Bhakti, Jnana und Karma Yoga

Inhaltsverzeichnis


  1. Bhakti-Yoga

  2. Jnana Yoga

  3. Karma Yoga

Bhakti-Yoga

Im Hinduismus ist Bhakti-Yoga die Bezeichnung für den meist als persönlich angesehenen Weg der liebenden Hingabe an Gott. Bhakti ist in allen Hauptrichtungen des Hinduismus (Vishnuismus, Shivaismus und Shaktismus) zu finden. Es nutzt Gefühle als einen Weg Gott nahezukommen oder sich mit ihm/ihr zu vereinen.

Das setzt meist eine dualistische Gottesvorstellung voraus da man davon ausgeht, dass Liebe ein Objekt benötige. Bhakti spielt aber auch in der nichtdualistischen Advaita-Philosophie eine Rolle, wie z. B. in der Zuwendung an einen Guru, der als Verkörperung Gottes angesehen wird, oder in Form eines Ishta Devatas, einer persönlichen Gottheit die das Absolute zum Zweck der Anbetung verkörpert.

Siehe auch: Medienverzeichnis Bhakti-Yoga

Traditionelle Ausdrucksformen des Bhakti



[zum Index]


Jnana Yoga

Jnana Yoga (Sanskrit für Yoga des Wissens), auch Jnanamarga ("Weg des Wissens") genannt, befasst sich mit dem Streben nach Erkenntnis der letzten Wahrheit, um Erlösung (Moksha) vom Kreislauf der Wiedergeburten zu erlangen.

Die Wurzel allen übels, ist nach hinduistischem Verständnis Avidya (das „Nichtwissen“) und dieses wiederum die Ursache für die Wiedergeburt. Dabei ist nicht theoretische Gelehrsamkeit und Anhäufung von Einzelwissen das Ziel, sondern Weisheit.

Das Mahabharata („die große Geschichte der Bharatas“, das bekannteste indische Epos) beschreibt den Unterschied bildlich:
„Wer nicht erkennt, sondern nur vieles gehört hat, kann den Sinn der Schriften nicht verstehen, so wie ein Löffel nichts vom Geschmack der Suppe weiß.“ (MB.II,55,1)

Dem Advaita zufolge, einer der populärsten Richtungen der hinduistischen Philosophie, ist dieses Wissen stets vorhanden - es braucht daher nicht erworben sondern nur ins Bewusstsein gerückt zu werden ...

Ein weiterer Weg des Jnana Yoga ist Neti, neti (Na iti, na iti) - das Nicht das, nicht dies. Alles das was bezeichnet oder durch den Intellekt verstanden werden kann, ist hier per Definition nicht Brahman (dieses kann nie Objekt sondern immer nur Subjekt sein). Sind alle Bewusstseinsobjekte ausgeschlossen, bleibt nur noch übrig was nicht benannt werden kann - die unveränderliche Wahrheit, das Brahman.

Siehe auch: Medienverzeichnis Jnana-Yoga

Praxis

Die Praxis eines Jnana-Yogis unterteilt sich im Idealfall in drei Phasen, die sich in Zyklen abwechseln:

  1. Shravana (Zuhören) - Der Unterricht im Beisein (Satsang) eines Lehrers (Guru), welcher dem Schüler das wesentliche Verständnis auf individuelle Weise vermittelt.
  2. Manana (Reflexion) - Die Verinnerlichung des aufgenommenen Wissens.
  3. Nididhyasana (ernsthafte, anhaltende Meditation) - Sie soll dem Schüler ein praktisches Verständnis vermitteln und ihn zur Erkenntnis führen.

Die Vier Mittel der Erlösung

Die „vier Mittel der Erlösung(Sadhana Chatushtaya), welche aufeinander aufbauen, beschreiben das Vorgehen des Schülers das zu seiner Erlösung führt.

  1. Viveka – Die Unterscheidung zwischen Brahman (die unveränderlich Realität) und Maya (die vergängliche Illusion)
  2. Vairagya – Die Abneigung gegenüber weltlichen Dingen (bspw. der überwindung niederer Triebe) und der Loslösung von dem, was als vergänglich erkannt wurde.
  3. Shad-sampat - Die sechs Tugenden Sama (Geisteskontrolle), Dama (Sinneskontrolle), Uparati (Entsagung von schädlichen Handlungen), Titiksha (Ausdauer), Shraddha (Glaube), Samadhana (innere Sammlung) helfen dem Yogi dabei, Loslösung und Unterscheidung zu erreichen.
  4. Mumukshutva - Der intensive Wunsch nach Befreiung und Erkenntnis, ist die treibende Kraft. Es ist der letzte Wunsch welcher alle anderen Wünsche ersetzt, letztlich aber auch aufgegeben werden muss, um die Befreiung zu erreichen.

Die Wahrheit

Die Wahrheit wird durch die vier Mahavakyas (große Sprüche, die Quintessenz der Upanishaden) ausgedrückt:

  1. Tat tvam asi - Du bist DAS (Brahman, die Realität). - (Chandogya Upanishad 6.8.7, Samaveda, Kaivalya Upanishad)
  2. Aham brahmasmi - Ich bin Brahman. - (Brihadaranyaka Upanishad 1.4.10, Yajurveda, Mahanarayana Upanishad)
  3. Ayam atma brahma - Individuelles Selbst (Atman) und Weltseele (Brahman) sind eins. - (Mandukya Upanishad 1.2, Atharvaveda)
  4. Prajnanam brahman - Bewusstsein ist Brahman. - (Aitareya Upanishad 3.3, des Rigveda)


[zum Index]


Karma Yoga

(auch karmamarga)

Im Hinduismus ist Karma Yoga (der Pfad der Werke) einer der drei bzw. vier Yogas oder Margas (Wege) zur Erlösung (Moksha), welche die überlieferungen der Hindus aufzeigen. Es ist das 'Yoga der Taten' und meint ein selbstloses Handeln, daher ohne dabei an seinen Taten zu Haften. Daher wird Karma-Yoga oft auch als Yoga des selbstlosen (altruistischen) Dienstes verstanden.

Beim Karma Yoga strebt man danach, jegliche Aktivität an den erhabenen Willen hinzugeben. Der Weg beginnt mit dem Absagen an alle ich-bezogenen Zwecke unserer Taten/Werke, an alles Handeln aus ich-bezogenem Interesse oder um eines weltlichen Resultats willen.

Die drei grundlegenden Zugänge zu Gott auf dem Weg des Karma Yoga der Bhagavad Gita sind die Gelassenheit, der Verzicht auf alles Verlangen nach den Früchten unseres Wirkens und ein Handeln, das als Opfer dem Erhabenen Schöpfer unserer Natur und der gesamten Natur dargebracht wird.

Beispielsweise lehrt Krishna (für Hindus der menschgewordene Gott) in der Bhagavad Gita (II.48): "Gib die Anhänglichkeit auf, o Arjuna, und vollbringe, im Yoga gefestigt, deine Werke. Sei gleichmütig gegen Erfolg und Misserfolg. Gleichmut wird Yoga genannt."

Im 3.Kapitel heißt es weiters: "Für den Besinnlichen gibt es den Pfad der Erkenntnis, für den Tätigen den Weg der selbstlosen Tat. Niemand wird vollkommen dadurch, dass er der Arbeit entsagt. Niemand kann dem Tun entsagen, jeden zwingen dazu unausweichlich die Gunas. Deshalb musst du jede Tat vollziehen als eine Darbringung an Gott und frei sein von aller Bindung an die Ergebnisse."

Siehe auch: Medienverzeichnis Karma-Yoga


[zum Index]