Jazz

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Inhaltsverzeichnis

  1. Steckbrief
  2. Einleitung
  3. Etymologie


  1. Geschichte des Jazz [Inhaltsangabe]


  1. Kennzeichen des Jazz & Jazzharmonik


  1. Jazzstile


  1. Jazzstandards

Siehe auch: .:: Jazz Hyperlinks ::.

Jazz Steckbrief


Stilistische Ursprünge Blues | Folk | Marschmusik | Ragtime
Kulturelle Ursprünge Frühes 20. Jahrhundert, USA
Typische Instrumente Kontrabass | Schlagzeug | Gitarre | Klavier | Saxophon | Trompete | Posaune | Gesang
Abgeleitete Stile Funk | Jump Blues | Reggae | Rhythm and Blues | Rock and Roll | Ska
Subgenres Avant-garde Jazz | Bebop | Big Band | Chamber Jazz | Cool Jazz | Free Jazz | Gypsy jazz | Hard Bop | Latin Jazz | Mainstream Jazz | M-Base | Neobop | Post-bop | Soul Jazz | Swing | Third Stream | Traditional Jazz
Fusionen Acid Jazz | Afrobeat | Bluegrass | Bossa Nova | Crossover Jazz | Dansband | Folk Jazz | Free Funk | Humppa | Indo Jazz | Jam Band | Jazzcore | Jazz Funk | Jazz Fusion | Jazz Rap | Kwela | Mambo | Manila Sound | Nu Jazz | Nu Soul | Punk Jazz | Shibuya-kei | Ska Jazz | Smooth Jazz | Swing Revival | World Fusion

Einleitung

Jazz ist eine ursprünglich überwiegend von Afroamerikanern hervorgebrachte Musikrichtung die, ungefähr um 1900, in den Südstaaten der USA entstand.

Seine Wurzeln liegen einerseits im Blues sowie den Worksongs, Spirituals und Gospels afroamerikanischer Sklavenarbeiter in den Südstaaten der USA, und zum anderen in den diversen Volksmusiken europäischer Einwanderer, wie Marsch-, Tanz- und Populärmusik.

Aus den afroamerikanischen Rhythmen und europäischen Musikstilen entwickelte sich zunächst der Ragtime, der neben dem Blues der direkte Vorläufer des Jazz ist und zwischen 1890 und 1915 die beliebteste Musik Amerikas war. Während seiner gesamten Entwicklung bis heute, hatte der Blues einen ständigen Einfluss auf den Jazz sowie auch auf andere Musikstile, welche im Laufe der Zeit neben dem Jazz entstanden.

In der kreolischen Kultur von Louisiana entwickelte sich aus dem Ragtime und dem Blues nach 1900 der New Orleans Jazz; Buddy Bolden mit seiner Blaskapelle war der erste bekannte Bandleader dieser neuen Jazzmusik. Weil er 1907, also noch vor dem Zeitalter der Schallplattenaufnahmen, in eine Nervenanstalt eingewiesen wurde, gibt es von ihm leider keine Tonaufnahme. Ebenfalls ein Mitgestalter des frühen Jazz war Jelly Roll Morton, ein erfolgreicher Barpianist. Bandleader wie Buddy Bolden sollen markante Instrumentalisten gewesen sein, die eine sehr individuellen Tonbildung hatten.

Der Jazz wurde im Laufer der Zeit in vielfältiger Weise (oft durch Crossover mit anderen Musiktraditionen und Genres) weiterentwickelt. Auch Musikformen die kaum oder oft nur lose mit der afroamerikanischen Tradition verbunden sind, werden mittlerweile zum Jazz gezählt. Darüber hinaus hat der Jazz von Pop bis Folk, nahezu allen anderen Genres der Musik neue Möglichkeiten eröffnet.

Im Hinblick auf seine künstlerische Bedeutung, wird der Jazz häufig als amerikanisches Pendant zur klassischen europäischen Musik verstanden. Billy Taylor (William Taylor Jr.; 1921-2010, einflussreicher US-amerikanischer Jazz-Pianist, TV- und Radio-Präsentator von Jazzmusik, Hochschullehrer und Komponist) und Wynton Learson Marsalis (*1961, einer der bekanntesten Jazztrompeter der Gegenwart), bezeichnen den Jazz als die „klassische Musik Amerikas“.


In erster Linie ist die Geschichte des Jazz eine Geschichte der Interpretation: von individuellen und kollektiven Stilistiken, Strategien der Improvisation sowie Phrasierungs- und Intonationsweisen. Im Verlauf seiner Geschichte, wurde es zunehmend schwierig sich auf eine einheitliche Definition des Begriffs Jazz zu einigen und die Musik alleine aufgrund ihrer musikalischen Gestaltungsmittel zu definieren.


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Etymologie

Die genaue Herkunft des Ausdrucks Jazz ist ungeklärt. Die „American Dialect Society“ ernannte es zum Wort des 20. Jahrhunderts, was es zum Gegenstand zahlreicher Nachforschungen machte.


Im „Historical Dictionary of American Slang“ aus dem Jahr 1860, wird der nicht mehr gebräuchliche Slangausdruck „jasm“ erwähnt, der soviel bedeute wie Energie, Dynamik oder Vitalität, einer der aussichtsreichsten Kanditaten. Man geht davon aus, das der Begriff „jasm“ eine Abwandlung des Slangausdrucks „jism“ oder „gism“ ist, der im „Historical Dictionary of American Slang“ aus dem Jahr 1842 mit Geist, Energie oder Courage übersetzt wird.

„Jism“ bedeutet aber auch Samen oder Sperma, die heute dominierende Bedeutung, die jism zu einer Art Taboo Wort machte.

Möglicherweise wurd Jazz auch aus dem Wort „jass“ (kreolischer Patois für „tatkräftige Aktivität“, im speziellen Sexualverkehr) abgeleitet.
Dazu heißt es in einer Quelle [„Étude“, Sept. 1924]: „If the truth were known about the origin of the word 'Jazz' it would never be mentioned in polite society.
(übersetzt: Wäre über die Herkunft des Wortes 'Jazz' die Wahrheit bekannt, würde es in der feinen Gesellschaft keinesfalls erwähnt werden).

Der frühe Jazz wurde am Anfang auch häufig als "Hot Ragtime" oder einfach "Ragtime" bezeichnet. Lange Zeit ging man davon aus, dass der Begriff bereits 1909 in Cal Stewarts Song „Uncle Josh in Society“ vorkommt: „One lady asked me if I danced the jazz …(vmtl. in Bezug auf eine Art von Ragtime-Tanz). Jedoch enthält nicht die erste Aufnahme diesen Begriff, sondern erst eine spätere.

In unterschiedlichen Schreibweisen kam es im Slang der US-Westküste vor, in abweichenden Definitionen von denen sich keine auf Musik bezog. Im musikalischen Kontext wurde das Wort Jazz erstmals am 11. Juli 1915 in der Chicago Daily Tribune (in Zusammenhang mit einem synkopierten Rag von Art Hickman) erwähnt, sowie am 14 November 1916 in der aus New Orleans stammenden Zeitung „Times-Picayune“ in einem Artikel über "jas bands".

Der Bandleader Tom Brown behauptete das Wort als erster für die Beschreibung einer Band verwendet zu haben, woraufhin ein Streit mit Nick LaRocca von der Original Dixieland Jass Band entbrannte. Das englische Verb „to jazz“ (to speed / to liven up; d.h. schneller werden oder beleben, in Schwung bringen), ist ab dem Jahr 1917 belegt.


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Die Debatte um den Begriff „Jazz“


Alfons M. Dauer wies auf die stigmatisierende Wirkung des Jazzbegriffs hin, darauf aufbauend betonte der Musikwissenschaftler Maximilian Hendler, „dass der Begriff Jazz von seinem Ursprung her weder musikalische noch stilistische, sondern soziale Konnotationen hatte.

Auch zahlreiche Jazzmusiker lehnten für ihre Musik den Begriff Jazz ab. Miles Davis bspw. bemerkte es sei „ein Wort des weißen Mannes“.

Der in den 1970er Jahren vom Art Ensemble of Chicago propagierte Begriff „Great Black Music“ konnte sich nie durchsetzen. Weil das Wort Jazz einen rassistischen Beigeschmack habe, schlug der Trompeter Nicholas Payton 2011 vor, den Begriff durch „Black American Music“ (BAM) zu ersetzen. Auch andere Musiker äußerten sich ähnlich, so beispielsweise Orrin Evans der meinte, Jazz sei „ein repressiver, kolonialistischer Sklaven-Begriff, und ich will nichts damit zu tun haben“, oder Archie Shepp der sagte: „Ich habe darauf bestanden, dass meine Studenten in ihren Seminararbeiten das Wort Jazz vermeiden.

Die Musik hatte vielmehr in Afrika ihren Ursprung, mit Call and Response, Händeklatschen, Fußstampfen und Blues-Tonleitern, die man nicht bei Mozart oder Anton Webern fände, sondern auch bei kleinen Stämmen in Westafrika.

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