - Brühgruppe Faema E61 - der Prototyp der modernen Espressomaschine mit Zweikreissystem

Im Jahr 1961 startete Faema die Produktion von ebenfalls durch Pumpen betriebene Maschinen, die das Wasser direkt vom Wasseranschluss aufnahmen, filterten, entkalkten und mittels einer Pumpe bei einem Druck von rund 9 bar über ein Rohr durch den Wärmetauscher und schließlich durch den Boiler leiteten. Beim austritt aus dem Brühkopf hatte das Wasser idealerweise eine Temperatur von 90-95 °C und einen Druck von 9 bar. Das Wasser verblieb bei dieser Maschine nicht im Boiler wodurch konstanter Temperaturen erreicht wurden.

Die ebenfalls 1961 vorgestellte “Faema E61“ war schließlich der technologische Durchbruch - sie ist der Prototyp der modernen Espressomaschine mit Zweikreissystem und dessen Brühgruppe findet selbst heute noch in vielen Espressomaschinen Verwendung. Die neuartige Brühgruppe (charakteristisches Merkmal ist der aus dem Gerät ragende, verchromte Brühkopf) der E61, hatte eine im Brühkopf integrierte federbelastete Kammer die einen sanfteren Druckanstieg (Preinfusion) ermöglichte und ein von einer Exzenterwelle geregeltes Ventil, welches den Restdruck nach dem Brühen in eine Schale ableitete.

Jene Maschinen die über ein Thermosiphon verfügten (eine Konstruktion die einen Wärmeaustausch durch Nutzung der natürlichen Konvektion ermöglicht), konnten den Brühkopf bei Stillstand heiß halten und das das im Wärmetauscher befindliche Wasser zum Teil vor Überhitzung schützen. Während das Brühwasser von dem Wärmetauscher erhitzt wird, erzeugt eine elektrische Pumpe in einem separaten Dampfkessel den Brühdruck.

Die Zubereitung von zwei Espressi zur selben Zeit, dauerte mit der E61 nur mehr 20 Sekunden.

Giovanni Achille Gaggia verstarb 1961.


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1970 bis 1985

Nachdem La Marzocco 1970 ein Patent für die erste Espressomaschine mit Dualboilertechnik erhielt baute er die “GS“, welche jeweils über einen Kessel für Dampf und Brühwasser verfügte die beide getrennt geregelt werden konnten. Seither wird dieses System in allen Espressomaschinen von La Marzocco (bei eBay) verbaut.

1975 entwickelte die Firma ULKA die Vibrationspumpe, mithilfe derer auch sehr kleine Maschinen den für einen Espresso notwendigen Druck aufbauen können – der Startschuss für Espressomaschine im Haushalt.

Die 1977 von Gaggia vorgestellte “Gaggia Baby“ wird schnell zum Bestseller und läutete damit die ära der heutigen Haushaltmaschinen ein.

1985 wurde der von dem Schweizer Arthur Schmed entwickelte, erste Vollautomat für Haushalte von der Firma Solis vorgestellt – vermarktet wurde sie von der Firma Saeco.

Die erste abnehmbare Brühgruppe wurde 1985 von Saeco (bei eBay) entwickelt.


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