Linoleum

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Eigenschaften und Produktion

  3. Verwendung

  4. Reinigung und Pflege von Linoleum

  1. Böden - Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Linoleum wurde 1860 von dem englischen Chemiker Frederick Walton entwickelt. Die Bezeichnung setzt sich zusammen aus den lateinischen Begriffen linum für ‚Lein‘ und oleum für ‚Öl‘, die auf das enthaltene Leinöl verweisen - neben Korkmehl und Jutegewebe der wichtigste Grundstoff für Linoleum.

Das Material wird vor allem zur Erzeugung elastischer Bodenbeläge sowie von Druckplatten in der bildenden Kunst genutzt. Fast ausschließlich historisch ist die Verwendung für Lincrusta-Tapeten (von lat. Linum für "Leinen" und Crusta für "harte Schale"). Selten wird Linoleum auch als Belag für Möbelstücke wie Schränke, Tische und Pinnwände genutzt.

Nachdem Linoleum sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als elastischer Bodenbelag durchsetzte und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts dominierte, brach der Markt dafür mit der Einführung von PVC-Bodenbelägen in den 1960er-Jahren zusammen. Erst ab Mitte der 1980er-Jahre eholte sich der Markt wieder - weltweit gab es 2008 (ausschließlich in Europa) nur mehr vier Werke von drei Herstellern.


Stragula bezeichnet ein kostengünstiges Linoleum Imitat, das aus einer mit Teer imprägnierten Pappe (Bitumenpappe) besteht, welche bevorzugt mit verschiedenfarbigen, eingedickten Ölfarben mit verschiedenen Mustern bedruckt wird. Stragula wurde seit den 1970er Jahren durch den Werkstoff PVC weitgehend verdrängt.


Eigenschaften und Produktion


Zusammensetzung

Linoleum besteht zum Großteil aus oxidativ polymerisiertem Leinöl (Linoxin), Naturharzen (Kolophonium, Copal bzw. ersatzweise Dammar), Kork- oder Holzmehl, Kalksteinpulver, Titan(IV)-oxid (Weißpigment), Farbstoffen und einem Jutegewebe (früher Segeltuch) als Trägerschicht. Außerdem können auch Anteile von Kautschuk oder Kunststoffen enthalten sein. Als Alternative zu Leinöl wird heutzutage auch Sojaöl verwendet.


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Herstellung

Die erstellung von Linoleum erfolgt in einem mehrstufigen, Zeit- und arbeitsaufwändigen Verfahren ...

  1. Das wichtigste Ausgangsprodukt der Linoleumproduktion ist das Leinöl aus den Samen des Gemeinen Leins (Linum usitatissimum) auch Saat-Lein, Flachs oder Öllein genannt, das mittels Extraktion oder Warmpressung gewonnen wird. Vor der Weiterverarbeitung wird das Öl unter Zugabe von Trockenstoffen (früher meist Blei- und Kobalt-, heute nur mehr Manganverbindungen) bei höheren Temperaturen eingekocht ( was die anschließende Trocknungszeit verkürzt) und so zu Leinölfirnis umgewandelt. Dadurch verliert es rund die Hälfte seines Gewichts und wird außerdem zäher.
  2. Anschließend wird der Leinölfirnis mit einem der drei gängisten Verfahren zu Linoxin oxidiert. Die Zusatzstoffe dienen nur der Veränderung spezifischer Eigenschaften - die Festigkeit wird allein durch das oxidierte Öl erreicht. Linoxin zusammen mit den Harzen ergeben das Bindemittel Linoleumzement und machen etwa 40% der Gesamtmasse aus - die restlichen 60% entfallen auf organische (Holz-, Korkmehl) und anorganische (Kalksteinpulver, Pigmente) Füllmittel. Das Trägermaterial, meist Jutegewebe, macht mit nur etwa 1% den geringsten Teil der Gesamtmasse aus.


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Eigenschaften von Linoleum

Linoleum besitzt viele Eigenschaften, die es als Bodenbelag auszeichnen. Die Basiszusammensetzung und technischen Eigenschaften von Linoleum sind national und international genormt - die für Europa wichtigste Norm ist die EN 548 (Elastische Bodenbeläge – Spezifikation für Linoleum mit und ohne Muster). Diese Norm definiert Linoleum nach der Art des Bindemittels: Es muss dabei aus Leinöl oder anderen (trocknenden) Pflanzenölen und Harzen bestehen und der Mindestanteil an Füllmitteln wie Kork-, oder Holzmehl, muss 30% betragen.


Linoleum ist ...


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Technische Eigenschaften


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Hygienische Eigenschaften

Linoleum ist antistatisch, leicht fungizid (Pilze oder ihre Sporen werden abgetötet bzw. ihr Wachstum für die Zeit seiner Wirksamkeit verhindert) und bakteriostatisch (das Wachstum von Bakterien hemmend). Grund dafür ist die permanente Emission geringer Mengen verschiedener Aldehyde (wie Acrolein, Acetaldehyd, Hexanal, usw.), welche aus der faktisch nie endenden Autoxidation (Oxidation durch Luftsauerstoff) des Leinöls an der Luft entsteht bzw. Reste der Oxidationsreaktion im Herstellungsprozess (Reifeprozess) sind.

Dieser Effekt hat dazu geführt, dass Linoleum auch heute noch der bevorzugte Bodenbelag in Gebäuden mit erhöhten Hygieneanforderungen ist.


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Verwendung


Verlegen von Linoleum

Linoleum wird in der Regel von qualifiziertem Fachleuten, wie bspw. Estrichverlegern, Malern oder Raumausstattern unter zuhilfenahme von Hilfsmitteln wie Schmelzklebstoffen, Spachtelmasse und speziellen Weerkzeugen (Handschweißgerät, Schweißautomat) verlegt.

In modernen Disperionsklebstoffen sind bis zu 30% Wasser enthalten, welches in den Unterboden oder das Linoleum abgegeben wird. Das Linoleum nimmt diese Feuchtigkeit auf, wodurch es bis zu 6 Wochen dauern kann bis es vollständig getrocknet und damit voll beanspruchbar ist (eine zur Schallisolierung unter dem Linoleum verlegte Korkschicht, kann den Trocknungsprozess durch die erhöhte Feuchtigkeit nochmals deutlich verlängern).

Während dieser Trocknungsphase ist das Metrial vor allem gegen Kerbschlagbelastungen (wie eingeschlagenStuhlbeine) empfindlich.


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Oberflächenbehandlung

Gegenüber Bodenbelägen aus PVC ist Linoleum relativ Pflegebedürftig. Bis in die 1950er Jahre musste Linoleum (neben der Reinigung) regelmäßig mit wachsbasierten Pflegemitteln gebohnert werden, um dessen Oberfläche vor Verschmutzung und mechanischen Schäden zu schützen.

Heute wird eine Schutzschicht auf die Oberfläche des Linoleums aufgetragen, um es ab Werk unempfindlich gegen Verschmutzungen zu machen– bis Mitte der 1990er Jahre war dazu Acrylharz üblich, gegenwärtig werden entweder Polyurethan (DLW Armstrong) oder spezielle, hauseigene Beschichtungen verwendet.

Die Ausagen der Hersteller, dass bisher notwendige Pflegeschritte so entfallen, wird von Fachleuten allerdings durchaus skeptisch betrachtet. Außerdem wird durch die vollständige Versiegelung Wasser im Material zurückgehalten, was Stippnähte begünstigt.

Unversiegelt ausgeliefert werden Linoleumbeläge für Sporthallen (wird nach der Verlegung mit speziellen rutschfesten Pflegemitteln behandelt) und den Linoldruck (da die Oberfläche mit Schnittwerkzeugen bearbeitbar bleiben muss). Als Öko-Linoleum wird ebenfalls unbehandelt verkauftes Material bezeichnet, welches nach dem Verlegen mit Naturwachsen versiegelt wird.


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Einsatzgebiete von Linoleum


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Reinigung und Pflege von Linoleum


  1. Ein Linoleumboden sollte regelmäßig feucht, ohne Zusatz von Reinigungsmitteln gewischt werden. Bei stärkeren Verschmutzungen kann etwas Neutralreiniger zum Putzwasser gegeben werden.
  2. Linoleum sollte generell nur mit neutralen Reinigungsmitteln gereinigt werden. Der Einsatz stark basischer Mittel (pH-Wert von über 9) wie bspw. Natriumcarbonat oder Schmierseife, sollte vermieden werden – solche Mittel verspröden die Oberfläche und können den Schutzfilm entfernen.
  3. Linoleum hält zwar viel aus, aber bei zuviel Feuchtigkeit quillt es auf. Auch zu intensives Schrubben sollte vermieden werden.
  4. Zur Pflege eines Linoleumbodens empfiehlt sich das regelmäßige auftragen von Bohnerwachs (siehe: Bohnern). Bspw. so: Im anschluß an die Reinigung mit einer Mischung aus Wasser und Bohnerwachs nachwischen.
  5. Ein Linoleumboden erhält einen neuen Glanz, indem er mit einer Mischung aus gleichen Teilen von Milch und Wasser gereinigt wird.
  6. Um zu vermeiden das Linoleum brüchig wird, diesen nach dem Reinigen mit Essig und Öl einreiben - so bleibt er geschmeidig.
  7. Poröses Linoleum wird wieder geschmeidig, wenn es mit einer Mischung aus Lein- und Terpentinöl bestrichen wird.
  8. Gegen Druckstellen im Linoleumboden, Pergamentpapier auf die Stelle legen und solange mit schwacher Hitze darüber bügeln bis der Boden wieder glatt ist.
  9. Bei einer vom Untergrund abgelösten Fliese, mit einer Spachtel etwas Fußbodenkleber unter die gelöste Kante streichen. Dann die Stelle mit einem Flachen Gegenstand bedecken und beschweren – Kleber ausreichend trocknen lassen (Packungshinweise beachten).
  10. Neben Linoleumböden, sollten auch Böden aus Holz oder Kork regelmäßig gebohnert werden.


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Reifeschleier

Durch Dunkelvergilbung entwickelt Linoleum, abhängig von der Farbe, einen charakteristischen‚ Reifeschleier (eine Farbverschiebung, welche bei dunkel gelagertem Material vorkommen kann) - so verschieben sich bspw. Blau und Grau in Richtung Grün, Beige in Richtung Gelb.

Der Reifeschleier wird durch Licht wieder abgebaut - eine einstündige durch die helle Mittagssonne reicht aus, um diesen vollständig abzubauen. Dunklere Lichtverhältnisse verzögern den Prozess dementsprechend. Ungleiche Lichtverhältnisse können Farb- und Helligkeitsunterschieden bei verlegtem Linoleum erzeugen (Belichtungsvorsprünge) - eine vollständige Anpassung kann Wochen dauern.