Taijiquan (Tai-Chi)

Inhaltsverzeichnis


  1. Vorwort
  2. Formen
  3. Praxis
  4. Die 10 Grundregeln des Taijiquan
    nach Yang Chengfu

Taijiquan (Tai-Chi)

auch Tai-Chi Chuan (abgekürzt Tai-Chi) oder chinesisches Schattenboxen

Taijiquan ist eine im Kaiserreich China entwickelte Kampfkunst. Sie wird heutzutage weltweit von mehreren Millionen Menschen praktiziert und zählt damit zu den am häufigsten geübten Kampfkünsten. Einzelne Bewegungsabläufe (sogenannte Formen) aus dem Taijiquan, werden in der Volksrepublik China als Volkssport praktiziert.

Ursprünglich ist Taijiquan eine innere Kampfkunst (Pinyin: Nèijiaquán, kurz: neijia) für den bewaffneten bzw. unbewaffneten Nahkampf. Erst in jüngerer Zeit wird es meist als System einer Bewegungslehre oder der Gymnastik betrachtet, dass Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung und Meditation positiv beeinflussen kann. In diesem Licht tritt der ursprüngliche Aspekt der Kampfkunst immer weiter in den Hintergrund oder verschwindet bisweilen ganz.

Weiterführende Medien (Literatur, CDs) zum Thema Taijiquan, findet sich im Medienverzeichnis.


Formen

Beim Taijiquan stehen im Zentrum des übens meistens eine oder mehrere sogenannte Formen (Pinyin: Tàolù). Das sind klar beschriebene Abläufe aufeinander folgender und meist fließend ineinander übergehender Bewegungen. Häufig stellen die Formen dabei den Kampf gegen einen imaginären Gegner dar, woher auch die inzwischen selten verwendete Bezeichnung "chinesisches Schattenboxen" für das Taijiquan stammt.

Jede Form setzt sich aus mehreren Einzelbewegungen („Bildern“) zusammen, welche eine festgelegte Abfolge haben. Dabei betonen die sehr unterschiedlichen Bezeichnungen der Bilder die Anwendung der jeweiligen Bewegung.

Die Grundlegenden Formen des Taijiquan sind Einzelformen, deren Bewegungen jeder übende für sich durchführt. Neben dem Einzelformtraining gibt es Partnerübungen oder ganze Partnerformen, die als Vorformen zum freien Kampf gesehen werden können. überwiegend wird eine Form synchron in der Gruppe geübt und auch während des unterrichts führen Lehrer und Lernende Formen meist gleichzeitig aus.


Praxis

In den verschiedenen Stilen und Schulen des Taijiquan, werden unterschiedliche Basisübungen wie z.B. Einzelbewegungen, Stand- und Atemübungen sowie Standmeditationen praktiziert. Diese haben den Zweck, die Bewegungsprinzipien des Taijiquan zu erlernen, dabei die Gelenke zu lockern, den Körper zu entspannen sowie die Körperhaltung Schritt für Schritt so zu verändern, dass unvorteilhafte Gelenkbelastungen vermieden werden. Dazu werden oft übungen aus den Lehren des Qigong genutzt.

Dassder Körper beim üben entspannt sein soll bedeutet nicht, dass alle Muskeln im Körper entspannt sind, sondern dass nur die für eine bestimmte Bewegung oder Haltung tatsächlich benötigten Muskeln angespannt werden und die anderen Muskeln in Ruhestellung (Ruhetonus) verbleiben. Dabei geht es um das Training der sogenannten Jin-Kraft, d.h. gerichtete Bewegungen die koordiniert werden und keinen hemmenden Spannungen unterliegen.

Im Taijiquan sollen die Bewegungen bewusst und aufmerksam ausgeführt werden. Gefordert ist aber nicht eine ausschließliche Fokusierung auf Vorgänge im Körper, sondern eine gleichmäßige Aufteilung zwischen der Wahrnehmung der eigenen Bewegungen und der Umwelt.

Der Atem soll beim üben tief sein aber entspannt und natürlich fließen. Die angestrebte Bauchatmung fördert dabei eine deutlich niedrigere Atemfrequenz als dies bei der herkömlichen Brustatmung der Fall ist. Während Anfänger den freien Fluss des atems bzw. seine Anpassung an die Bewegung meist erst erlernen müssen, passt sich bei Fortgeschrittenen der Atemrhythmus natürlich an die Bewegung an. Es muss aber bemerkt werden, dass die verschiedenen Taijiquan-Stile unterschiedlich mit dem Atem umgehen und daher keine verallgemeinernden Aussagen getroffen werden können.


Die 10 Grundregeln des Taijiquan nach Yang Chengfu

Die „zehn Grundprinzipien“ nach Yang Chengfu stellen eine Zusammenfassung der angestrebten Körper- und Geisteshaltung des übenden dar. Darüber hinaus gibt es in den verschiedenen Stilen eine Vielzahl weiterer Prinzipien.

  1. Kopf entspannt aufrichten
  2. Brust zurückhalten und den Rücken gerade dehnen
  3. Kreuz / Taille locker lassen
  4. Leere und die Fülle auseinander halten (deren Gewichtung richtig verteilen)
  5. Schultern und die Ellenbogen hängen lassen
  6. Yi (Pinyin für ‚Absicht, Intention‘), nicht die Gewaltkraft lì (Pinyin für ‚Muskelkraft‘) anwenden
  7. Koordination von Oben und Unten
  8. Harmonie zwischen Innen und Außen
  9. Ununterbrochener Fluss (die Bewegungen sollen fließen)
  10. In der Bewegung ruhig bleiben


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