Vorratsschädlinge

Inhaltsverzeichnis

  1. Getreidekapuziner
    (Rhyzopertha dominica, Synonym Rhizopertha dominica)

  2. Getreideplattkäfer
    (Oryzaephilus surinamensis)


  1. Vorratsschädlinge
    Beschreibung und Grundlegende Gegenmaßnahmen

Seite 2

Seite 1: Brotkäfer (Stegobium paniceum) | Dörrobstmotte (Plodia interpunctella)
Seite 3: Kornkäfer (Sitophilus granarius; syn.: Calandra granaria Fabricius) | Kräuterdieb (Ptinus fur)
Seite 4: Gemeine Küchenschabe (Blatta orientalis; Kakerlake, Bäckerschabe oder Orientalische Schabe) | Hausmaus (Mus musculus)
Seite 5: Mehlkäfer / Mehlwurm (Tenebrio molitor) | Mehlmotte (Ephestia kuehniella) | Mehlzünsler (Pyralis farinalis)
Seite 6: Wühlmaus (Arvicolinae) | Ratten (Rattus) | Gemeine Speckkäfer (Dermestes lardarius)


Siehe auch: Nützlinge


Getreidekapuziner

(Rhyzopertha dominica, Synonym Rhizopertha dominica)
Getreidekapuziner, Rhyzopertha dominica


Ein Käfer aus der Familie der Bohrkäfer (Bostrichidae), der in Getreidespeichern und Mühlen große Schäden verursachen kann.

Die Bezeichnung Getreidekapuziner bezieht sich einerseits auf den Halsschild, welcher den Kopf kapuzenartig überdeckt und andererseits auf die Tatsache, das die Käfer oft Getreide fressen (adulte Tiere als auch die Larven).



Aussehen

Getreidekapuziner werden 2-3 mm lang und sind auf der Oberseite meist kastanienbraun bis dunkelbraun aber auch ganz dunkel bis schwarz gefärbt, die Unterseite Bauchseite und die Beine sind hellbraun. Der Kopf verbirgt sich unter einem gewölbten Halsschild, welcher so breit wie der Körper ist.

Die nur schwach behaarten, am hinteren Ende gerundeten Deckflügel (beim Großen Kornbohrer - Prostephanus truncatus – sind die Enden an den Flügeldecken abgestutzt und nahezu rechteckig geformt), sind mit Längsreihen eingesenkter grober Punkte versehen, welche nach hinten feiner werden.

Wie auch beim Großen Kornbohrer sind die letzten drei Glieder der zehngliedrigen Antennen des Getreidekapuziners keulenförmig und deutlich größer als die restlichen.


Entwicklung

Unter optimalen Bedingungen (Temperaturen über 30 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit von 70°) dauert der Entwicklungszyklus des Getreidekapuziners nur rund 25 Tage - der Getreidekapuziner kann aber auch bei rund 20 °C und zumindest 30° Luftfeuchtigkeit überleben und sich auch dann fortpflanzen (bei Temperaturen um die 25° beträgt der Entwicklungszyklus rund zwei Monate, wobei die Feuchtigkeit des Getreides dauerhaft nicht unter 9° fallen darf).

Die länglichen, durchscheinend weißen Eier (ältere Eier sind leicht rosa und die Eihülle besteht aus zwei Schichten) werden von den Weibchen einzeln oder in Gruppen (von bis zu 20 Stück) zwischen die Getreidekörner abgelegt. Bei optimalen Bedingungen während ihrer fruchtbaren Phase von rund sechs Monaten, kann ein Weibchen rund 500 Eier legen.

Die weiß bis cremefarbenen Larven schlüpfen nach 6 bis 14 Tagen und bohren sich in der Regel gleich in die Getreidekörner (schaffen das aber nur an Stellen an denen das Korn verletzt ist). Spätestens im dritten Stadium als Larve haben sich fast alle Exemplare in die Körner gebohrt, wo sie sich hauptsächlich von den Eiweißstoffen ernähren - die Stärke die als Mehl durch die Löcher in der Schale nach außen transportiert wird, dient jenen Larven als Nahrung die sich nicht in ein Korn gebohrt haben (ihre Entwicklung wird durch diese Lebensweise jedoch beträchtlich verlangsamt).

Die Tiere werden mit jeder Häutung träger, die (bei einer Temperatur von 28 °C 5 - 6 Tage bzw. bei 25 °C 8 Tage dauernde) Verpuppung, erfolgt nach dem 4 Larvenstadium innerhalb des nun ausgehöhlten Getreidekorns. Nachdem der Käfer die Puppenhülle verlassen hat kann er noch einige Tage im Schutz des Getreidekorns verbringen bis sein Chitinpanzer vollständig ausgehärtet ist - wenige Tage danach beginnt bereits der nächste Generationszyklus.


Nahrungsaufnahme und Lebensweise

Zur Aufspaltung pflanzlicher Nahrung dienen den Käfern Endosymbionten, welche in zwei Mycetomen hausen die beiderseits des Darmtrakts der Käfer liegen. Die Anlagen für die Mycetome werden bereits embryonal gebildet und die Mikroorganismen werden über die Ovarien schon im Eistadium auf die Nachkommen übertragen.

Getreidekapuziner können weite Wanderungsflüge unternehmen (in 1–2 Tagen schaffen sie eine Distanz von ca. 1 km) und sind daher nicht alleine auf die Vorratshaltung des Menschen angewiesen. Diese Flüge passieren in gemäßigten Breiten vor allem im Herbst und führen nicht in die Nähe von Feldern oder Vorratsslagern, sondern in die Wälder wo die Käfer überwintern (wie auch Verwandte Tiere aus der Familie der Bohrkäfer).

Das Ausschwärmen der Käfer aus den Wäldern in die Vorratslager im folgenden Frühjahr, macht die Bekämpfung der Getreidekäfer schwierig.


Verbreitung

Ursprünglich stammt der Getreidekapuziner aus Südostasien - die besten Bedingungen für seine rasche Vermehrung hat er im tropischen und subtropischen Klima (wo sich eine Population in einem Monat um das Zwanzigfache vergrößern kann und demensprechend hohe Schäden an gelagertem Getreide - besonders an ungeschältem Reis - anrichtet).

Über Nahrungsmitteltransporte verbreitete sich der Käfer weltweit, wodurch er heute als Neozoon in den wärmeren Gebieten Asiens, in Australien, Europa (auch weiten Teilen Nordeuropas), Afrika und Süd- und Nordamerika (bis ins südliche Kanada) vorkommt. In die USA gelangte der Getreidekapuziner (dort als „Lesser Grain Borer“ bezeichnet) im Laufe des Ersten Weltkrieges durch Getreidelieferungen aus Australien.


[zum Index]


Schadwirkung

Neben diversen Getreidesorten (bspw. Reis, Mais und Weizen), nutzt der Getreidekapuziner auch andere Nahrungsquellen wie z.B. Hülsenfrüchte, Kakaobohnen, verschiedene Nüsse, Sonnenblumenkerne und auch getrockneten Fisch. Neben den Fraßschäden, werden die Lebensmittel auch durch die Ausscheidungen der Larven und Käfer verunreinigt, welche Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen bewirken.

Mit Hilfe seiner starken Mundwerkzeuge kann der Käfer auch Verpackungen aus Papier, Pappe oder Kunststofffolie überwinden.


Bekämpfung

Siehe auch: Vorbeugende Maßnahmen | Lagererzwespe (Lariophagus distinguendus)


[zum Index]


Getreideplattkäfer

(Oryzaephilus surinamensis)


Getreideplattkäfer, Oryzaephilus surinamensis
Der 2,5 - 3,5 mm lange Getreideplattkäfer ist ein Käfer aus der Familie der Raubplattkäfer (Silvanidae).

Getreideplattkäfer sind typische Kulturfolger und weltweit verbreitet. Sie befallen Vorräte (besonders Getreide, Mehl und Nüsse), kommen aber auch in Kompost, faulendem Heu, unter Rinde und ähnlichen Lebensräumen vor.


Aussehen

Der Käfer ist braun gefärbt, hat eine fein anliegende helle Behaarung und einen breiten Kopf mit vorstehenden Facettenaugen. An den Seiten des Halsschilds befinden sich je sechs Zähnchen, die Halsschildscheibe weist drei Längsrippen auf. Die Deckflügel mit den erhabenen Längsrippen (zwischen denen Punktreihen verlaufen) sind etwas breiter als der Halsschild. Im Gegensatz zu den Weibchen, haben die Männchen einen Zahn auf den Schenkeln (Femora) der Hinterbeine.


Siehe auch: Vorbeugende Maßnahmen


[zum Index]