Raja Yoga

Inhaltsverzeichnis


  1. Vorwort
  2. Ursprung
  3. Die 8 Stufen des Raja Yoga

    1. Yama - die 5 Enthaltungen
    2. Niyama - die 5 Verhaltensregeln
    3. Asana - die Körperstellungen
    4. Pranayama - die Atemkontrolle
    5. Pratyahara - das Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt
    6. Dharana - die Fokusierung auf einen Punkt
    7. Dhyana - Meditation, Kontemplation
    8. Samadhi - der Weg zur Erleuchtung

Raja Yoga

Der Raja Yoga (Sanskrit raja = König), auch bekannt als Ashtanga Yoga (wörtlich „acht Glieder“), ist der Weg der Geisteskontrolle und einer der vier heute als klassisch geltenden Wege des Yoga: Jnana Yoga (Weg des Wissens), Bhakti Yoga (Weg der Hingabe an Gott) und Karma-Yoga (Weg des selbstlosen Tuns).

Im Raja Yoga wird die schrittweise Entwicklung und Beherrschung des Geistes angestrebt.

Kriya Yoga (auch „Yoga der Tat“ oder „aktiver Yoga“) gilt als eine Vorstufe des Raja Yoga.


Ursprung

Die erste überlieferte und noch heute maßgebliche schriftliche Fixierung dieser Tradition, stammt von Patanjali vermutlich aus der Zeit zwischen 200 v. Chr. bis 200 n. Chr. Patanjali hat im Yogasutra das alte Wissen, in welches er praktisch eingeweiht war, in kurzen Aphorismen niedergelegt. Siehe auch: Yogasutra Literaturverzeichnis

Der Gattung der Sutras (Sutra = Leitfaden) entsprechend, stellt seine Schrift nicht viel mehr als eine Gedächtnisstütze dar und ist ohne Kommentar oder ohne die traditionell übermittelte Praxis nur schwer verständlich. Dennoch gehört sie bis heute zu den wichtigsten Yogaschriften, zu der auch viele moderne Yoga-Meister einen Kommentar verfasst haben.

In seinen Sutras sprach Patanjali selbst noch nicht von den heute als "klassisch" geltenden vier Yogawegen, sondern immer nur vom „achtgliedrigen“ Yoga (Ashtanga). Die Bezeichnung Raja Yoga, entstammt der Hathapradipika (einer Yogaschrift aus dem 15. Jahrhundert), wo er verwendet wird, um den spirituellen Yoga (Raja Yoga) vom mehr körperlichen Yoga (Hatha Yoga) abzugrenzen. Hatha Yoga wird darin als Stufe auf dem Weg zum Raja Yoga bezeichnet.


Die 8 Stufen des Raja Yoga

Der Raja Yoga besteht aus 8 Stufen (Ashtanga = „acht Glieder“), die aufeinander aufbauen und eine Art Verhaltenskodex darstellen:

  1. Yama - die 5 Enthaltungen: Ahimsa - Satya - Asteya - Brahmacharya - Aparigraha
  2. Niyama - die 5 Verhaltensregeln: Shauca - Santosha - Tapas - Svadhyaya - Ishvarapranidhana
  3. Asana – Die Zusammenführung von Körper und Geist durch Yoga-Asanas
  4. Pranayama - die Kontrolle des Atems
  5. Pratyahara - das nach innen richten des Bewusstseins
  6. Dharana - die Fokusierung der Konzentration auf nur einen Punkt
  7. Dhyana - Meditation, Kontemplation
  8. Samadhi - der Weg zur Erleuchtung


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Die 8 Stufen des Raja Yoga im Detail

1. Yama - die 5 Enthaltungen

(Sanskrit Yama für Enthaltung, Selbstkontrolle)
  1. Ahimsa (die Nicht-Gewalt)
    Im Sanskrit steht Himsa für Gewalt oder Grausamkeit, Ahimsa ist das Gegenteil, also die Nicht-Gewalt, die aber für mehr als nur die reine Abwesenheit von Gewalt steht. Es soll in Gedanken, Worten sowie Taten praktiziert werden. So soll man auch vermeiden negativ über jemanden zu sprechen oder zu denken, weil es eine schädigende Wirkung sowohl für den Betroffenen als auch für den Negativ-Denkenden selbst haben soll.

    Ahimsa umfasst auch Freundlichkeit, Zugewandtheit und Rücksichtnahme und allgemein einen überlegten Umgang mit allen Lebewesen sowie mit sich selbst. Die Selbstverteidigung im Angriffsfall ist aber erlaubt und Ahimsa ist auch keine übersteigerte Vermeidung vom Töten auch noch so kleiner Tiere. Das heißt anders als manchen buddhistischen Mönchen, ist es einem Raja-Yoga lernendem gestattet einen Garten umzugraben, auch wenn dabei kleinere Tiere zu Tode kommen.

    Aber in einem weiteren Sinn bedeutet Ahimsa den Wunsch zu Töten zu überwinden, was wie bei den klassischen Yogapfaden eine vegetarische Ernährung fordert. Ahimsa kann als Grundlage für eine erfolgreiche Yogapraxis betrachtet werden, bei welcher die Entwicklung der seelischen Kompetenzen im Vordergrund steht. Jeglicher Gewaltanwendung gegen andere zu entsagen, beruht auf der Erkenntnis der gemeinsamen Wurzeln und ist schlussendlich die Erkenntnis des eigenen Seins und des Lebensprinzips allgemein.


  2. Satya (Sanskrit für Wahrhaftigkeit, Wahrheit)
    Man soll in Worten, Taten sowie Gedanken wahrhaftig sein und stets die Wahrheit sagen. Dabei bedeutet Wahrhaftigkeit auch sich selbst nicht zu belügen, sich auch unangenehme Dinge einzugestehen.

    Jedoch ist es im Sinne von Satya nicht automatisch erstrebenswert die Wahrheit zu sagen, insbesondere wenn sie andere verletzen könnte. Daher bedeutet Satya auch einen bewussten Umgang mit Worten, zu bedenken was wir sagen, wie wir es sagen und auf welche Weise es jemanden treffen könnte. In einem tieferen Sinn umfasst es also auch den bewussten Umgang mit den Gedanken, da diese die Wurzel der Worte sind.


  3. Asteya (Nicht-Stehlen)
    Im Sanskrit steht Steya für Diebstahl, asteya meint das Gegenteil und bedeutet daher nichts zu nehmen, was man nicht besitzt oder einem gegeben wurde. Asteya bezieht sich dabei nicht ausschließlich auf materielles, sondern auch auf geistiges Eigentum. Beispielsweise soll man sich nicht mit fremden Federn schmücken oder Menschen, die einem etwas anvertrauen, nicht zu enttäuschen.

  4. Brahmacharya (Bewegung auf das Wesentliche hin)
    Brahma (der Name eines der Hauptgötter im Hinduismus, der das Prinzip der Schöpfung darstellt) meint im Sanskrit das Wesentliche, das Eine Wahre – Achara steht für Führung - brahmacharya ist dementsprechend die "Bewegung hin auf das Wesentliche" oder die Realisierung des Weges, der zu Gott führt. Es ist aber auch die Reinheit in Gedanken, im Wort und in der Tat, es ist Zölibat und das Gelübde der Keuschheit. Aber Brahmacharya umfasst nicht nur die Kontrolle über die Sexualität, die absolute Freiheit von sexuellen Wünschen und Gedanken, sondern auch die Kontrolle aller Wünsche in Gedanken, im Wort und in der Tat. Brahmacharya ist sowohl für Männer als auch für Frauen gültig.

    Es umfasst die Kontrolle des Samens, das Studium der Veden (eine Sammlung heiliger Schriften im Hinduismus) und das Nachsinnen über Gott. Die mit Brahmacharya angestrebten Ziele sind Selbstverwirklichung und vor allem die vollkommene Beherrschung der Sexualität, die Freiheit von der Sinneslust in der Tat, im Wort und auch in Gedanken. Brahmacharya bedeutet nicht nur die Enthaltsamkeit vom Geschlechtsverkehr, sondern auch von der Selbstbefriedigung und von allen anderen sexuellen Praktiken sowie der Enthaltung von allen erotischen Phantasien und lüsternen Träumen.

    Für einen Brahmachari gilt es alle Arten von empfundenen erotischen Abnormalitäten und sexuellen Gewohnheiten (wie Masturbation) vollständig zu überwinden. Nach den Vorstellungen der Yogi, führen die genannten Wünsche am Ende zu einem vollkommenen Zusammenbruch des Nervensystems und zu unermesslichem Elend.


  5. Aparigraha (Sanskrit für Nicht-Zugreifen)
    Bedeutet nur das anzunehmen was angemessen ist, also keine vermeintlich günstigen Gelegenheiten und keine anderen Menschen auszunutzen. Auch der Annahme von Belohnungen bzw. Geschenken gegenüber, soll der Yogi Zurückhaltung zeigen, da sie dazu führen können bei dem Beschenkten Verpflichtungen und Bindungen zu schaffen.


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2. Niyama - die 5 Verhaltensregeln

(Sanskrit Niyama für Verhaltensregel, Einschränkung)
  1. Shauca (Sanskrit für Sauberkeit, Reinheit, das "Geklärte")
    Shauca bezieht sich sowohl auf das innere als auch dass äußere. Mit äußerlich ist schlicht die körperliche Hygiene gemeint, innerlich meint einerseits eine gesunde und nicht von Unreinheiten blockierte Funktion des Körpers, andererseits auch die Klarheit des Geistes.

    Als wesentliche Mittel zur Erlangung der inneren Reinheit, gelten die Asanas (Yogahaltungen) und das Pranayama (Atemübung). Zusätzlich existieren im Yoga eine Vielzahl von Kriyas (Reinigungsübungen).


  2. Santosha (Sanskrit für Genügsamkeit, Bescheidenheit, Zufriedenheit)
    Oft führen Erwartungen und Wünsche der Menschen zu Enttäschung, da alles doch ganz anders kommt. Santosha ermutigt dazu das anzunehmen was sich ergeben hat, die Dinge also so zu nehmen wie sie sind und anstatt über Misserfolge zu lamentieren, die Chance zu nutzen aus ihnen zu lernen.

    Außerdem bedeutet Santosha auch, sich mit anderen nicht zu vergleichen.


  3. Tapas oder Tapasya (Sanskrit für Glut, Hitze)
    meint Askese, Selbstbeherrschung und Konzentration, die Ausübung physischer und geistiger Disziplin um ein bestimmtes Ziel erreichen zu können. Praktisch sollen einem die übungen dabei helfen, das tägliche Leben mit dem Bewusstsein des Höheren Selbst zu bewältigen.

    Hitze meint auch den Körper zu "erhitzen", daher gesund zu halten. Das bedeutet Disziplin sowie Ausdauer beim regelmäßigen üben der Asanas und sich des "Abfalls" im Körper durch "Verbrennung", Anfachung des inneren Feuers (Agni) zu entledigen. Auch die Achtsamkeit gegenüber den Essgewohnheiten gehört dazu. Das Aufmerksame üben mit dem Körper (Asanas), die Achtsamkeit beim Essen und die bewusste Atmung (Pranayama), werden als Mittel gegen die Ablagerung von "Schlacken" betrachtet – darunter sind nicht nur bspw. Giftstoffe aus der Nahrung zu verstehen, sondern auch psychische "Schlacken" die verdrängt werden und sich ansammeln.

    Die Bhagavad-Gita (eine der zentralen Schriften des Hinduismus) unterscheidet drei Formen der Askese und Selbstentbehrung:

    1. Die Strengen des Körpers: Direktheit, Arglosigkeit, körperliche Sauberkeit und sexuelle Reinheit
    2. Die Strenge der Rede: Zu Sprechen ohne dadurch je bei jemand anderem Schmerzen zu verursachen - durch Wahrhaftigkeit, stets mit gütigem und dienlichem Wort unterstützt durch regelmäßiges Studium der (vedischen) Schriften.
    3. Strenge des Geistes: man zeigt Gelassenheit und Verständnis, übt die Andacht gegenüber dem Atman (Lebenshauch, Atem, die unzerstörbare und ewige Essenz des Geistes; die Seele), löst den Verstandes von den Sinnesobjekten und zeigt Rechtschaffenheit seiner Motive

  4. Svadhyaya (Sanskrit Sva für "selbst", "zu mir gehörig" - adhyaya für Untersuchung, Erforschung, "an etwas nahe herangehen")
    Svadhyaya meint dementsprechend die Selbsterforschung und Reflexion, das sich selbst näherkommen. Dabei soll das eigene Denken und Handeln stets beobachtet und auch kritisch hinterfragt werden, um so mehr Bewusstsein zu erreichen.

    Der andere Aspekt von svadhyaya ist das "Studium der alten Texte", da man sich gemäß der Lehre nicht immer um sich selbst drehen sollte sondern auch Bezugspunkte braucht. Alte Texte können das Yoga-Sutra, die Bhagavad-Gita, die Veden und Upanishaden oder auch die Bibel sein, daher auch andere überlieferungen und Texte mit einem spirituellem, philosophischem oder religiösem Hintergrund.


  5. Ishvarapranidhana (Sanskrit für die Hinwendung zu Gott oder Gottvertrauen)
    Das Bewusstsein dass man sein Bestes getan hat genügt, den Rest kann man getrost in Gottes Hände legen. Menschen zweifeln oft, haben ängste und fürchten sich vor der Zukunft: Ishvarapranidhana fordert dazu auf, sich von diesen ängsten und Zweifeln zu befreien und dabei einfach zu wissen, dass Gottes Absichten gut sind und den richtigen Weg kennen. Es lehrt auch die Wunschlosigkeit, da Gott besser weiß was wir wirklich brauchen.


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3. Asana

(wörtl. "ruhige Körperstellung")
Die Zusammenführung von Körper und Geist durch Yoga-Asanas (überwiegend ruhenden Körperstellungen)

Die Asanas im Yoga beruhen auf körperlichen Erfahrungen, bei denen die praktische Durchführung mehr zählt als das theoretische Wissen über die unterschiedlichen Wirkungen. Einer dieser angestrebten Effekte, ist das zur Ruhe bringen des Gedankenflusses, auch durch ein passives „Geschehenlassen“. Beim Yoga geht es nicht um Leistung und Erfolge sondern darum seine Mitte zu finden und spirituelle Qualität zu erleben. So soll der Yogaschüler geistig ganz auf sich gerichtet sein und auch nicht den Vergleich mit anderen suchen.

Wichtig bei der Ausübung der Asanas ist das bewusste Hineingehen, die richtige Atmung (Pranayama) und das bewusste Halten und Auflösen der Stellungen. Bei ihrer Ausführung sollen Yoga-Asanas immer zwei Qualitäten enthalten: Stabilität und Wohlbefinden (sthira-sukham asanam. Yogasutra 2.46). Speziell zur Kräftigung der Muskulatur gedachte Asanas sollten dynamisch im Atemrhythmus ausgeführt werden. Die Asanas dienen nicht nur der körperlichen Geschmeidigkeit und vitalen Kraft, sondern auch der Körperbeherrschung da sie Körper und Geist harmonisieren.

Mittelalterliche Hathayogaschriften erzählen, dass Shiva 8.400.000 Asanas gelehrt habe, das sei für jede Lebensform eine. Der Gherandasamhita zufolge sind 84 davon hervorragend, beschrieben werden darin aber lediglich 32 Asanas, welche dem Menschen nützlich seien. Die etwa zur gleichen Zeit aufgekommene Hatharatnavali, listet 84 Asanas auf, von denen die meisten auch beschrieben werden.

Medienverzeichnisse zur Praxis des Yoga: Yoga allgemein und verschiedene Wege des Yoga.


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4. Pranayama

(Sanskrit Wort Ayama kann mit „kontrollieren“ oder „erweitern“ übersetzt werden)
Prana ist eine Bezeichnung für die Lebensenergie, kann aber auch mit „Atem“ übersetzt werden. Pranayama meint daher die bewusste Regulierung und Vertiefung der Atmung durch beständiges üben, die Zusammenführung von Körper und Geist über die Atmung.

Zwischen den kognitiven und physiologischen Prozessen, besteht im menschlichen Organismus eine enge Beziehung. So können emotionale Zustände physiologisch am Muskeltonus nachgewiesen werden und ebenso sind direkte Zusammenhänge zwischen physischen und psychischen Veränderungen sowie Veränderungen der Atmung zu beobachten. Angst beispielsweise führt zu einer flacheren und schnelleren Atmung, Erschrecken zum unwillkürlichen plötzlichen Einatmen und dem Anhalten der Luft.

In der Regel sind also unbewusste emotionale Muster der Psyche ebenso mit bestimmten, unbewussten Atemmustern verknüpft - durch ein verbessertes Bewusstsein der Atmung, können diese ihren zwanghaften Charakter verlieren. Atementechniken können somit als direktes Bindeglied zwischen den Vorgängen im Körper und geistigen Prozessen betrachtet werden und dementsprechend hat die Praxis des Pranayama im Yoga traditionellerweise eine große Bedeutung.

So kann Pranayama als eine der ältesten Formen der Atemtherapie gesehen werden, da ihre Ursprünge bis auf die Upanishaden (eine Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus und Bestandteil des Veda, entstanden etwa zwischen 700 v. Chr. bis 200 v. Chr.) zurückgehen.

Durch Praxis der Pranayama werden unbewussten Atemmuster durch die bewusst angewandten Techniken über längere übungsphasen ersetzt. Die fortlaufende Konzentration auf die Atmung und bewusst ausgeführte Atemtechniken, können die Prozesse des Bewusstseins beeinflussen - diese Effekte werden auch bei zahlreichen Meditations- und Entspannungstechniken beobachtet.

Pranayama umfasst unterschiedliche Techniken, bei denen jeweils verschiedene Muskelgruppen genutzt werden – das sind vor allem das Zwerchfell, sowie die Brust-, Bauch- und Beckenbodenmuskeln. Das Training ermöglicht es einem die Atembewegungen zu kontrollieren und als Ergebnis der Praxis, erhöht sich zunächst die Sensibilität für die inneren Vorgänge der Atmung – gewohnheitsmäßige, unbewusste Atmungsmuster können einem so bewusst werden.

Patanjali hielt im Yogasutra fest, dass die Ablenkungen des Geistes mit unruhiger Atmung verbunden seien (Kap. I, Sutra 31) und dass die Kontrolle des Atems den Geist zur Konzentration bringen könne (Kap. I, Sutra 34). Beim Pranayama werden Ausatmen, Einatmen und die Atempausen in ein bestimmtes Verhältnis zueinander gebracht, was bei richtiger Ausführung zu einer Veränderung der Aktivitäten des Geistes führe und bei regelmäßiger Praxis eine tiefgehende Transformation des Bewusstseins sowie eine steigende Sensibilisierung für die feinstofflichen Lebensaktivitäten bewirken könne.

Regelmäßig praktiziert, vergrößern die verschiedenen übungen des Pranayama das Atemvolumen, der Atem wird immer länger (langsamer) und feiner (Sanskrit: „dirgha“ und „sukshma“ / Yogasutra, Kapitel II, Sutra 50) und man erreicht ein natürlich müheloses Atemverhalten (Sanskrit: „Kevala Kumbhaka“).

Physikalisch betrachtet, erreicht man so einen nahezu turbulenzfreien, laminaren Luftstrom in Atemwegen und Bronchien, wodurch die biochemischen Gasaustauschprozesse der Lunge optimiert werden. Medizinische Studien haben gezeigt, das die regelmäßige, langsame Pranayama-Atmung zu positiven Effekten führt. Beispielsweise einem verringertem Sauerstoffbedarf, niedrigerem Puls sowie Blutdruck, Auswirkungen auf den Leitwert der Haut, gesteigerte Amplituden von Theta-Wellen im EEG sowie einer gesteigerten Aktivität des Parasympathikus, die mit dem Gefühl von Wachheit und Energetisierung einhergeht.

Siehe auch: Medienverzeichnis Pranayama


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5. Pratyahara

(das Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt)
Die Disziplinierung der Sinne (Indriya, „Fühler“) Sehen, Hören, Geschmack, Riechen, Fühlen sowie des Geistes, durch das Sich-nach-innen-Richten. Die auf dieser Stufe praktizierten Techniken, gehen fließend in das Pranayama über.

Durch das nach innen richten des Bewusstseins, sollen Sinneseindrücke allgemein bewusster wahrgenommen sowie kontrollierbarer werden. So soll der Geist zur Wahrnehmung von Nuancen geschult werden, welche den Sinnen sonst verborgen blieben. Durch das regelmäßige üben, wird die Durchführung weiterer Stufen erleichtert und auf fortgeschrittenem Niveau wird zudem gelehrt, wie die unwillkürliche Muskulatur beeinflusst werden kann.

Eine weitere Technik des Pratyahara ist die Konzentration auf das Ajna-Chakra (das dritte Auge), daher den Punkt zwischen den Augenbrauen.


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6. Dharana

(von Sanskrit dhri für unterstützen, tragen, halten)
Beim Dharana richtet man seine Aufmerksamkeit / Konzentration auf nur einen Gedanken, bspw. auf einen Punkt des Körpers, auf ein Mantra oder etwas Transzendentales wie z.B. die Leere, einen Gott bzw. einen Aspekt desselben.

Steht zu Beginn noch die Fokussierung auf ein bestimmtes Objekt (Subjekt-Objekt-Spaltung) im Vordergrund, soll durch beständiges üben das reflektierende Denken zeitweise ausgeschaltet werden und so eine Ganzheitserfahrung möglich nachen.

Anders als die folgende 7. Stufe, das Dhyana (Meditation), ist das Praktizieren des Dharana mit einer willentlichen Anstrengung (bewusster Konzentration) verbunden. Dharana, Dhyana und Samadhi, werden von Patanjali als der innere Kern des Yoga (Yogasutra Vers IIIB, 7) oder Samyama („Sammlung“) bezeichnet.


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7. Dhyana

Meditation, Kontemplation; Eine Erfahrung der reinen Beobachtung, bei der das menschliche Ego und seine Gedanken unbdeutend sind und ein Zustand der Zeitlosigkeit und der kosmischen Verbundenheit erfahrbar wird. Siehe auch: Meditation


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8. Samadhi

(Sanskrit für „Versenkung, Sammlung“, wörtlich „fixieren, festmachen, Aufmerksamkeit auf etwas richten“)
Samadhi ist der überbewusste Zustand ("Erleuchtung", "Selbstverwirklichung"), der über Wachen, Träumen und Tiefschlaf hinausgeht und in dem das diskursive Denken stoppt. Es ist das völlige Aufgehen in dem Objekt, über das meditiert wurde.

Samadhi wird in zwei Zustände unterschieden: das bewusste (Samprajnata oder auch Savikalpa Samadhi) sowie das überbewusste (Asamprajnata oder auch Nirvikalpa Samadhi).

  • Beim bewussten Samadhi bleibt die Dualität zwischen betrachtendem Geist und dem höheren Selbst (Brahman, Purusha) bestehen. Der geistige Prozess und hier vor allem die Schwingungen des Mentalen Bewusstseins (citta-vritti), nimmt die Form des Brahman (die unveränderliche, unendliche, immanente und transzendente Realität) an. Dadurch soll die mentale Schwingung im Brahman zur Ruhe kommen aber sich dennoch ihrer selbst bewusst bleiben.
  • Beim überbewussten Samadhi dagegen, soll sich das geistige Bewusstsein mit dem höchsten Selbst (Paramatma) derart vereinen, dass sich die Unterscheidung zwischen Erkennendem, Erkenntnis und Erkanntem verflüchtigt wie Wellen im Wasser. Anders las beim bewussten Samadhi, kehrt das Bewusstsein nicht mehr in das normale mentale Ich-Bewusstsein zurück. Diese Einheit von Bewusstsein und innerem Erleuchtungsbewusstsein des Paramatma-Purusha bleibe bestehen und daher gilt erst dieser Samadhi als die wahre Erleuchtung.

Der im Raja Yoga beschriebene Stufenpfad zur Erleuchtung, hat seinen ersten Höhepunkt im Ishvara-Samadhi, welches als spiritueller Bewusstseinszustand im bis dahin durch Meditation vorbereiteten Körper gilt. Der gereinigte Körper stehe jetzt unter der Kontrolle des Geistes und erfahre eine tiefe Ruhe und Entspannung. Auf Ishvara-Samadhi folgen Savikalpa-Samadhi und Nirvikalpa Samadhi, die wahre Erleuchtung sowie Vereinigung mit dem höchsten Atman (die unzerstörbare, ewige Essenz des Geistes; die Seele), dem Paramatma-Purusha und dem Verlöschen des Ich-Gefühls.

Das Erfahren des inneren Lichtes erreiche der Schüler schon auf den mittleren Stufen des Raja-Yoga, aber erst höhere Samadhistufen seien mit Erfahrungen des kosmischen Bewusstseins verbunden. Die weiteren Samadhi-Stufen bis zum Meister, werden in den Yogasystemen nicht offen beschrieben.

Paramahansa Yogananda, ein spiritueller Lehrer, unterscheidet in seiner Interpretation der Bhagavad Gita drei Stufen von Samadhi:

Jada Samadhi (die erste Stufe) wird durch Methoden der physischen Kontrolle, das Leerhalten des Verstandes oder durch Druck auf bestimmte Drüsen erzeugt. Dadurch werde weder Weisheit erlangt noch Karma vernichtet - es sei ein unbewusstes Stadium das spirituell nutzlos ist, da es nur zeitweise das Bewusstsein und die Aktivität des Ego aufhebe.

Dagegen seien Aufmerksamkeit und Lebenskraft im Zustand des Savikalpa Samadhi von den Sinnen völlig abgezogen und identifizieren sich bewusst mit dem stets frohen Geist. Die Seele ist sei diesem Zustand vom Ich-Bewusstsein befreit und werde sich des Geistes bewusst, in welchem alles Geschaffene aufgehe. Der Körper sei in einem trancegleichen Zustand, das Bewusstsein aber voll aufnahmefähig für diese glückselige Erfahrung im Inneren.

Im Nirvikalpa Samadhi schließlich, dem forgeschrittensten Zustand, erfahre sich die Seele mit dem Geist als Einheit. Ich-Bewusstsein, Seelenbewusstsein sowie der Geistozean, würden alle als gemeinsam existierend erkannt. So sei sich die Seele im Nirvikalpa gleichzeitig des Geistes im Inneren und der äußeren Welt bewusst und der Mensch in diesem Zustand soll seinen materiellen Aufgaben und Tätigkeiten nachgehen können,ohne seine Einheit mit Gott zu verlieren.

Siehe auch: Medienverzeichnis Meditation


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