Ragtime


Inhaltsverzeichnis

  1. Stile des Ragtime

  2. Liedform

  3. Spieltechnik
  4. Bekannte Ragtime-Komponisten und -Musiker


  1. Steckbrief
  2. Vorwort
  3. Etymologie
  4. Geschichte

Stile des Ragtime

Die Werke des Ragtime wurden im Laufe der Jahre seiner Popularität in verschiedenen Stilen gespielt, die mit unterschiedlichen beschreibenden Namen bezeichnet wurden. Die Musik hat einen Bezug zu zahlreichen früheren Musikstilen sowie enge Verbindungen zu späteren Musikstilen und war auch mit einigen Modeerscheinungen des Musicals dieser Periode, wie bspw. dem Foxtrot, assoziiert.

Viele der mit dem Ragtimee verbundenen Begriffe haben ungenaue Definitionen und werden von verschiedenen Experten zudem unterschiedlich definiert. Ein weiteres Durcheinander bei den Definitionen ergibt sich zudem aus der Tatsache, dass viele Herausgeber Musikstücke eher nach der aktuellen Modeerscheinung anstatt nach dem wirklichen Stil der Komposition benannt haben.

Es gibt sogar eine Meinungsverschiedenheit was den Begriff „Ragtime“ selbts angeht; Experten wie bspw. David Jasen und Trebor Tichenor schließen Ragtime Songs aus ihrer Definition aus, während sie die moderneren Ansätze des Novelty- und Stride-Piano einschließen. Edward A. Berlin wiederum schließt den Ragtime mit ein, schließt aber spätere Stile aus (was dem näher kommt, wie der Ragtime ursprünglich betrachtet wurde).


Die folgenden Begriffe sind keine exakte Definition, sondern lediglich ein Versuch das allgemeine Konzept etwas übersichtlicher darzustellen.


Cakewalk

Ein Vorläufer des Ragtime war der musikalisch nahe verwandte Gesellschaftstanz Cakewalk, welcher sich um 1840 in den Großgrundplantagen in Florida (USA) entwickelte und zu dieser Zeit noch als „Chalk Line Walk“ (Kreideliniengang), „Walk-around“ auch „Prize Walks“ bezeichnet wurde.

Der Originaltanz wurde 1876 im Rahmen eines Wettbewerbes vorgeführt und dem Siegerpaar ein großer Kuchen (Cake) als Preis überreicht. Zahlreiche frühe Rags sind Cakewalks.


Siehe auch: Cakewalk: Geschichte

Charakteristische Marschmusik

Der Ragtime entstand auch durch Anpassung der durch John Philip Sousa populär gewordenen Marschmusik, der gespielt von schwarzen Bands Polyrhythmen der afrikanischen Musik und Elemente wie die Synkopierung hinzugefügt wurden.

Classic Rag

Die Bezeichnung für den Ragtime im Missouri-Stil, der durch Scott Joplin, James Scott sowie andere populär wurde.

Coon Song

Eine pre-Ragtime Gesangsform, die bis etwa 1901 populär war. Die Songs hatten geschmacklose, rassistische Liedtexte, die von weißen Künstlern mit schwarz bemalten gesichtern gesungen wurden.

Mit der Zeit verschwand der Coon Song zugunsten des Ragtime Song. Die starke Assoziation mit dem Ragtime in dieser Zeit, ist einer der Gründe für den schlechten Ruf des Ragtime.

Folk Ragtime

Ein Begriff der oft dazu verwendet wird Ragtime zu beschreiben, der aus kleinen Städten stammt bzw. aus Folk-Stilen zusammengesetzt wurde oder zumindest so klingt als ob. Folk Rags haben häufig ungewöhnliche chromatische Eigenschaften, wie sie für Komponisten ohne Standard-Training typisch sind.

Fox-trot

Eine Tanzmode die 1913 ihren Anfang nahm. Fox-trots haben einen Rhythmus mit punktierten Noten, der sich vom Ragtime unterscheidet. Nichtsdestotrotz wurde der Fox-trot in vielen späten Rags verarbeitet.

Novelty Piano

oder

Novelty Ragtime

Das Novelty Piano entwickelte sich nach dem 1. Weltkrieg.

Es handelt sich um eine Form der Piano-Komposition, die Geschwindigkeit und Komplexität hervorhebt und fast ausschließlich die Domäne weißer Komponisten ist.

Ragtime Song

Die vokale Form des Ragtime. Obwohl es jene Musikform war die zu ihrer Zeit üblicherweise als Ragtime betrachtet wurde, wird sie heute meist in die Kategorie der populären Musik eingeordnet.

Irving Berlin war der kommerziell erfolgreichste Komponist von Ragtime Songs, sein „Alexander's Ragtime Band“ (1911) war das am häufigsten aufgenommene und aufgeführte Stück dieser Art, jedoch enthält es nahezu keine Ragtime Synkopierung. Ein bekannter Sänger des Stilss war Gene Greene.

Slow Drag

Ein weiterer Tanz der mit dem frühen Ragtime in Verbindung stand. Eine bescheidene Anzahl von Rags sind Slow Drags.

Stride Piano

Ein Piano-Stil der sich, wie auch das Novelty Piano, nach dem 1. Weltkrieg entwickelte, im Gegensatz zu diesem aber von schwarzen Pianisten (James P. Johnson, Fats Waller und Willie 'The Lion' Smith) der Ostküste dominiert wird.

Das Stride Piano kann wie auch das Novelty Piano als Nachfolger des Ragtime betrachtet werden, wird aber nicht von allen als authentischer Ragtime erachtet.

Johnson komponierte den Song, der vermutlich am häufigsten mit den schwunghaften 1920er Jahren in Verbindung gebracht wird: „Charleston“. Eine von Johnson gespielte Aufnahme des Songs taucht auf der CD „James P. Johnson: Harlem Stride Piano“ (Jazz Archives No. 111, EPM, Paris, 1997) auf; Johnson's aufgenommene Version zeigt einen Ragtime-Einfluss.

Two-Step

Ein pre-Ragtime Tanzform, die bis etwa 1911 populär war. Eine Vielzahl von Rags sind two-steps.

Liedform

Die formelle Gliederung des Rags folgte dem Aufbau des durch John Philip Sousa populär gewordenen Marsches, dem Polyrhythmen der afrikanischen Musik hinzugefügt wurden; einige Rags haben noch die Bezeichnung „March“ im Titel und der Abschnitt C wird manchmal als „Trio“ bezeichnet.

Die wichtigste Charakteristik des Ragtime ist sein synkopierter oder "abgerissener" (ragged) Rhythmus, bei der melodische Akzente zwischen den Zählzeiten des Metrums auftreten. Die freizügige Synkopierung in der Melodie verläuft dabei oft gegen einfache rhythmische Basslines, die für gewöhnlich im 2/4- oder 4/4-Takt geschrieben wurden. Der Ragtime ist kein "Zeit"-Metrum in dem Sinne, wie das Marsch-Metrum 2/4 ist und Waltzer 3/4; es ist vielmehr ein musikalisches Genre das einen Effekt nutzt, der auf jedes Metrum angewendet werden kann.

Ein nicht-Ragtime Stück in einen Ragtime umzuwandeln indem die Zeitwerte der Melodienoten verändert werden, wird als „ragging“ bezeichnet.


Die Synkopierung bewirkt eine Melodie, die einige begleitende Takte des Metrums zu vermeiden scheint, indem Noten betont werden die den Takt entweder erwarten lassen oder diesem folgen (die rhythmische Basis eines stetig gespielten Taktes und eine Melodie die den Takt verweigert). Der schlußendliche (und beabsichtigte) Effekt auf den Zuhörer, ist die Betonung des Beats damit dieser sich zur Musik bewegt.

Der Komponist und Pianist Scott Joplin, bekannt als der "King of Ragtime", nannte diesen Effekt „eigenartig und mitreißend“ („weird and intoxicating“). Er benutzte zur Erklärung wie man den Ragtime spielt auch den Begriff „Swing“: „Spiele langsam bis du den Swing triffst ...“ („Play slowly until you catch the swing“). Die Bezeichnung Swing wurde später für ein frühes Genre des Jazz verwendet, das sich aus dem Ragtime entwickelte.


Ursprüngliche Ragtime Werke beinhalteten für gewöhnlich mehrere eindeutige Themen (am häufigsten vier). Diese Themen waren typischerweise 16-taktige Abschnitte (sogenannte „Strains“), die oft nach den Schema AA-BB-A-CC-DD angeordnet waren (C und D meist in einer anderen Tonart, i.d.R. der Subdominante).

Zu Beginn steht oft eine kurze Einleitung und vor dem Abschnitt C manchmal eine kurze Überleitung. Dabei werden alle Abschnitte in der Regel zweimal gespielt, Ausnahme ist i.d.R. die Wiederholung des Abschnitts A nach dem Abschnitt B. Eine Coda (der ausklingende Teil des Musikstückes) ist eher selten anzutreffen.


Beispiele



Spieltechnik

Der Ragtime ist in erster Linie eine komponierte Musik, bei der die Improvisationen kein unbedingt notwendiges Element des spiels darstellt. Welchen Stellenwert das Improvisieren zunächst hatte, ist historisch nicht gesichert.

Zahlreiche der frühen Jazz-Pianisten waren zuvor Ragtime-Musiker und einige der ersten Jazz-Standards waren Rag-Kompositionen.


Charakteristisch für den „City-Ragtime(der nach dem 1. Weltkrieg aufgekommene Nachfolger des klassischen Ragtime) ist die Technik des Stride-Piano: Mit der linken Hand wird der Bass (meist in Oktavschlägen) auf den die Achtelschlägen 1 und 3 des für den Ragtime typischen 2/4 Taktes und die Akkorde auf den 2. und 4. Achtelschlag gespielt.

Die Synkopierung entsteht durch das Spiel der rechten Hand, welche die in Sechzehntel- und Achtelnoten notierte Melodie zeitlich verschoben zum stetig gespielten Takt der linken Hand wiedergibt. Oft wird vermutet das die Bezeichnung Ragtime eben von diesem "abgerissenem" (ragged) / synkopierten Rhythmus der rechten Hand herrührt.


Einigen Komponisten ist es bei einzelnen ihrer Ragtimes gelungen, die Afro-amerikanischen Ursprünge der Synkopierung im Ragtime hörbar zu machen. Oft ähnelt der Rhythmus dem des Habanera (einem synkopischen Tanz afro-kubanischen Ursprungs im 2/4-Takt; siehe auch: Latin Jazz), der sich möglicherweise aus der afrikanischen Musik der Vorfahren entwickelte (in Lateinamerika war das Trommeln für schwarze nicht verboten) und in den USA auf andere Instrumente übertragen wurde. Ein im 3/4-Takt geschriebener Rag ist wird als „Ragtime Waltz(Ragtime Walzer) bezeichnet.

Ein weiteres Charakteristikum neben der Synkopierung ist der Satz verwandter Themen, welche innerhalb eines Stücks durch Modulationen miteinander verbunden werden. Andere wichtige Elemente des Ragtime sind chromatische Durchgänge, Verschränkung von Dur und Moll, Schleifer (slurs) mit Blue Notes sowie enge Tonhäufungen (cluster).


Bekannte Ragtime-Komponisten und -Musiker

Der bei weitestem berühmteste Ragtime Komponist war Scott Joplin (1867/1868 - 1817) - sein bekanntester Rag „The Entertainer“ wurde durch den Film „Der Clou“ (1973) erneut populär; neben ihm zählen Joseph Francis Lamb (1887 - 1960), James Sylvester Scott (1886 - 1938) und Tom Turpin (Thomas Million John Turpin. 1871 - 1922) zu den Hauptvertretern des klassischen auskomponierten Ragtime.

Jelly "Roll" Morton (Ferdinand Joseph LaMothe, 1890-1941) aus New Orleans, der von sich behauptete im Jahre 1902 den Jazz erfunden zu haben, spielte bereits weniger notengebunden und damit mehr im Stil des Jazz. Seine Jazzkompositionen sind entweder ausgewiesene Rags (bspw. der „Perfect Rag“) oder stehen dem Ragtime sehr nahe.

Andere führende Ragtime Komponisten waren u.a.


Der klassische Pianist William Bolcom und der Jazzpianist Marcus Roberts sind bekannte moderne Interpreten des Ragtime.

Der Pianist Reginald R. Robinson widmet sich auf seinen Aufnahmen ausschließlich dem Ragtime. Als besonders authentischer Interpret gilt John Arpin.

Das amerikanische Paragon Ragtime Orchestra, unter der Leitung von Rick Benjamin, beschäftigt sich intensiv mit dem Ragtime.


Siehe auch: List of ragtime composers (englische Wikipedia) | Ragtime-Pianisten (deutsche Wikipedia)


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