Die Meditation

Inhaltsverzeichnis


  1. Vorwort
  2. Wirkungen der Meditation
  3. Abgrenzung der Meditation, zu anderen
    Techniken der Bewusstseinserweiterung
  4. Religiöse Wurzeln - Vorwort


  5. Meditationstechniken - Vorwort
  6. Passive Meditation

  7. Aktive Meditation


Vorwort

Meditation, von lateinisch meditatio zu meditari für „nachdenken, nachsinnen, überlegen“, von griechisch medomai für „denken, sinnen“, ist eine von vielen Religionen und Kulturen ausgeübte spirituelle Praxis, bei sich der Geist durch Achtsamkeits- bzw. Konzentrationsübungen beruhigen und sammeln soll. In vielen östlichen Kulturen, hat die Meditation eine Stellung als grundlegende und zentrale, bewusstseinserweiternde übung. Je nach Tradition, werden die dabei angestrebten Bewusstseinszustände unterschiedlich und häufig mit Begriffen wie Einssein, im Hier und Jetzt sein, frei von Gedanken sein, Stille, Leere oder Panorama-Bewusstheit beschrieben.

Im älteren deutschen Sprachgebrauch, wurde unter „Meditation“ einfach das Nachdenken über ein Thema oder die Resultate eines solchen Denkprozesses verstanden. Der Begriff Meditation wurde auch für Texte verwendet, die ein in die Tiefe gehendes Nachdenken darstellen und die Ergebnisse konzentrierten - so etwa Marc Aurels "Selbstbetrachtungen" oder Descartes' "Meditationen über die Grundlagen der Philosophie".

Weiterführende Medien (Literatur, CDs) findet sich im Medienverzeichnis zum Thema Meditation.


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Wirkungen der Meditation

Die Wirkung regelmäßiger Meditation, also der meditative Zustand, ist neurologisch als Veränderung der Hirnwellen messbar. So konnte Richard Davidson bei der Meditation tibetischer Mönche eine größere Aktivität im linken Stirnhirnlappen, sowie verstärkte Gamma-Wellen im EEG belegen. Bei erfahrenem Meditieren, konnte die Psychologin Sara Lazar deutliche Verdickungen in den Bereichen der Großhirnrinde feststellen, welche für kognitive sowie emotionale Prozesse und das Wohlbefinden wichtig sind.

Außerdem wird bei der Meditation der Herzschlag verlangsamt, die Atmung vertieft und Muskelspannungen werden reduziert. Aufgrund dieser beruhigenden Wirkung bei regelmäßiger Meditation, wird sie in bestimmten Formen des öfteren auch in der westlichen Medizin als Entspannungstechnik empfohlen.

So wird im klinischen Bereich unter anderem die im Zen und im Vipassana praktizierte Achtsamkeitsmeditation angwandt - diese wurde in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts von Jon Kabat-Zinn im Rahmen der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion, als Entspannungsverfahren in der Verhaltenstherapie eingeführt.


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Abgrenzung

der Meditation zu anderen Techniken der Bewusstseinserweiterung

„Meditieren heißt, in eine Idee aufgehen und sich darin verlieren, während Denken heißt, von einer Idee zur anderen hupfen, sich in der Quantität tummeln, Nichtigkeiten anhäufen, Begriff auf Begriff, Ziel auf Ziel verfolgen. Meditieren und Denken, das sind zwei divergierende, unvereinbare Tätigkeiten.“ – Emile Cioran: Die verfehlte Schöpfung, 1949

Spirituelle Bewusstseinszustände oder mystische Erfahrungen die in der Meditation angestrebt bzw. erfahren werden, sind auch Gegegnstand der Suche bei Trance- und Ekstase-Techniken (Trancetanz), Holotropem Atmen oder der Einnahme von psychotropen Substanzen. Von solchen Praktiken zur Bewusstseinserweiterung, unterscheidet sich die Meditation wesentlich durch die fast immer vorausgesetzte klare und wache Bewusstheit.

In einigen Traditionen wie beispielsweise der christlichen Mystik oder dem Vajrayana-Buddhismus, existieren auch fließende übergänge zwischen Meditation und Tranceinduktion.

Transzendentale Erfahrungen sind auch bei einigen im Judentum und Christentum praktizierten Formen des Gebets möglich. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Gebet und der Meditation, ist die im Gebet praktizierte der Ansprache eines Höheren Wesens. Das Hören auf Gott ist in der christlichen Meditation in jedem Fall ein entscheidender Bestandteil. Im Buddhismus, besonders in der tantrischen Version, sowie im Hinduismus, gibt es ebenfalls spirituelle Praktiken der Anrufung die dem Gebet sehr ähnlich sind, aber als Meditation bezeichnet werden.


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Religiöse Wurzeln

Im Buddhismus, Hinduismus und Jainismus (eine in Indien beheimatete Religion, die etwa im 6.–5. Jahrhundert v. Chr. entstand) ist das höchste Ziel die Erleuchtung bzw. das Erreichen des Nirwana. Dagegen ist das höchste Ziel der meditativen Praxis in den christlichen, islamischen und jüdischen Traditionen, das unmittelbare Erfahren des Göttlichen.

In ihrer Form als spirituelle Praxis, die Meditation immer auch mit verschiedenen religiösen, psychologischen und ethischen Lehrgebäuden verwoben. In ihrer westlichen Form, wird die Meditation dagegen auch unabhängig von religiösen Einflüßen oder spirituellen Zielen, zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens sowie im Rahmen der Psychotherapie genutzt.

Fernöstliche Traditionen

Vor allem im Buddhismus, Daoismus und dem Hinduismus, hat die Meditation einen ähnlichen Stellenwert wie das Gebet im Christentum.

Die Meditation als organisierte überlieferung, lässt sich am weitesten zu den Upanishaden (eine Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus und Bestandteil des Veda, einer Sammlung heiliger Texte) und der buddhistischen Tradition Indiens zurückverfolgen. Jhana (Dhyana im Sanskrit) beschreibt verschiedene Zustände der Versenkung, auf welche sich heute unter anderem das chinesische Chan und das japanische Zen zurückführen lassen.

Daneben entwickelte sich im indischen Yoga eine vielfältige und traditionsreiche Form der Meditation. Bis heute prägen insbesondere die Sutras im Raja Yoga viele Techniken wie die Atemtechniken im Pranayama und die systematische Einteilung der Bewusstseinszustände, die mit der Meditation in Zusammenhang gebrachten werden.

Mit der Meditation werden innerhalb dieser Traditionen ausnahmslos spirituelle Ziele verfolgt. So ist beispielsweise die Daoistische Meditation geprägt durch Konzentration, Innenschau und Visualisierungen, deren Ziel die Erlangung der Einheit mit dem Dao und einer damit einhergehenden physischen bzw. spirituellen Unsterblichkeit.


Christliche Traditionen

Aus dem Christentum des mittelalters ist die Lectio divina (lat., wörtl.: „göttliche Lesung“), eine Methode der betenden Meditation über Bibeltexten, überliefert. Diese betsand aus den 4 Schritten ...

  1. lectio (Lesung) - der aufmerksamen Lesung eines Abschnitts aus der Bibel
  2. meditatio (Meditation) - der Beter wählt sich aus aus dem Abschnitt einen Vers welcher ihn besonders anspricht, um diesen immer wieder zu wiederholen und darüber zu meditieren.
  3. oratio (Gebet) - Die Lesung umfasst das Vernehmen des Wort Gottes, die Meditation das Nachdenken darüber. Im Gebet folgt die Antwort auf die Anrede Gottes.
  4. contemplatio (gegenständliche Betrachtung, Kontemplation) - Das Verweilen in einem Dialog mit Gott, gipfelt idealerweise in der kontemplativen Gemeinschaft mit Gott. Ziel ist es am Ende einen meditativen Bewusstseinszustand und das normale Tagesbewusstsein simultan zu erfahren, so dass es zwischen der vita activa und der vita contemplativa keine Trennung mehr gibt.

Vor allem in den mystischen Traditionen, sollte durch die geistlichen übungen der Verstand und das Denken zur Ruhe kommen, um den „einen Urgrund“ freizulegen.

Im Mittelalter wurden zudem weitere Anweisungen veröffentlicht, wie beispielsweise "Die Wolke des Nichtwissens" oder die "Schriften der Theresa von Avila". Diese Schriften wurden im 15. und 16. Jahrhundert von der Inquisition verboten und Mystiker verfolgt und gefangen genommen; die Mystik geriet im Christentum in Verruf der Häresie (von altgriechisch haíresis für „Wahl, Anschauung, Schule, Ketzerei“).

Doch finden sich bis heute standardisierte Elemente der meditativen Praxis bspw. in den Exerzitien von Ignatius von Loyola, einigen benediktinischen und franziskanischen Traditionen sowie in der Ostkirche im Hesychasmus.


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