Gerben

Inhaltsverzeichnis


  1. Einleitung
  2. Vorbereiten der Häute für die Gerbung

  3. Gerben


  4. Leder Startseite
  5. Lederbezeichnungen
  6. Lederpflege
Altägyptische Kürschner

Einleitung

Gerbung bezeichnet die Verarbeitung (Stabilisierung des Hautgefüges) von rohen, durch natürliche Abbauprozesse verderblichen Tierhäuten, zu dem dauerhaften Produkt Leder. Der Prozess des Gerbens besteht grundsätzlich aus drei Phasen:

  1. Entquellen des Kollagens
  2. Ein- und Durchdringen des Gerbextrakts und
  3. Bindung und Fixierung an die Hautfaser


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Vorbereiten der Häute für die Gerbung

Streichen des Leders anno 1568 Zunächst werden die Häute durch Salz bzw. durch Trocknen konserviert um anschließend durch verschiedene Prozesse in der Wasserwerkstatt, auf die eigentliche Gerbung vorbereitet zu werden.



Die Arbeitsschritte die dabei durchgeführt werden sind


  1. Weichen – die Felle/Häute werden im Wasser vom Blut und Schmutz gereinigt, Salz und ähnliche Konservierungsmittel werden entfernt und die löslichen Eiweißstoffe in der Haut werden aufgelöst. Ziel: wieder den Zustand der natürlichen Fülle und Geschmeidigkeit zu erreichen.
  2. Haarlockerung – bei der „Äschermethode“, einem alten Haarlockerungsverfahren, wurde früher neben Kalk auch Holzasche eingesetzt - daher der Name.

    Traditionelle Haarlockerungsmethoden bis ins zweite Drittel des 19. Jahrhunderts, verwendeten ausschließlich Kalk. Beim so genannten „Schwöden“ wurde ein dicker Brei aus Chemikalien, welcher die Haare lockert, auf die Häute und Felle aufgetragen. Diese Methode ist besonders gut geeignet um „wertvolle“ Haare (wie Schafwolle) möglichst unbeschädigt zu lösen.

  3. Wässern – bezeichnet das Entfernen von Rückständen durch stundenlanges Spülen in fließendem Wasser, um durchs Äschern oder Schwöden entstandene Rückstände zu entfernen.
  4. Enthaaren – die Felle oder Häute können jetzt auf der Oberseite manuell enthaart werden, indem diese auf den „Gerberbaum“ gelegt und vom Gerber mit dem „Schereisen“, dem „Schermesser“ und dem „Scherdegen“ bearbeitet werden.
  5. Entfleischen – wie die Oberseite, muss auch die Unterseite der Felle/Häute bearbeitet werden indem die anhaftenden Faserreste abgeschabt werden.
  6. Entkalken – das restlose Beseitigen der in die tieferen Hautschichten eingedrungenen Rückstände vom Äschern oder Schwöden.
  7. Beizen – durch das Beizen wird die Lederhaut aufgelockert und so für die Aufnahme des Gerbstoffes vorbereitet.
  8. Streichen – da die in der Oberhaut verbliebenen Grundhaare, Haarwurzeln, Haarpigmente und Fettstoffe sich nicht durch Auswaschen oder Spülen allein entfernen lassen, werden die Häute mittels des „Streicheisen“ auf dem „Gerberbaum“ bearbeitet.
  9. Schwellen, Quellen und Beizen – bezeichnet mechanische und chemische Techniken, die dem Aufschließen der Hautporen dienen.


Mit diesen Schritten ist die vorbereitende Arbeit an den Häuten abgeschlossen und die gewünschten Ledereigenschaften werden schon wesentlich beeinflusst - die in der Wasserwerkstatt so vorbereiteten Häute, werden im Fachjargon als „Blößen“ bezeichnet. In der moderenen industriellen Gerberei, werden vielee dieser Arbeitsschritte von Maschinen übernommen.


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Gerben

Siehe auch: Bezeichnungen nach dem Gerbverfahren

Die zuvor beschriebenen Arbeitschritte haben die Haut zwar chemisch und mechanisch verändert, sie besteht aber noch immer aus nativem Eiweiß.

Beim eigentlichen Gerben erfolgt nun durch die Wirkung der Gerbstoffe (Fixierung und Vernetzung der Proteine) die Umwandlung der rohen Haut in das Leder. Beim Einsatz von schwerlöslichen Mineralsalzen (Komplexbindung) geschieht dies durch ionische Bindungen, bei allen anderen Verfahren über kovalente Bindungen (Atombindung).

Zur weiteren Stabilisierung existieren zusätzlich auch Wasserstoffbrückenbindungen und van-der-Waals-Kräfte. Neben der Bindung, werden überschüßige Gerbstoffe zwischen den Kollagenfasern eingelagert.



Aufgrund der unterschiedlichen Gerbstoffarten, wird zwischen folgenden Gerbungen unterschieden


  1. Gerbung mit Mineralsalzen (Aluminium-, Chrom-III-, Eisen- oder Zirkonsalze). Chromgegerbte Lederarten sind bspw.: Boxcalf, Chagrin, Chevreau, Goldchrom, Mastboxleder oder Nappaleder
    Siehe auch: Weißgerberei
  2. Bei der pflanzlichen Gerberei (vegetabile Gerbung bzw. Lohgerberei) verwendete Gerbstoffe sind: Früchte, Tannine in Blättern, Auszüge aus Quebracho-, Kastanien- oder Eichenholz, Eichen- oder Fichtenrinden, Mimosa-, Sumach- und weitere Holz- oder Rindengerbstoffe.

    Die Begriffe „Lohe“ bzw. „Gerberlohe“, stammen von dem mittelhochdeutschen Wort lo ab, was soviel wie abreißen, schälen oder löchern bedeutet. Früher wurde zum Gerben fast ausschließlich (in Mitteleuropa heute nur noch selten) Baumrinde, Blätter oder Holz von Eichen (Eichenlohe) und Fichten in zerkleinerter Form verwendet, welche sehr gerbstoffreich sind. Die zur Gewinnung genutzten Wälder wurden auch als Lohwälder bezeichnet.

    Eine pflanzliche Gerbung ist z.B. die Altgrubengerbung; pflanzlich gegerbte Leder sind bspw. Juchtenleder, Rhabarberleder, Vachetteleder oder Saffianleder

  3. Fettgerbung (Sämischgerbung) mit Fisch-, und Seetierölen (Trane) oder mit Fetten des Gehirns. Ein fettgegerbtes Leder ist bspw.: Sämischleder

  4. Synthetische Gerbung mit synthetisch erzeugten Gerbstoffen (Harzgerbstoffe, Paraffinsulfochlorid, Polymergerbstoffe, Polyphosphate, Syntane)
  5. Aldehydgerbung (früher Formaldehyd, heute meist Glutaraldehyd)


Um die gewünschten Eigenschaften beim Leder zu erreichen, werden die verschiedenen Gerbungen oft miteinander kombiniert. Selten angewandte Gerbverfahren wie die Rauchgerbung, beruhen in der Regel auf der Wirkung einer oder mehrerer dieser Gerbstoffe.

Früher erfolgte das Gerben hauptsächlich in gemauerten Gruben mit wenig Bewegung, heute wird dieser Prozess in drehbaren Fässern, ähnlich wie bei einer Waschmaschinentrommel, aus Edelstahl, Holz oder Kunststoff durchgeführt.


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Spezielle Gerbverfahren


  1. Glacégerbung

    (Französische oder Erlanger Weißgerbung): Eine Kombination von Aluminiumsalzen mit Salz, Ei und Mehl. Details zum Gerbverfahren: Glacéleder
  2. Schrumpfgerbung

    Eine Form der Gerbung mit speziellen Gerbstoffen, die ein Zusammenziehen (Schrumpfen) der Häute bewirkt.
  3. Ungarische Weißgerbung

    Gerbung mit Aluminiumsalzen und spezieller Fettung.
  4. Zweibadchromgerbung

    Verwendet in der Anfangszeit der Chromgerbung - Chrom-VI-Salze wurden in die Haut eingearbeitet und anschließend durch Reduktion in gerbfähige Chrom-III-Salze umgewandelt.
  5. Weißgerberei

    (Mineralgerbung) - Ein Gerbverfahren bei dem die Gerbung mit Mineralien wie Alaun oder Kochsalz erfolgt und vor allem für feinere und dünnere Leder von Kalb, Schaf und Ziege genutzt wurde. Die bleichende Wirkung der Mineralstoffe erzeugt ein besonders helles Leder.

    Die damit erzeugten Lederqualitäten Chevreauleder (Ziegenleder) oder Glacé (Ziegenleder), wurden vorzugsweise zu Beuteln, Buchdecken, Handschuhen und Etuibezügen weiterverarbeitet.


Die Inuit (Eskimos) stellten ihr Leder auf eine besondere Weise her: Die Häute wurden gewalkt und anschließend mit den Zähnen gekaut, bis sie geschmeidig und weich waren.


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