Wohnraumbelüftung
(Luftwechsel)

Inhaltsverzeichnis


  1. Tipps zum richtigen Lüften

  2. Arten der Lüftung


  1. Grundlegendes Wissen und
    Bautechnische Aspekte
Wirbelsturm

Tipps zum richtigen Lüften

Durch hohen Wasserverbrauch und dichte Gebäude, kommt es zu erhöhter Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen - im Durchschnitt werden pro Tag etwa zehn Liter Feuchtigkeit an die Raumluft abgegeben. Beträgt die relative Luftfeuchtigkeit in Räumen dauerhaft um 60 % und mehr, besteht akute Schimmelgefahr.




Die minimale Lüftungsdauer für einen vollständigen Luftaustausch beträgt bei

Querlüftung
(öffnen gegenüberliegender Fenster)
2 Minuten
bei vollständig geöffneten Fenstern 4-8 Minuten
gekippten Fenstern
(öffnen gegenüberliegender Fenster)
6-15 Minuten
gekippten Fenstern 30-120 Minuten
gekippten Fenster
(geschlossene Rollläden)
1-3 Stunden
geschlossenen Fentsern und Türen 3-4 Stunden


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Physikalisches

  • Warme Luft die abkühlt, gibt Feuchtigkeit ab – Kalte Luft die sich erwärmt kann zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen.
  • Wenn die Außenluft ein paar Grad niedriger ist als drinnen und die frische Luft im Raum sich noch erwärmt, dringt keine zusätzliche Feuchtigkeit in den Raum ein - auch wenn es draußen regnet, schneit oder neblig ist.
  • In einem unbeheizten Raum mit niedriger Temperatur, kann die Luft das Wasser nicht aufnehmen und es kondensiert an den kältesten Stellen im Raum, dh. den Wänden.
  • Je höher die Raumtemperatur ist, um so mehr Wasser kann die Luft aufnehmen. Sinkt die Raumtemperatur, z.B. in der Nacht, kann die Luft weniger Wasser aufnehmen und dadurch steigt auch die relative Luftfeuchtigkeit. Durch die niedrigere Außentemperatur in der Nacht kühlt auch die Fensterverglasung ab und wenn die die warme Innenluft darauf trifft schlägt sie sich am Fenster als Kondenswasser nieder.
  • Um bei einer Raumtemperatur von ca. 20 °C im Winter Kondenswasser (Feuchtigkeit) an den Wänden zu vermeiden, sollte die Temperatur der Wände an der kältesten Stelle nicht unter 15° C sinken – das wird durch ausreichendes Heizen erreicht und es sollte nur kurz gelüftet werden, damit der Wohnraum nicht auskühlt. Außerdem sollte für ausreichende Luftzirkulation gesorgt werden, die relative Luftfeuchtigkeit sollte nie konstant auf 65% oder mehr steigen.


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Allgemeine Tipps

  • Zum Messen der Luftfeuchtigkeit sollte ein Hygrometer angeschafft werden.
  • In den Wohnräumen geht die in der Wand gespeicherte Wärme durch kurzes Lüften nicht verloren.
  • Umso niedriger die Außentemperatur ist desto kürzer sollte gelüftet werden.
  • Die Türen von ungeheizten Räume sollten immer geschlossen halten werden. D.h. kühlere Räume sollten nicht mit der Luft aus wärmeren Räumen aufgeheizt werden – die Folge wäre Kondenswasserbildung an den Wänden und Schimmelgefahr, da die wärmere Luft mit mehr Wasserdampf gesättigt ist und die kühlere Luft diesen nicht aufnehmen kann.
  • Bei einer Innenverkleidung mit Holz, muss bei einer kalten Mauer die Hinterlüftung ausreichend funktionieren.
  • Bei Möbeln die an kalten Außenwänden stehen, muss für einen ausreichenden Abstand (mindestens 5 cm) oder eine Hinterlüftung gesorgt werden.
  • Wenn möglich sollten im Innenraum keine dampfdichten Dämmungen oder Farben verwendet werden.
  • Treten trotz regelmäßigen Stoß- oder Querlüftens Feuchtigkeitsprobleme auf, ist die Ursache wahrscheinlich ein bauliches Problem. Ein technischer Entfeuchter würde in so einem Fall nur die Symptome bekämpen nicht aber die Ursache.


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Fenster

  • Fenster sollten eine geringer Dämmung als das Mauerwerk aufweisen, damit sich das Kondenswasser am Glas statt im Mauerwerk nieder schlägt – das kann zu erheblichen Bauschäden führen (Schimmel).

    Ganz allgemein gesagt, ist es besser Kondenswasser an den Fenstern als auf den Wänden zu haben. Es gibt Fenster die statt einer Aluminiumschiene zwischen den Fensterscheiben einen Kunststoff haben (auch "warme Kante" genannt), wodurch die Kondenswasserbildung etwas verringert wird. Grund dafür: Das Aluminium leitet die Wärme besser als der Kunststoff.


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Schlafzimmer

  • vor dem zu Bett gehen und nach dem Aufstehen, sollte das Schlafzimmer kurz gelüftet werden.
  • Vor allem im Winter, beschlagen die Fenster häufig am Morgen. Daher sollte vor dem Schlafengehen vorbeugend ein kompletter Luftwechsel durchgeführt werden, um zu vermeiden das die Luftfeuchtigkeit während der Nacht steigt und kühlere Luft sich an den kälteren Oberflächen als Feuchtigkeit niederschlägt.

    Um das zu vermieden darauf achten, das die Wände im Raum wärmer sind als die Raumluft und die Türe zum Schlafzimmer geschlossen halten.

  • Idealerweise sollte auch während des Schlafes für eine Zufuhr von Frischluft gesorgt werden - das Fenster entweder einen Spalt offen lassen oder, bei moderneren Fenstern, jene Hebelstellung wählen durch welche die Fugendichtheit aufgehoben wird.


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Winter

  • Vor allem im Winter: Kurzes Stoßlüften für 5-10 Minuten mehrmals am Tag (abhängig von der Luftfeuchtigkeit) ist sinnvoller als dauernd gekippte Fenster, da der Raum dadurch weit weniger stark auskühlt und daher auch weniger beheizt werden muss.
  • Während im Winter gelüftet wird, sollten die Heizungen kurzfritig ausgeschaltet werden – weil Heizkörper meist unter den Fenstern montiert sind, geht sonst besonders viel Wärme verloren.


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Baden, Duschen,
Kochen, Wäsche trocknen

  • Die beim Baden, Duschen oder Kochen (mit viel Wasser) entstehende hohe Luftfeuchtigkeit, sollte durch Lüften nach draußen befördert werden – währenddessen und/oder danach.
  • Wenn möglich sollte mit leicht geöffnetem Fenster geduscht/gebadet werden – so kann die Feuchtigkeit sofort entweichen.
  • Die Türen zu Räumen in denen meist hohe Luftfeuchtigkeit herrscht sollten immer geschlossen werden und der Wasserdampf ins Freie abgleitet werden.
  • Wird die Wäsche in der Wohnung getrocknet, sollte das ebenfalls in einem geschlossenen Raum geschehen der gut gelüftet wird.

    Siehe auch: Textilien - Wäsche trocknen und Bügeln


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Keller

  • Viele Menschen gehen davon aus, dass der Keller besser trocknet wenn sie die Kellerfenster im Winter geschlossen halten und sie dafür im Sommer so oft wie möglich offen lassen. Jedoch ist genau das Gegenteil richtig: Wird so vorgegangen dringt warme Luft von außen in den Keller, kühlt dort ab und gibt so auch Feuchtigkeit ab – daraus folgt, das der Keller durch das Lüften im Sommer feucht wird. Das Lüften des Kellers ist daher im Winter empfehlenswerter.
  • Kellerfenster sollten daher im Sommer geschlossen werden, damit sich die feuchte und warme Luft nicht an den Kellerwänden niederschlägt – um einen muffigen Geruch zu vermeiden, die Fenster ggf. einen Spalt offen lassen - und in der Nacht bzw. bei kälterem Wetter gut durchgelüftet werden.
  • Im Keller ist die Temperatur im Winter, auf Grund der durch die Erdwärme höheren Kellerwandtemperatur, auch ohne zusätzliches Heizen ausreichend hoch.
  • Regale sollten an den Innenwänden, aber nicht an den Außenwänden, aufgestellt werden.


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Arten der Lüftung


Querlüftung

1 – 5 Minuten lang, 3 - 4 mal täglich (d.h. etwa alle zwei bis drei Stunden)

Fenster und Türen des Raumes gleichzeitig ganz öffnen - wenn möglich gegenüberliegende Fenster und Türen gleichzeitig öffnen weil dies den Effekt verstärkt.

Stoßlüftung

5 – 10 Minuten lang, 3 - 4 mal täglich alle Fenster eines Raumes öffnen.

Automatische
Wohnraumlüftung

Automatische Lüftungssysteme wie Ventilatoren oder Lüftungsgeräte, saugen die Luft ab und belüften so das Haus.

Einzelraumlüftung

Wandgeräte für Badezimmer, Küchen, Wohnräume oder das Toilette, die über ein Rohr Luft von außen ansaugen und über einen kleinen Wärmetauscher leiten. Dadurch wird die Frischluft mit der warmen Abluft vorgewärmt und erst danach in den Raum geblasen - die Abluft wird über den Wärmetauscher nach außen geleitet.

Für Ruhe- und Schlafräume auf leisen Lauf und ausreichende Schalldämmung der Geräte achten.

Einfache Lüftungsanlagen

Systeme zur dezentralen Entlüftung sind relativ einfach zu verwirklichen: Über Abluftrohre wird aus Badezimmer, Küche und Toilette ständig Luft ins Freie abgesaugt und über Frischluftventile wird frische, jedoch kalte Luft ins Haus gesaugt.

Der Vorteil dieses Systems ist, das es einfach einzubauen und kostengünstig ist. Nachteil: die Energieverluste durch die einströmende kalte Frischluft und die nicht vorhandene Wärmerückgewinnung.

Kontrollierte Wohnraumbelüftung

(Wärmerückgewinnung)
Dieses System ist das aufwändigste, bietet aber auch den größten Komfort und spart Energie.

Es wird häufig bei Niedrigenergie- und Passivhäusern eingesetzt. In besonders gut gedämmten Passivhäusern kann dieses System, ausgestattet mit einer zusätzlichen Kleinst-Wärmepumpe, als alleiniges Heizsystem reichen!

Die Abluft wird aus Badezimmer, Küche und Toilette über ein Rohrsystem abgesaugt und die Frischluft wird, ebenfalls über ein Rohrsystem, in die Räume eingebracht – so wird das ganze Haus entlüftet. Die kalte Frischluft wird vor dem ausblasen durch die warme Abluft in einem Wärmetauscher des Lüftungsgerätes erwärmt, was die Lüftungsenergieverluste minimiert. Wird die Außenluft über im Erdreich verlegte Rohre angesaugt, kann zusätzlich die im Erdreich gespeicherte Wärme genutzt werden - die Lufttemperatur im Rohr beträgt dann auch bei niedrigen Außentemperaturen immer einige Plusgrade.

Eine Lüftungsanlage dieser Art sollte Effizient (Wärmerückgewinnung), leise, sparsam (Energieverbrauch) und einfach zu warten sein. Regelmäßig warten um Probleme mit der Hygiene und Lautstärke zu vermeiden und erhöhtem Energieverbrauch vorzubeugen.


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