Keramik

Inhaltsverzeichnis


  1. Keramik – Definition
  2. Keramikarten

  3. Geschichte der Keramik

  1. Oberflächenempfindlichkeit von Keramik
  2. Reinigung und Pflege von Keramik


Keramik: Definition


Keramik (keramische Massen) bezeichnet diverse anorganische, nichtmetallische Stoffe – Grob eingeteilt in

Eotihuacán - Keramik

  • Irdengut (auch Irdenware)
  • Steingut
  • Porzellan
  • Steinzeug
  • und Sondermassen (für die Feuerfest-Industrie)


Keramik entspringt dem altgriechischen Wort „Keramos“ und meint Tonminerale bzw. die aus diesen durch Brennen erzeugten, formbeständigen Arten von Keramiken (Tonkeramik, technische Keramik, Glaskeramik, Keramische Faserverbundwerkstoffe/Verbundkeramik) und daraus erzeugte Gegenstände (Bauteile, Gebrauchs- und Ziergegenstände oder Werkzeuge). Diese werden kulturhistorisch und archäologisch unterteilt in die Keramikarten:



Keramikfliesen (umgangssprachlich: Kacheln), werden häufig als Wandverkleidung im Innen- bzw. Außenbereich und als Bodenbelag genutzt.
Der Begriff 'Fliese' wird auch für Bauteile ähnlicher Form verwendet (bspw.: Glas, Naturstein, Teppich usw.). In der Schweiz wird die Fliese als „Plättli“ bezeichnet ('Platten' oder 'Plättchen' in der Schriftsprache).


Tonminerale entstehen überwiegend aus feinkörnigen Verwitterungsprodukten (Korngröße < 2 µm) von Feldspaten, die zusammen mit verschiedenen Beimengungen abgelagert wurden. Zusammensetzung, Aufbereitung und der Brand des Tons, bestimmen die Farbe des unglasierten Scherbens (als 'Scherben' wird in der Keramiker-Fachsprache das für die Herstellung keramischer Erzeugnisse gebrannte Gemisch verschiedener Mineralien und Beimischungen bezeichnet).


[zum Index]


Keramikarten


Tonkeramik

(Silikatkeramik)

der größte Bereich der Keramik

Bezeichnet Keramiken aus Aluminium-Silikaten, die unterteilt werden in

  1. poröses Tongut/Tonware (farbige Töpferware/Irdengut und helles bis weißes Steingut):

    • Terrakotta (unglasiert)
    • Majolika (glasiert)
    • Fayence (glasiert)
    • und Frittenware.
  2. dichtes Tonzeug (farbiges Steinzeug und weißes bis durchsichtiges Farbgut):

    • hell bis braun gefärbtes, nicht durchscheinendes (gemeines bzw. feines) Steinzeug
    • weiches- bzw. hartes Porzellan (weißes Tonzeug), das aus dem weißen Kaolin (auch: Aluminiumsilikat, Pfeiffenerde, Porzellanerde, Porzellanton, weiße Tonerde; ein feines, eisenfreies und weißes Gestein mit dem Hauptbestandteil Kaolinit, einem Verwitterungsprodukt des Feldspats), Quarz (Tiefquarz oder a-Quarz, ein Mineral mit der chemischen Zusammensetzung SiO2, die stabile Form/Modifikation des Siliciumdioxids und nach dem Feldspaten das zweithäufigste Mineral der Erdkruste) und Feldspat hergestellt wird.

Technische Keramik

Bezeichnet auf technische Anwendungen optimierten Keramikwerkstoffe.

Sie unterscheiden sich von Keramiken für den Hausgebrauch (Dekoration, Geschirr, Fliesen, Sanitärobjekte usw.), u.a. durch die Ausgangsstoffe, die Reinheit, eine geringere Toleranz bei der Korngröße (Kornband) sowie durch spezielle Brennverfahren.

Der Begriff technische Keramik entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit den anfängen der technischen Nutzung von Porzellan als elektrischen Isolator.

Andere Bezeichnungen für technische Keramik sind: Hochleistungskeramik, Industriekeramik oder, Ingenieurkeramik. So genannte Funktionskeramiken besitzen spezielle elektrische oder piezoelektrische Eigenschaften.

Glaskeramik

Glaskeramiken werden aus Glasschmelzen durch gesteuerte Kristallisation (Vorgang der Verhärtung durch die Bildung von Kristallen) erzeugt.

Dabei verläuft die Verarbeitung der Schmelze gleich wie zur Verarbeitung bei Gläsern, jedoch wird abschließend das Glas, meist durch eine spezielle Temperaturbehandlung, in einen zum Teil polykristallinen und zum Teil glasig-keramischen Zustand überführt.

Keramische Faserverbundwerkstoffe / Verbundkeramik

(auch: Ceramic Matrix Composites, faserverstärkte Keramik oder Faserkeramik)

Der Aufbau von Verbundkeramik besteht einer zwischen Langfasern eingebetteten Matrix aus normaler Keramik, die mittels keramischer Fasern verstärkt wird.


[zum Index]


Geschichte der Keramik

Erste Gegenstände aus gebranntem Ton wurden vor ca. 30.000 Jahren, erste keramische Gefäße vor ca. 11.000 Jahren (im Nildelta) hergestellt.

Dionisos plate Barcelona aus Terra Sigillata Erste europäische Keramikindustrien entstanden im Römischen Reich – hier wurde rote, glasierte Gebrauchskeramik Terra Sigillata erzeugt (die rote Farbe entstand durch eine kontrollierte Belüftung des Brennofens, schwarze Keramik wurde unter Luftabschluss erreicht - diese war relativ teuer da das Abdichten des Brennofens sehr aufwendig war).

Terra Sigillata (die moderne Bezeichnung von gehobenem römischen Tafelgeschirr das gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. entwickelt wurde und meist mit einem Manufaktursiegel versehen war), wurde in großen Mengen in Handwerksbetrieben erzeugt und im gesamten Römischen Reich genutzt. Auch die typischen roten Dachziegel wurden bereits in großen Mengen hergestellt und Bodenziegel wurden schon vom unteren Mittelstand genutzt. Die bekannte römische Fußbodenheizung, basiert ebenfalls auf den hitzebeständigen keramischen Werkstoffen.


Islamische Keramik Als Wandbelag wurden Keramikfliesen im Altertum (der Zeitraum zwischen Frühgeschichte, die Zeit bis zur Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr., und dem Mittelalter, beginnend ab dem 6./7. Jahrhundert) schon in Ägypten, Mesopotamien und Persien verwendet, insbesonderes in der islamisch-arabischen Architektur.


Im Mittelalter wurden Fliesen in West- und Mitteleuropa vor allem als Fußbodenbelag und zur Umrandung von Kaminen genutzt.


Farbig glasierte Fliesen kamen mit den Mauren nach Spanien und Portugal, den Ursprungs- und Herstellungsländern der Azulejos (ein Mosaik aus zumeist quadratischen, bunt bemalten und glasifizierten Keramikfliesen).

Die ersten bekannten keramischen Bodenbeläge, die nicht römischen Ursprungs waren, stammen aus Deutschland im Jahre 1000.

Über die Handelsrouten der Italiener, Niederländer und Spanier, verbreiteten sich Keramiken schließlich in ganz Europa. Weil das zur industriellen Herstellung notwendige technische Wissen der Römer zu dieser Zeit nicht mehr bekannt war, war die Herstellung sehr aufwendig und teuer.


Die Stadt Antwerpen entwickelte sich zwischen 1520 und 1570 zu einem Zentrum der Fliesenherstellung, aber verlor seine Stellung später an Fabriken in Rotterdam, Utrecht, Haarlem und Makkum.


Durch die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert und der steigenden Verbreitung keramischer Bodenbeläge, entstand aus der anfänglichen Nebenproduktion der Fliesen in den Ziegeleien schnell eine eigenständige Industrie.


[zum Index]


Siehe auch: Reinigung und Pflege von Keramikoberflächen