Jazzstandards

Einleitung

Inhaltsverzeichnis


  1. Einleitung und Definition
  2. Geschichte der Jazz-Standards


  1. Sammlungen von Jazzstandards
  2. Bekannte Jazz-Standards - Chronologisch

  3. Bekannte Jazz-Standards - Alphabetisch


  1. Jazz - Titelseite
    Steckbrief | Einleitung | Etymologie


  1. Geschichte des Jazz


  1. Kennzeichen des Jazz & Jazzharmonik


  1. Jazzstile

Jazzstandards


Einleitung und Definition


Jazzstandards sind Melodien mit feststehender Harmoniefolge, die als Grundlage (Thema) für Jazzimprovisationen und Arrangements dienen und zum Grundrepertoire eines traditionell orientierten Musikers gehören.


Die Jazzstandards beziehen sich auf Jazz-Kompositionen vergangener Jahre und Jahrzehnte die Stilentwicklungen überdauert haben und die von Jazzmusikern besonders häufig gespielt wurden und werden; zahlreichen Jazzstandards ist dabei auch der Übergang in andere Musikstile gelungen. Seit etwa den 1930ern, also der Zeit in der die Vinylschallplatte erfunden wurde, stammen diese Standards aus den verschiedenen Genres der US-amerikanischen Unterhaltungsmusik wie bspw. aus Broadway-Shows und Musicals, Chansons, Filmmusik, Popsongs, Schlagern aber auch von Eigenkompositionen der Jazzmusiker.

Die Blütezeit der Jazzstandards war die Ära des Swing, einige Standards stammen aber auch aus dem 19. Jahrhundert, aus dem Ragtime, klassischem Blues oder frühem Jazz, dem Chicago-Jazz der 1920er Jahre, dem Swing der dreißiger und vierziger, dem Bebop und Hardbop, dem Bossa Nova, dem modalen und selbst dem Free Jazz.


Das Thema eines Jazzstandards, wird in der Regel zu Beginn sowie am Schluss des Stücks präsentiert und dazwischen werden Improvisationen (fast ausschließlich in solistischer Abfolge) gespielt. Jazzstandards werden bis heute kontinuierlich verändert und erweitert. Bebop-Musiker verwendeten seit den 1940er Jahren solche bereits bekannten Songs und schrieben über deren Akkordfolgen neue Melodien oder behielten die Melodie, aber veränderten die Akkordfolgen (Harmonien) der Songs. Dadurch entstanden neue Standards deren Themen mit dem Fachbegriff „bebop head“ bezeichnet werden (head bezeichnet den Beginn eines Musikstücks).

Einige dieser abgeänderten Songs aus dem Great American Songbook (siehe auch: Sammlungen von Jazzstandards) zur Zeit des Bebop, sind als Ausgangspunkt einer Jazzinterpretation heute beliebter als die Originale.


Charakteristisch für einen Bebop head sind vor allem die auf Achtelnoten aufgebaute, offbeatorientierte und fragmentierte Rhythmik, sowie eine Melodieführung die weniger auf Sanglichkeit als vielmehr auf die Darstellung einer relativ komplexen Harmonik zielt. In ihrer typischsten Form beruhen Bebop heads auf teilweise erweiterten Akkordfolgen populärer Songs, den sogenannten show tunes die vor allem für Musicals geschrieben wurden.

Jazzmusiker die solche Melodien spielen improvisieren darüber bzw. über die durch die Melodien gebildete Akkordfolge, die musikalischen Übereinkünfte dafür variieren von Stil zu Stil.

Wenn nun Jazzgruppen beim gemeinsamen Spielen auf eine Auswahl der im Jazz allgemein anerkannten Jazzstandards zurückgreifen, können sich die verschiedenen Musiker rasch gemeinsam verständigen und haben so eine Basis für eine allgemeine Verständigung. So kann auch ohne Probe ein ein gemeinsames Konzert gegeben werden, selbst man sie sich zuvor noch nie getroffen hat. Und auch bei spontanen Jazzmusikertreffen, den sogenannten Jamsessions, spielen Standards eine zentrale und unverzichtbare Rolle, da sie die musikalische "Schnittstelle" zwischen fremden Musikern bilden. So könnte die Jam Session auch der Grund gewesen sein, warum sich ein fester Korpus an Stücken herausbildete.


Die Vortragsform eines Jazzstandards ist nicht festgelegt und so können auch Melodie, Harmonie, Rhythmus und Besetzung von den Musikern beliebig variiert werden. Stilistik und Zeit der Komposition geben aber oft die musikalischen Mittel vor.


Siehe auch: Bebop Heads


Geschichte der Jazz-Standards

Siehe auch: Geschichte des Jazz


Vor 1920

Von der Konzeption über die Veränderung im zwanzigsten Jahrhundert, war Jazz-Musik zum Tanzen gedacht, was natürlich die Auswahl der gespielten Musik früher Jazz-Formationen beeinflusste: King Oliver's Creole Jazz Band, New Orleans Rhythm Kings und andere, hatten zahlreiche populäre Tin Pan Alley Songs (die 28. Straße zwischen Fifth Avenue und Broadway im New Yorker Stadtteil Manhattan, wo zwischen 1900 und ca. 1930 die meisten US-amerikanischen Musikverlage ansässig waren) in ihrem Repertoire und Aufnahmestudios nutzten ihre Machtposition häufig aus, um den Musikern zu diktieren welche Songs sie aufnehmen sollten. Bestimmte Songs wurden von den für die Aufnahmen verantwortlichen bevorzugt und erreichten dadurch schneller den Standard-Status; diese Praxis begann mit den ersten Jazz-Aufnahmen 1917, als ide Original Dixieland Jass Band den Song „Darktown Strutters' Ball“ und „Indiana“ aufnahm. Ursprünglich einfach als „Jazz“ bezeichnet, wird die Musik der frühen Jazz-Bands heute oft als „Dixieland“ oder „New Orleans Jazz“ bezeichnet, um den Stil von moderneren Subgenres zu unterscheiden.

Die Wurzeln des Jazz liegen in den musikalischen Traditionen von New Orleans im frühen 20. Jahrhundert, inklusive der Brassband-Musik, dem Blues und den Spirituals, und einige der populärsten frühen Jazz-Standards entspringen diesen Einflüssen. Die Ragtime Songs „Twelfth Street Rag“ und „Tiger Rag“ waren unter Jazzmusikern beliebte Titeln, sowie auch die Blues-Songs „St. Louis Blues“ und „St. James Infirmary“. Songschreiber der Tin Pan Alley (wo zwischen 1900 und ca. 1930 die meisten US-amerikanischen Musikverlage ansässig waren) steuerten zahlreiche Songs zum Repertoire der Jazz-Standards bei; u.a. waren das „Indiana“ und „After You've Gone“. Andere Songs wie u.a. „Some of These Days“ oder „Darktown Strutters' Ball“, wurden von den Musikern des Vaudeville eingeführt. Die am häufigsten aufgenommenen Standards dieser Periode sind W. C. Handy's „St. Louis Blues“, Turner Layton und Henry Creamer's „After You've Gone“ sowie James Hanley und Ballard MacDonald's „Indiana“.


1920er

In den 1920er Jahren fand in den USA eine Periode ihren Anfang, die als „Jazz Age“ (Jazz Ära) bekannt ist. Der Jazz war im Land zu einer populären Musik geworden, obwohl die älteren Generationen die Musik als unmoralisch und als Bedrohung der kulturellen Werte betrachteten. Tänze wie der Charleston oder der Black Bottom waren während dieser Periode sehr beliebt und Jazz-Bands bestanden typischerweise aus sieben bis zwölf Musikern.

Wichtige Orchester in New York wurden von Fletcher Henderson, Paul Whiteman und Duke Ellington angeführt. Viele der Jazzmusiker aus New Orleans sind auf der Such nach Anstellung während der späten 1910er Jahre nach Chicago ausgewandert; das waren u.a. die New Orleans Rhythm Kings, King Oliver's Creole Jazz Band und Jelly Roll Morton, die in der Stadt Aufnahmen machten. Gegen Ende der 1920er ließ die Bedeutung Chicago's als Zentrum des Jazz nach und verlagerte sich stattdessen nach New York.

In den frühen Jahren des Jazz waren die Plattenfirmen begierig darauf zu entscheiden, welche Songs von ihren Musikern aufgenommen werden sollen. Beliebte Songs in den 1920er Jahren waren Pophits wie u.a. „Sweet Georgia Brown“, „Dinah“ und „Bye Bye Blackbird“. Der erste Jazzmusiker dem eine gewisse Freiheit bei der Auswahl der Songs gegeben wurde war Louis Armstrong, dessen Band dabei half, viele der frühen Standards in den 1920er und 1930er Jahren populär zu machen.

Einige der von Jazzmusikern komponierten Stücke überdauerten als Standards, wie bspw. Fats Waller's „Honeysuckle Rose“ oder „Ain't Misbehavin“. Der in den 1920ern am häufigsten aufgenommene Standard ist Hoagy Carmichael und Mitchell Parish's „Stardust“. Auch viele der von Broadway-Komponisten geschriebenen Songs wurden zu Standards, wie u.a. George und Ira Gershwin's „The Man I Love“ (1924), Irving Berlin's „Blue Skies“ (1927) oder Cole Porter's „What Is This Thing Called Love?“ (1929). Jedoch konnten sich die Musiker erst ab den 1930er Jahren mit der harmonischen und melodischen Raffinesse der Broadway-Melodien anfreunden und damit beginnen diese in ihr Repertoire aufzunehmen.


1930er

Die Broadway-Theater zeichneten sich für einige der populärsten Standards der 1930er Jahre verantwortlich, wie u.a. George und Ira Gershwin's „Summertime“ (1935), Richard Rodgers und Lorenz Hart's „My Funny Valentine“ (1937) sowie Jerome Kern und Oscar Hammerstein II's „All the Things You Are“ (1939). Diese Songs zählen bis heute zu den am häufigsten aufgenommenen Standards. Johnny Green's „Body and Soul“ fand Verwendung in einer Broadway-Show und wurde nach Coleman Hawkins's Aufnahme von 1939 ein Hit; das Stück ist der am häufigsten aufgenommene Standard aller Zeiten.

In den USA wurde der Swing-Jazz in den 1930er Jahren zur dominaten Musikform. Duke Ellington und seine Band komponierten zahlreiche Swing-Hits dieser Ära, welche auch zu Standards wurden: Das waren u.a. „It Don't Mean a Thing (If It Ain't Got That Swing)“ (1932), „Sophisticated Lady“ (1933) und „Caravan“ (1936). Andere einflussreiche Bandleader dieser Ära waren Benny Goodman, Louis Armstrong, Cab Calloway und Fletcher Henderson. Goodman's Band wurde durch die Radisendung „Let's Dance“ bekannt und machten 1937, im Zuge des ersten Jazz-Konzerts in der Carnegie Hall, einige der Jazz-Standards einem größeren Publikum bekannt.


1940er

Die Swing-Ära dauerte bis zur Mitte der 1940er Jahre und brachte dabei populäre Melodien wie bspw. Duke Ellington's „Cotton Tail“ (1940) und Billy Strayhorn's „Take the 'A' Train“ (1941) hervor. Während die Big Bands im Verlauf des 2. Weltkrieges ums überleben kämpften, zeichnete sich im Jazz ein Wechsel hin zu kleineren Formationen ab. Einige der Musiker aus der Swing-Ära, wie bspw. Louis Jordan, wurden später mit einem neuen Musikstil namens Rhythm and Blues erfolgreich, welcher sich in den 1950er Jahren zum Rock and Roll entwickeln würde.

Angeführt von Musikern wie u.a. Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Thelonious Monk, entwickelte sich in den frühen 1940er Jahren der Bebop. Mit seinen anspruchsvolleren Harmonien, den schnellen Tempi und dem häufig virtuosen musikalischen Können, sprach der Stil ein wählerischeres Publikum an als die frühen Formen des Jazz. Dabei nutzten die Bebop-Musiker in ihrem Repertoire oftmals Standards der 1930er, inbesondere jene der Broadway-Musicals. Von Bebop-Musikern geschriebene Standards sind u.a. Gillespie's „Salt Peanuts“ (1941) sowie „A Night in Tunisia“ (1942), Parker's „Anthropology“ (1946), „Yardbird Suite“ (1946) sowie „Scrapple from the Apple“ (1947), und Monk's „Round Midnight“ (1944), welches gegenwärtig der am häufigsten aufgenommene Jazz-Standard ist, der von einem Jazzmusiker komponiert wurde.


1950er

In den 1950er Jahren wurden Aufnahmen des modalen Jazz populär, wie bspw. Miles Davis's „Kind of Blue“. Populäre Stdandards des modalen Jazz waren u.a. Davis's „All Blues“ sowie „So What“ (beide 1959), John Coltrane's "„Impressions“ (1963) und Herbie Hancock's „Maiden Voyage“ (1965). Im Laufe der Mitte bis zu den späten 1960ern schuf Davis mit seinem Second great quintet (in dem auch der Saxophonist Wayne Shorter und der Pianist Herbie Hancock spielten) eine Serie von viel gepriesenen Alben. Standards dieser Sessions waren u.a. Shorter's „Footprints“ (1966) und Eddie Harris's „Freedom Jazz Dance“ (1966).

In den späten 1950er Jahren entwickelte sich in Brasilien ein neuer Musikstil namens Bossa Nova. Der auf dem brasilianischen Samba und dem Jazz basierende Stil, wurde von Musikern wie João Gilberto, Antonio Carlos Jobim und Luiz Bonfá vertreten. Gilberto und Stan Getz lösten mit ihrem Album Getz/Gilberto in den USA 1963 einen Bossa Nova Hype aus. Songs dieses Genres die heute als Standard gelten sind Bonfá's „Manhã de Carnaval“ (1959), Marcos Valle's „Summer Samba“ (1966) sowie zahlreiche Songs von Jobim wie u.a. „Desafinado“ (1959), „The Girl from Ipanema“ (1962) und „Corcovado“ (1962).

Die Bewegung der Jazz Fusion fusionierte den Jazz mit anderen Musikstilen und hatte ihre Blütezeit von den späten 1960ern bis zur Mitte der 1970er; bekanntestes Beispiel ist die Fusion mit dem Funk sowie dem Rock. Bekannte Fusion-Musiker wie Weather Report, Return to Forever, Herbie Hancock und das Mahavishnu Orchestra, erreichten mit ihrer Musik Crossover-Popularität doch das Interesse an dem Genre nahm mit der wende der 1980er Jahre ab. Der größten Hits der Jazz Fusion waren Hancock's „Chameleon“ (1973) und Joe Zawinul's „Birdland“ (1977), die später mehrfach gecovert wurden und heute manchmal als moderne Jazz-Standards gelten.


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