Lederbezeichnungen

Inhaltsverzeichnis


  1. Bezeichnung nach dem
    Herstellungsverfahren


  1. Lederarten
  2. Bezeichnung nach
    Herkunft der Haut

  1. Bezeichnung nach Art der
    Oberflächenbehandlung


Bezeichnung nach dem Herstellungsverfahren



Gerbverfahren

Siehe auch: Gerben


Alaungegerbtes

Das Leder wurde mit Aluminiumsalzen gegerbt (siehe Weißgerberei).


[zum Index]

Altgrubengerbung

Eine reine Vegetabilgerbung bei der nur gemahlene Gerbmittel (Blätter, Hölzer, Früchte und Rinden) und keine Gerbextrakte verwendet werden. Die Gerbdauer kann bis zu zwölf Monate andauern und wird zur Erzeugung von hochwertigem Sohlenleder angewandt.


[zum Index]

Chromleder

Gegerbt mit dreiwertigen Chromsalzen;

Die Chromgerbung (erfunden 1858) ist ein verbreitetes Verfahren, da es weniger aufwändig und kostengünstiger ist als z.B. die pflanzliche Gerbung. Zum Einsatz kommen dabei Chrom-III- und Aluminiumsalze sowie einige andere Chemikalien, die bei unsachgemäßer Entsorgung Umweltbelastend oder giftig sind.

So wurden in Lederprodukten vermehrt Rückstände des hochgiftigen sechswertigen Chroms (Chrom VI) gefunden, die bei Körperkontakt krebserregend oder sogar erbgutschädigend wirken können. Dies kann durch eine sorgfältige durchgeführte Chromgerbung verhindert werden. Heute können viele Lederarten in entsprechender Qualität auch ohne Chromsalze hergestellt werden.


[zum Index]

Glacéleder

(auch Glaceeleder, Glacé)
Ein waschbares, extrem zartes und weiches Ziegen- bzw.- Jungziegenleder mit leichtem Glanz, das meist zu eleganten Handschuhen (Glacéhandschuhen) verarbeitet wird. Der Name stammt vom französischen glacé (eisig, vereist, mit Zuckerguss) ab und bezieht sich auf die nahezu weiße Farbe des Leders.

Herstellung
Das Rohleder wird mittels der sogenannten Französischen oder Erlanger Weißgerbung in einem Brei aus Alaun, Kochsalz, Mehl und Eigelb (Gare; welches die besondere Geschmeidigkeit des Leders bewirkt, heutzutage aber meist durch ölige Emulsionen ersetzt wird) gegerbt - einem Verfahren das im Vergleich zu anderen Gerbverfahren nur 24 Stunden dauert. Anschließend wird das Leder einige Stunden mit der Gare getrocknet und mehrfach gewaschen.

Die Weichheit und Elastizität wird anschließend durch eine besondere Walkung (Stollen) erreicht. Das anschließende chromieren bewirkt die Waschbarkeit des Glacéleders, ohne das es an Weichheit und Elastizität verliert. Schwarzes Glacéleder wird abschließend mit einer Mischung aus Fetten und Wachsen behandelt, weiße und farbige Glacéleder werden mit Talkum gepudert. Poliert (geplüscht) wird zum Schluss, um den für Glacéleder typischen Lüsterglanz zu erzielen.

Siehe auch: Reinigung und Pflege von Handschuhen


[zum Index]

Pflanzlich gegerbtes Leder

Mit pflanzlichen Gerbstoffen gegerbtes Leder. Siehe auch: Altgrubengerbung, Juchtenleder, Rhabarberleder


[zum Index]

Juchtenleder /

Juftenleder

(Juchleder oder
Juchten bzw. Juften)
ist ein Leder russischen Ursprungs, das aus der Haut von Kälbern oder Rindern erzeugt wird. Jufte („Paar“) beschreibt die Herstellungstechnik, bei der immer zwei Häute des sibirischen Steppenrinds zusammengeheftet, mit Weiden- oder Pappelrinde gegerbt und schließlich mit Birkenteeröl imprägniert und rötlich gefärbt werden.
Siehe auch: Pflanzliche Gerbung

Das ursprünglich in Russland gefertigte Leder kam im 18. Jahrhundert auch nach Deutschland, wo es vor allem als Obermaterial von Stiefeln und Schuhen, aber auch für Bucheinbände, Dekorationswaren und Geldbörsen genutzt wurde. Das hochwertigste Juften kommt aus der Gegend von Nowgorod und aus Südrussland (aber auch außerhalb Russlands wird gute Qualität hergestellt).

Das Leder ist sehr fest, dicht und geschmeidig, besonders haltbar und sehr wasserdicht (Vorläufer von Waterproof). Der durch das Birkenteeröl bewirkte eigentümlichen Geruch hält Insekten fern.

Herstellung
Qualitativ hochwertige Häuten von jungem Rindern werden enthaart, gereinigt, in einem Sauerbad geschwellt und mit Weiden- oder Pappelrinde gegerbt. Um die Häute geschmeidiger zu machen, werden sie nach dem Gerben zwei Tage in einen Brei aus Roggenmehl, Salz und lauwarmem Wasser gelegt, anschließend gewaschen und dann getrocknet.

Die besten Häute (für weißes Juften) werden nur auf der Narbenseite (Haarseite) mit Birkenteeröl oder Seehundstran eingerieben und dann getrocknet - der Rest wird rot oder schwarz gefärbt und dann ebenfalls eingefettet. Im Anschluß an das Trocknen wird das Leder gewalkt, gefalzt, gekrispelt und auf der Narbenseite abermals mit Seehundstran und Talg eingerieben. Abhängig von der Verwendung, wird das Juften schließlich geglättet oder chagriniert (d.h. mit einem künstlichen Narbenmustern versehen).

Verwendung
Das weiße Leder wird für Armeezwecke, das rotes für Portefeuille (Brieftaschen und Aktenmappen) und das schwarze für Pferdegeschirr und Schuhwerk genutzt. Stiefel aus Juften müssen regelmäßig mit Tran bestrichen werden, häufig wird gewöhnliches rotes Leder parfümiert, damit es wie Juften riecht.


[zum Index]

Rhabarberleder

Gerbung mit Extrakten der Rhabarberwurzel. Siehe auch: Pflanzlich gegerbtes Leder


[zum Index]

Schrumpfleder

Die stark strukturierte Narbenschicht entsteht durch eine spezielle Gerbung und ist wesentlich beständiger als bei geprägten Ledern.
Das Leder wird für Koffer, Schuhe und Taschen verwendet.


[zum Index]


Genutzter Teil der Rohhaut


Spaltleder

Weil Lederhäute dick sind können von der Fleischseite eine oder mehrere Schichten der Retikularschicht abgespalten werden, wobei zwischen Narbenspalt und Fleischspalt (Siehe auch: Beschreibung und Eigenschaften von Leder) unterschieden wird. Die Schichten sind auf beiden Seiten rau und werden als Spaltleder bezeichnet.


Die untere Schicht (Fleischspalt) besteht nur aus der Retikularschicht und ist am wenigsten wert, da diese den geringsten inneren Zusammenhalt hat (Dichte und Verfilzung der Eiweißfasern nehmen nach unten Richtung Fleischseite ab). Die glatte Oberfläche wird meist durch Beschichtungen mit Folien oder Polymeren nachgebildet.

Die oberste Schicht (Narbenspalt) besteht aus Papillar- und Retikularschicht, hat eine glatte Oberfläche (den Narben) und die höchste Festigkeit. Diese kann zu Nappaleder veredelt oder, durch Schleifen der Fleischseite, auch zu Rauleder zugerichtet werden.


[zum Index]

Vollleder

bezeichnet die auf der Haarseite gelegenen oberen Teile der Haut, welche durch Bearbeitung von der Fleischseite bzw. durch Spalten auf die erforderliche Stärke gebracht wurden.


[zum Index]

Rohhaut

Bezeichnet die abgezogene, enthaarte bzw. entschuppte und getrocknete Haut von Tieren, welche im Gegensatz zu Leder nicht gegerbt und deutlich steifer ist. Zur Herstellung wird hauptsächlich die Haut von Säugetieren verwendet, aber u.a. auch die von Schlangen oder Fischen.

Erzeugung
Gerber dagegen verstehen unter Rohhaut bzw. Rohleder eine abgezogene, entfleischte und weitgehend unbehandelte Schlachthaut (im Gegensatz zu Leder als fertiges Produkt der Gerberei): Zur Herstellung wird wird die Innenseite der Haut nach dem Abziehen mit einem Schaber von Fleischresten befreit, dann aufgespannt für wenige Tage zum trocknen belassen und schließlich mehrere Tage in einer Lauge geweicht (traditionell mit Holzasche) - während dieses Vorganges löst sich das Haar.

Verwendung
Rohhaut wird zur Herstellung von Banjos, Bogenwaffen (als Backing um den Rücken vor Brüchen zu schützen), Hundeknochen, Lassos , Lederriemen, Sätteln, Trommeln, Zaumzeug und Zügeln (für Westernpferde) verwendet. In früheren Zeiten wurde Rohhaut, aufgrund der höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber Schlageinwirkung als bei gegerbtem Leder, auch zur Bespannung von Holzschilden genutzt. Transparente Rohhaut wurde manchmal statt Glas für Fenster und Laternen genutzt.


[zum Index]