Leder

Inhaltsverzeichnis


  1. Beschreibung und Eigenschaften

  2. Bezeichnungen für Leder
  3. Kunstleder
    - Alternative zu echtem Leder


  4. Reinigung und Pflege von Leder
  5. Gerben
Erzeugung verschiedener Lederprodukte

Leder - Beschreibung und Eigenschaften

Siehe auch: Lederbezeichnungen nach dem genutzten Teil der Rohaut


Lederstapel Leder bezeichnet eine durch Gerben haltbar gemachte Tierhaut: Durch den Einsatz von natürlichen bzw. künstlichen Gerbstoffen (ein Stoff, der sich bei Kontakt mit Eiweiß/Protein mit diesem verbindet und dadurch verändert) wird das Hautgefüge stabilisiert und deren natürliche Faserstruktur weitgehend erhalten.

Unterschieden wird zwischen den Begriffen Leder und Pelz (Pelzfell), bei letzterem sind nach der Gerbung die haarbildende Oberhaut (Epidermis) und die Haare noch erhalten sind.


Leder wird meist aus der als Lederhaut (Dermis oder auch Corium) bezeichneten Hautschicht gewonnen: Die Lederhaut besteht aus der außen liegenden Papillarschicht, welche der Lederoberfläche ihr glattes Aussehen verleiht und der darunter liegenden Retikularschicht, welche für die mechanische Festigkeit verantwortlich ist.


Querschnitt durch Fleisch und Haut eines Rinds Beim fertigen Leder nach dem Gerben, weist die Haut eine raue und eine glattere Seite auf:

  • Die raue Innenseite (Retikularschicht) wird als Aas- oder Fleischseite bezeichnet, weil sie ursprünglich dem Fleisch zugewandt war.
  • Die ursprüngliche Hautoberfläche (die Papillarschicht, die dem Fleisch abgewandte glatte Oberseite der Haut), wird als Narben bezeichnet und zeigt die jeweiils arttypische Oberflächenstruktur. Als Narben können auch künstlich angebrachte Vertiefungen bezeichnet werden.


In der Regel ist Leder ein Nebenprodukt der Fleischgewinnung, jedoch gibt es auch Tierarten die hauptsächlich wegen ihrer Haut gejagt oder gezüchtet werden (bspw. Krokodile, Eidechsen oder Schlangen).


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Eigenschaften von Leder


Leder ist ...


Entscheidend zur technisch physikalischen Beschreibung und Qualitätsbeurteilung von Leder sind
Bruchfestigkeit des Narbens, Dehnbarkeit, Dichte (spezifisches Gewicht), Lichtbeständigkeit, Schrumpfung, Zugfestigkeit und Wasser- und Luftdurchlässigkeit.


Chemische Beurteilungswerte von Leder sind u.a.
Fettgehalt, Gerbstoffgehalt, Säuregehalt, Schrumpfungstemperatur im nassen Zustand und Waschbarkeit.
Schwer bzw. gar nicht messbar sind Eigenschaften wie Griff, Struktur, Weichheit und die Optik.


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Chemische Zusammensetzung

Die chemische Zusammensetzung des Leders ist von den jeweiligen Herstellungsverfahren abhängig, der Anteil der Ledersubstanz kann dabei schwanken. So hat pflanzlich gegerbtes Leder einen höheren Gerbstoffgehalt und eine Ledersubstanz von 38-46%, chromgegerbtes Leder hingegen kann bis zu 72% Ledersubstanz aufweisen. Alaun- und sämischgegerbte Leder liegen dazwischen.



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Bezeichnungen für Leder


  1. Lederarten - Boxcalf (Rind) | Chevreau (Ziege) | Chevretten (Schaf) | Cordovan (Pferd) | Goldchrom (Rind) | Krokodilleder | Mastboxleder (Rind) | Mouton (Schaf) | Nappaleder (Kalb, Schaf oder Ziege) | Peccary (Schwein) | Porcleder (Schwein) | Rindbox (Rind) | Saffianleder (Ziege) | Sämischleder (diverse Hirscharten, Schaf, Ziege, Wild) | Skiver (Schaf) | Vachetteleder (Rind) | Waschleder (Schaf) | Wildleder
  2. Bezeichnung nach Herkunft der Haut - Fischleder | Hirschleder | Känguruleder | Krokodilleder | Lammleder | Pferdeleder | Rindsleder, Kalbsleder | Schlangenleder | Schweinsleder | Seehundleder | Straußenleder | Yakleder | Ziegenleder, Zickelleder
  3. Bezeichnung nach dem Herstellungsverfahren

  4. Bezeichnung nach der Oberflächenbehandlung - Anilinleder | Chagrin (Pressnarbenleder) | Hühnerleder | Knautschlack | Lackleder | „Kühlendes Leder“ (TFL Cool System®) | Nubukleder | Rauleder | Schleifbox | Veloursleder | Waterproof


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Kunstleder - Alternative zu echtem Leder

Wegen der aufwändigen und teuren Herstellung, werden anstelle von echtem Leder oft auch Lederimitate (Kunstleder), eingesetzt.


Kunstleder findet u.a. Verwendung für ...
Bälle (wie bspw. Fußbälle), Faltdächer für Autos, Gürtel, Jacken, Möbel (wie Sofas und Sessel), Sitzbezüge, Schuhe oder auch Taschen.



Eigenschaften

Das Kunstleder kann positive Eigenschaften von echtem Leder teilweise ersetzen oder sogar übertreffen (Reißfestigkeit, Abrieb, Wasserundurchlässigkeit und im optischen Eindruck).

Allerdings ist Leder, wenn viele der Eigenschaften gleichzeitig gefordert sind, immer noch überlegen (in Atmungsaktivität, mechanischer Festigkeit, Feuchtigkeitsaufnahme, Haptik/das fühlbare, dem Trageverhalten und der Zähigkeit). Im weiteren Sinn ist Leder außerdem ein nachwachsender Rohstoff, der in fast allen Kulturen als Nebenprodukt der Nahrungsgewinnung anfällt.


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Herstellung und Zusammensetzung

Der Herstellungsprozess von Kunstleder ist wesentlich einfacher und schneller als bei Leder, da es zum einen auf textilen Trägermaterialien als Endlosmaterial anfällt (vereinfachter Zuschnitt) und der aufwendige Gerbungsprozess entfällt. Darüber hinaus sind Kunstleder nicht an die Verfügbarkeit bestimmter Tierhäute gebunden und es wird immer die gleiche Oberflächenqualität erzeugt.


In der Regel besteht Kunstleder aus einem Verbund von textilem Gewebe oder Vliesstoff, welcher mit einer Beschichtung aus Kunststoff (früher häufig eine weiche PVC-Schicht) versehen ist – oft genarbt um eine Lederstruktur zu imitieren. Modernes Kunstleder wird anstelle einer PVC-Beschichtung mit einer Polyurethan-Beschichtung versehen.

Der Beschichtung wird eine Schaumstruktur verliehen um eine gewisse Weichheit zu erhalten, welche für den Griff (Oberflächentextur) erforderlich ist und dem Material außerdem Fülle sowie Trage- und Sitzkomfort gibt. Bei PVC wir dies durch chemische Treibmittel erreicht (die bei der thermischen Trocknung der Beschichtung Gasblasen erzeugen), bei Polyurethan wird die Schaumstruktur durch ein Koagulationsverfahren (Textilbeschichtung), chemische Treibmittel oder durch mechanisches Aufrühren (Schlagschaum, ein Beschichtungsmittel) erreicht.

Kunstleder auf Basis von PVC-Plastisol sind günstig und sehr robust, Polyurethan-Kunstleder können, im Gegensatz zu Leder, in der Waschmaschine gewaschen werden und trocknen ohne Verhärtungen ab (weshalb es häufig für Sportschuhe verwendet wird).


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Bezeichnungen für Kunstleder

In Produktbeschreibungen bzw. der Werbung, wird Kunstleder oft mit dem Begriff faux Leder (von franz. faux: falsch) bezeichnet. Bei einigen Produkten wie bspw. Polstermöbeln, wird häufig der Begriff Textilleder verwendet, der aber eigentlich nicht verwendet werden darf.


Weitere Kunstleder sind:


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