Ragtime


Inhaltsverzeichnis

  1. Steckbrief

  2. Geschichte


  1. Stile des Ragtime
  2. Liedform
  3. Spieltechnik
  4. Bekannte Ragtime-Komponisten und -Musiker

Steckbrief

Stilistische Ursprünge Cakewalk, Afro-Amerikanische Folk Music (Volksmusik)
Kulturelle Ursprünge 1890er Jahre, USA
Typische Instrumente Hauptsächlich Klavier; manchmal auch Banjo Orchester und Brass Bands
Abgeleitete Formen Stride Piano | Novelty Piano (ein während der 1920er populärer Klavierstil) | Honky Tonk
Fusionen Jazz | Boogie-Woogie | Bluegrass

Vorwort


Ragtime oder auch Rag-Time bzw. Rag Time, bezeichnet einen in den USA entstandenen Vorläufer des Jazz, der seine Blütezeit zwischen 1895 und 1918 erreichte. Der Ragtime gilt als "klassische Musik" Amerikas die heute meist als Klavierstil gesehen wird, zunächst aber auch auf anderen Instrumenten (vor allem dem Banjo) sowie von größeren Ensembles gespielt wurde.

Der eindeutig amerikanische Musikstil Ragtime, kann als eine Synthese afrikanischer Synkopierung und europäischer klassischer Musik betrachtet werden, insbesondere die durch John Philip Sousa populär gewordenen Märsche. Der Ragtime, mit Joplin's Werken an der Spitze, wird auch als amerikanisches Äquivalent zu den Menuetten Mozarts, den Mazurka's von Chopin oder den Walzern von Brahms gesehen. Ragtime beeinflusste klassische Komponisten wie u.a. Erik Satie, Claude Debussy und Igor Stravinsky.

Um 1900 verstand man unter Ragtime verschiedene Arten afro-amerikanischer Unterhaltungsmusik: So übernahm John Philip Sousa orchestrierte Ragtimes in sein Repertoire und Bluesmusiker wie Blind bspw. Blake und "Blind" Boy Fuller übertrugen den Ragtime auch auf die Gitarre.

Heute versteht man unter Ragtime meist einen auf dem Klavier gespielten „City-Ragtime“.


Zwei der bekanntesten Rags sind „The Entertainer“ (1902) von Scott Joplin, das vor allem durch die Verwendung im Film Der Clou von 1973 große Bekanntheit erlangte, sowie der „Twelfth Street Rag“ (1914) von Euday Bowman, das mit der Notenausgabe und der Schallplatte mit Pee Wee Hunt (von 1948) zu den meistverkauften Ragtime-Kompositionen zählt.

Als einer der schönsten Rags gilt der von Louis Chauvin und Scott Joplin gemeinsam komponierte „Heliotrope Bouquet“.


Etymologie

Die Etymologie führt die Bezeichnung Ragtime auf die zwei Wörter „ragged time“ zurück, also „zerrissene Zeit“, welche sich auf die Synkopierung beziehen die durch das zeitlich verschobene spielen der Melodie (rechte Hand) im Verhältnis zum stetig gespielten Takt (linke Hand) entsteht.

Eine andere Interpretation sieht einen Hinweis im Musical Record von 1899 in dem steht: „The negroes call their clog-dancing ‚ragging‘ and the dance a ‚rag‘.


Geschichte

Der Ragtime entsprang der Afro-amerikanischen Musik des späten 19. Jahrhunderts und entwickelte sich aus dem Jig (sowohl ein lebhafter Volkstanz als auch die zugrundeliegende Melodie der gesamten Britischen Inseln, der vor allem im 16. Jahrhundert verbreitet war) und der von schwarzen Bands gespielten Marschmusik. Einige der frühen Piano Rags waren Märsche und die Begriffe „Jig“ und „Rag“ wurden Mitte der 1890er noch austauschbar verwendet.

Seinen Ursprung hat der Ragtime als Tanzmusik in den Rotlichtbezirken der Afro-amerikanischen Gemeinschaft in St. Louis und New Orleans.


Cakewalk

Ein Vorläufer des Ragtime war der musikalisch nahe verwandte Gesellschaftstanz Cakewalk, welcher sich um 1840 in den Großgrundplantagen in Florida (USA) entwickelte und zu dieser Zeit noch als „Chalk Line Walk(Kreideliniengang), „Walk-around“ auch „Prize Walks“ bezeichnet wurde.

Dieser Tanz enstand als afroamerikanische Sklaven den Tanz eines ortsansässigen Indianervolks (Seminolen) mit Tänzen aus ihrer afrikanischen Heimat verbanden. Dabei wurde die Grundform des Schreittanzes für Paare übernommen und Elemente der Tänze der Xhosa (wie die durchgebogene Körperhaltung und die tief gehaltenen Hände) und des Ring Shout hinzugefügt. Die als „walker“ (Geher oder Spaziergänger) bezeichnten Tänzer, schritten dabei eine gerade Linie ab während sie einen mit Wasser gefüllten Eimer auf dem Kopf balancierten.

Der Chalk Line Walk wurde in den USA erstmals um 1850 als eigenständiger Tanz beschrieben. Bei der Ausstellung Centennial Exposition in Philadelphia wurde der Originaltanz 1876 im Rahmen eines Wettbewerbes vorgeführt und dem Siegerpaar ein großer Kuchen (Cake) als Preis überreicht. Danach wurde der Tanz bei den Minstrel Shows bis in die 1890er exklusiv von Männern aufgeführt, bis später schließlich auch Frauen teilnahmen und so diverese Improvisationen ermöglicht wurden, durch die der Gesellschaftstanz auf der Grundlage von Ragtime-Musik als Cakewalk schließlich ab ca. 1895 im ganzen Land populär wurde.

Der Modetanz erlebte 1915 eine Weltweite zweite Blütezeit, bevor er schließlich um 1920 aus der Mode kam.


Vorläufer des Ragtime finden sich bereits seit etwa 1860. So wurden Andre Asriel zufolge im mittleren Westen und im Osten der USA volkstümliche, dem Ragtime ähnliche Klaviermusik, schon lange vor den ersten Drucklegungen von Ragtime-Kompositionen für das Klavier gespielt. Es handelt sich dabei um „naive Übertragungen der zur Begleitung des volkstümlichen Cake Walk gebräuchlichen Banjo-Spielweise auf das Klavier.

Außerdem entstand der Ragtime auch aus der Modifikation der durch John Philip Sousa populär gewordenen Marschmusik, der Polyrhythmen der afrikanischen Musik hinzugefügt wurden.


Ernest Hogan

Der Pionier Ernest Hogan (1865-1909) war ein Innovator und eine Schlüsselfigur die dabei half, das Genre zu entwickeln und dem auch die Prägung der Bezeichnung Ragtime zugeschrieben wird.

1885 veröffentlichte der Entertainer Ernest Hogan zwei der frühesten Notenblätter mit einem Rag, wobei von einem („All Coons Look Alike to Me“) später 1 Million Kopien verkauft wurden. Der mit Hogan befreundete Musiker Tom Fletcher bemerkte dazu, das er der erste war der diese Art von Rhythmus zu Papier brachte, welche von schwarzen gespielt wurde die keine Noten lesen konnten.

Während der Erfolg des Songs dabei half die Ragtime Rhythmen im Land bekannter zu machen, führten dessen rassischen Verunglimpfungen auch zu einer Zahl abschätziger Imitations-Melodien, die wegen ihrer extrem rassistischen und stereotypen Bilder der schwarzen auch als „Coon Songs“ bekannt sind. In späteren Jahren gestand Hogan für das Lied Scham und ein Gefühl des Verrats gegenüber seiner Rasse zu empfinden, äußerte aber auch einen gewissen Stolz dabei geholfen zu haben, den Ragtime einem größeren Publikum bekannt gemacht zu haben.


1897 – Der Ragtime wird "Erwachsen"

Das Aufkommen eines "erwachsenen" Ragtimes wird für gewöhnlich mit dem Jahr 1897 datiert, das Jahr in dem zahlreiche wichtige frühe Rags veröffentlicht wurden, wobei der Entwicklungsschwerpunkt der Musik in Missouri lag. Die erste veröffentlichten Ragtime-Kompositionen erschienen 1897; den Anfang machte der „Louisiana Rag“ von Theodore Northrup. 1897 erschien auch Ben Harney’s „Ragtime Instructor“, der von Theodore Northrup geschriebene Ragtime-Arrangements populärer Melodien umfasste.

Vor und während der Periode des klassischen Ragtime (eine vor allem durch Scott Joplin's Herausgeber John Stillwell Stark geschaffene Bezeichnung) existierte auch eine Tradition volkstümlichen Ragtimes, die sich in erster Linie in Bands mit Saiteninstrumenten sowie Banjo- und Mandolinen-Clubs (die sich vor allem während des frühen 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreuten) und ähnlichem äußerte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlangte der Ragtime in Nordamerika große Popularität und wurde von Menschen verschiedener Kulturen geschrieben, aufgeführt, gehört und auch zum Tanzen genutzt.


Der vom Ragtime Komponisten Scott Joplin 1899 veröffentlichte „Maple Leaf Rag“ wurde mit einer Auflage von 1/2 Million ein großer Hit und zeugte von mehr Tiefe und Raffinesse als der frühere Ragtime. Scott Joplin wurde durch die Veröffentlichung des „Maple Leaf Rag“ sowie einiger anderer Ragtime-Hits die folgten, wie bspw. „The Entertainer“, bekannt, geriet aber außer bei einer kleinen Gemeinschaft von Ragtime Liebhabern bis zu dem großen Ragtime-Ravival in den frühen 1970er Jahren in Vergeßenheit.

Für zumindest 12 Jahre nach seiner Veröffentlichung, beeinflusste der „Maple Leaf Rag“ mit seiner Melodie, der harmonischen Progression oder den metrischen Mustern die nachfolgenden Ragtime-Komponisten stark. Joplin hatte auch seit langem Ambitionen die Welten des Ragtime und der Oper miteinander zu verschmelzen und am Ende hatte er die Oper „Treemonisha“ geschrieben. Die Uraufführung, schlecht inszeniert und von Joplin am Klavier begleitet, war Desaströs und wurde während Joplin's Lebenszeit nie mehr vollständig aufgeführt.

Die Notenblätter blieben für Dekaden verschwunden, wurden erst 1970 wiederentdeckt und 1972 fand eine vollständig orchestrierte und inszenierte Aufführung statt. Die zu Ehren Theodore Roosevelts früher komponierte Oper „A Guest of Honor“ ging ebenso verloren wie sein Ballett „The Ragtime Dance“.


Tom Turpin war der erste bedeutende Ragtime-Pianist, sein bereits 1892 komponierter „Harlem Rag“ wurde 1897 veröffentlicht. Im Rahmen der Weltausstellung 1904 in St. Louis (Louisiana Purchase Exposition) veranstaltete Tom Turpin einen großen Ragtime-Wettbewerb, dem etliche Ragtimes gewidmet waren; unter anderem waren dass der „St. Louis Rag“ von Tom Turpin sowie der „St. Louis Tickle“ von Theron Catlen Bennet.

Fünf Jahre nach Erscheinen von Joplins „Maple Leaf Rag“ erreichte der Ragtime damit den ersten emotionalen Höhepunkt für seine Musiker. Ein Zentrum des Ragtime wurde Joplins Wohnort Sedalia, Missouri, wo seit 1885 auch sein Verleger John Stark ansässig war. Ein weiterer Mittelpunkt des Ragtime wurde Atlantic City. Der Ragtime erlebte seine Blütezeit bevor Plattenaufnahmen weitläufig verfügbar waren und wie klassische Musik (und im Gegensatz zum Jazz) hatte und hat der klassische Ragtime hauptsächlich eine geschriebene Tradition, wird also über Notenblätter statt Platten oder durch Imitationen von Liveauftritten weitergegeben.

Außerdem wurde Ragtime auch über Notenrollen für das elektrische Klavier (selbstspielende Klaviere wie Pianola oder Drehorgel) weitergegeben.


In der Zeitspanne von 1906 bis zum Ersten Weltkrieg war der Ragtime die populäre Musik der USA und erlangte anschließend auch in Europa Popularität. Die zu dieser Zeit weit verbreiteten sogenannten Ragtime-Songs (Schlager im Stil der Zeit), entsprachen nicht mehr streng der Form der Ragtimekomposition sondern enthielten nur noch Stilelemente des Rag. Reine Saxophon-Ensembles spielten den Ragtime auf neuartige Weise.


Das Ende der Ära des klassischen Ragtime


Die Ära des klassischen Ragtime endete im Jahre 1917 mit dem Tode Scott Joplins und wurde durch die Ära des Jazz abgelöst.

Bevor die Bezeichnung Jazz 1917 aufkam, wurde manchmal auch der frühe Jazz als „Ragtime“ bezeichnet. Neben Bluesstücken spielten die frühen Jazzbands auch Rags, die als Grundlage der Kollektivimprovisationen im Stil des New Orleans Jazz verwendet wurden. Beispielsweise waren Bandleader wie Papa Jack Laine oder John Robichaux dafür bekannt, zu einem Großteil Rags aus dem Red Back Book aufzuführen.


Als der klassische Ragtime an Popularität verlor, entwickelte sich ein Genre namens Novelty Piano (oder Novelty Ragtime), das vor allem während der 1920er Jahre beliebt war und sich durch überwiegend pianistisch verwegene Kompositionen auszeichnete. Als Nachfolger des Ragtime und Nebenerscheinung der Notenrollen-Musik der 1910er Jahre, kann das Novelty Piano als ein pianistischer Cousin des Jazz betrachtet werden, der etwa zur selben Zeit auftauchte.

Während traditioneller Ragtime noch stark von Amateur-Pianisten und dem Verkauf der Notenblätter abhing, nutzte der Novelty Rag die Vorteile der Fortschritte in der Notenrollen-Technik sowie der Plattenspieler welche es erlaubten, einen komplexeren und mehr am Auftritt orientierten Stil des Rag vorzuführen. Der bekannteste der Novelty Rag Komponisten war Zez Confrey, dessen Stück „Kitten on the Keys“ das Genre 1921 bekannt machte.


Mit der Broadway-Show „Shuffle Along“ feierten Eubie Blake zusammen mit Noble Sissle 1921 einen großen Erfolg; die vom Shuffle Along Orchestra gespielte Musik war durch den Ragtime geprägt, enthielt aber auch bereits Elemente des Jazz.

In den frühen 1920er Jahren übertraf der Jazz den Ragtime in seiner Popularität im Mainstream. Der Ragtime war neben dem Blues, einer der wichtigsten Einflüsse auf die frühe Entwicklung des Jazz. Einige Musiker, wie bspw. Jelly Roll Morton, spielten während der Periode in der sich die beiden Stile überschnitten, sowohl Ragtime als auch Jazz. Morton verarbeitete auch spanische Elemente in seinen Werken, was seiner Musik einen Habanera- oder Tango-Rhythmus verlieh.

Der in Baltimore, Atlantic City und New York aktive Eubie Blake, komponierte ab 1899 Rags und war ein wichtiges Vorbild für einige der ersten Jazz-Pianisten. Eubie Blakes Rags zeigen dass es sich bei den Werken um durchaus anspruchsvolle Klavierstücke handeltm was sowohl für die Rags von Afro-amerikanischen (wie Joplin und Blake) als auch Euro-amerikanischen Komponisten (wie dem jungen George Gershwin) gilt.


Der Ragtime bildete auch den Grundstein für das in den 1920er und 1930er Jahre populäre Stride-Piano, einem Solo-Klavierstil aus der Frühzeit des Jazz, der im Gegensatz zum Ragtime aber nicht komponiert sondern größtenteils improvisiert wird.

Elemente des Ragtime fanden außerdem Eingang in ein großen Teiil der populären Musik Amerikas des frühen 20. Jahrhunderts und außerdem spielte die Musik eine zentrale Rolle bei der Entwicklung eines Musikstils, der später als Piedmont Blues bekannt wurde; vieles der Musik die von Künstlern wie u.a. Reverend Gary Davis, "Blind" Boy Fuller, Elizabeth Cotten und Etta Baker gespielt wurde, kann durchaus als "Ragtime Gitarre" bezeichnet werden.

Obwohl die meisten Ragtimes für das Klavier komponiert wurden, sind auch Transkriptionen für andere Instrumente und Ensembles üblich, wie bspw. Gunther Schuller's Arrangements von Joplin's Rags. Ragtime für die Gitarre blieb bis in die 1930er Jahre populär, für gewöhnlich in Form von Songs die von begabten Gitarristen begleitet wurden. Zahlreiche Aufnahmen auf verschiedenen Labels entstanden, gespielt von Musikern wie u.a. "Blind" Blake, "Blind" Boy Fuller oder "Lemon" Jefferson. Gelegentlich wurde Ragtime auch für Ensembles geschrieben (insbesondere für Tanz- und Blasmusik-Bands), vergleichbar mit denen von James Reese Europe, oder Songs wie jene die von Irving Berlin geschrieben wurden.


Revivals


Als der Jazz begann das Publikum für sich zu gewinnen, verlor der Ragtime nach 1917 an Popularität; aber nachdem die Musik wiederentdeckt wurde, kam es zu zahlreichen Revivals.

Das erste in den frühen 1940er Jahren, als viele Jazz-Bands anfingen Ragtime in ihr Repertoire aufzunehmen und auf 78 rpm Platten zu veröffentlichten. Außerdem wurden alte Stücke die für das Klavier geschrieben waren, von Jazz-Musikern mit Jazz-Instrumenten neu interpretiert, was dem alten Stil einen neuen Sound verlieh. Die bekannteste Aufnahme dieser Periode war Pee Wee Hunt's im Mai 1948 auf Capitol Records veröffentlichte Version von Euday L. Bowman's „Twelfth Street Rag“ (von 1914), die in den Billboard Charts 1948 #1 erreichte und von der über drei Millionen Kopien verkauft wurden.


In den 1950er Jahren kam es zu einem größeren Revival, da damals eine größere Vielfalt an Ragtime-Stilen der Vergangenheit auf Platten zugänglich gemacht wurde und auch neue Rags komponiert, aufgenommen und veröffentlicht wurden. Viele der in dieser Periode aufgenommenen Ragtimes, zeigten als Folge einer mit Nostalgie betrachteten vermeintlich unschuldigeren Zeit, einen unbeschwerten Novelty-Stil.

Bedeutende Ragtime Komponisten aus der Mitte bis zum späten 20. Jahrhundert waren u.a. Max Morath, William Bolcom, Trebor Tichenor, David Thomas Roberts und Reginald Robinson.


Drei Ereignisse in den 1970er Jahren, bewirkten ein weitläufigeres Ragtime Revival.


  1. Erstens veröffentlichte der Pianist Joshua Rifkin 1971 eine Kompilation von Scott Joplin's Arbeit: „Scott Joplin: Piano Rags“.

    Das auf Nonesuch Records erschien und 1971 für einen Grammy Award in der Kategorie „Best Classical Performance – Instrumental Soloist(s) without Orchestra“ nominiert wurde. Diese Aufnahme machte Joplin's Musik wieder einem größeren Publikum bekannt, auf eine Weise wie es der Komponist ursprünglich beabsichtigte, nicht als nostalgischer Stereotyp sondern als ernsthafte und achtbare Musik.

  2. Zweitens veröffentlichte die New York Public Library eine 2-teilige Serie unter dem Titel „The Collected Works of Scott Joplin“, welche das Interesse an Scott Joplin unter Musikern erneuerte und außerdem eine Neuaufführung von Joplin's Oper „Treemonisha“ im Jahr 1972 bewirkte (das Werk wurde erst 1970 wiederentdeckt; siehe auch Abschnitt Geschichte / Scott Joplin).
  3. Das The New England Ragtime Ensemble (damals noch eine Gruppe von Studenten die sich als The New England Conservatory Ragtime Ensemble bezeichneten, gegründet vom Präsidenten des Konservatoriums Gunther Schuller) nahm 1973 Joplin's „The Red Back Book“ auf, eine Kompilation einiger Rags von Scott Joplin als Orchestrierung, herausgegeben von Gunther Schuller.

    Das Album gewann einen Grammy Award als beste Kammermusik-Aufführung des Jahres und wurde außerdem zum Billboard's Top Classical Album von 1974 ernannt. Der Film „Der Clou“ (Originaltitel: The Sting) mit dem Marvin Hamlisch Soundtrack von Melodien Joplin's, machte den Ragtime 1973 einem größeren Publikum bekannt. Die im Film verwendete Version (gespielt von Hamlisch) von Joplin's Rag „The Entertainer“ aus dem Jahr 1902, gewann einen Academy Award und erreichte am 18 Mai 1974 Platz 3 der American Top 40.


Einfluss auf Europäische Komponisten


Auch Europäische Komponisten der klassischen Musik wurden vom Ragtime beeinflusst.

Der erste Kontakt Europas zum Ragtime war vermutlich bei der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900, eine der Stationen der Europa-Tour von John Philip Sousa. Der erste bekannte Musiker der ernsthaftes Interesse am Ragtime zeigte war der böhmische Komponist Anton Dvoràk.

Der französische Komponist Claude Debussy ahmte den Ragtime in drei Stücken für das Klavier nach; das bekannteste davon ist „Golliwog's Cake Walk“ (aus der Klavier Suite Children's Corner von 1908). Später schuff er zweit weitere Stück in diesem Stil in Form von Präludien für das Klavier: „Minstrels“, (1910) und „General Lavine-excentric“ (aus seinen Präludien von 1913), das durch einen Clown des Medrano Zirkus inspiriert wurde.

Erik Satie, Arthur Honegger, Darius Milhaud und die anderen Mitglieder der The Group of Six in Paris, machten nie ein Geheimnis aus ihrer Sympathie für den Ragtime, was sich auch in manchen ihrer Werke bemerkbar macht; vor allem im Ballet des Satie, Parade (Ragtime du Paquebot, 1917) und „La Mort de Monsieur Mouche“, eine Overtüre für das Klavier in einem Drama in 3 Akten (komponiert Anfang 1900 in Erinnerung an J.P. Contamine de Latour).


1902 war der amerikanische Cakewalk in Paris sehr populär und Satie schrieb 1904 zwei Rags, „La Diva de l'empire“ und „Piccadilly“; abgesehen von den zwei Angelsächsischen Schauplätzen, erscheint die Musik amerikanisch inspiriert.

„La Diva de l'empire“ ist ein Marsch geschrieben für den Klaviersolisten Paulette Darty, der zunächst den Titel „Stand-Walk Marche“ trug und später mit „Intermezzo Americain“ betitelt wurde, als Rouarts-Lerolle das Stück 1919 neu auflegte. „Piccadilly“ war ebenfalls ein Marsch, der ursprünglich den Titel „The Transatlantique“ trug; das Stück präsentierte den Stereotyp eines reichen amerikanischen Erben, der auf einem Ozeandampfer von New York nach Europa reiste, um sein Vermögen für einen Adelstitel in Europa einzutauschen.

Ähnliche Einflüsse zeigen sich in den beiden Balletts „Le boeuf sur le toite“ und „Creation du Monde“ von Milhaud, die er nach einer Reise nach Harlem im Jahr 1922 schrieb. Auch der schweizer Komponist Honegger verfasste Stücke (bspw. „Pacific 231“, „Prélude et Blues“ und insbesondere „Concertino“ für Klavier und Orchester), in denen der Einfluss der afro-amerikanischen Musik deutlich spürbar ist.


Igor Stravinsky schrieb 1919 ein Werk für ein Klavier-Solo namens „Piano-Rag-Music“ und inkludierte in seinem Theaterstück „L'histoire du soldat“ von 1918 ebenfalls einen Rag.

Paul Hindemith komponierten neoklassizistisch verfremdete Rags.

Angeblich soll Maurice Ravel Jimmie Noone und seine Gruppe bei einem Auftritt in Chicago gesehen haben. Abgesehen von dieser ungenauen Anekdote, ist Ravel's Beteiligung am Jazz unbestreitbar, da dieser zahlreiche seiner wichtigen Arbeiten beeinflusste; so bspw. bei „fox-trot of L'enfant et les sortilèges“, dem „blues of the Sonata for violin and piano“, „Concerto in G“ und dem „Concerto for the left hand“, beide 1931 für das Kalvier komponiert.


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