Vorratsschädlinge

Inhaltsverzeichnis

  1. Kornkäfer
    (Sitophilus granarius; syn.: Calandra granaria Fabricius)

  2. Kräuterdieb
    (Ptinus fur)


  1. Vorratsschädlinge
    Beschreibung und Grundlegende Gegenmaßnahmen

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Siehe auch: Nützlinge


Kornkäfer

(Sitophilus granarius; syn.: Calandra granaria Fabricius)


Kornkäfer, Sitophilus granarius
Ein Käfer aus der Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae), der wie auch die Vorgänger der heutigen Getreidearten, ursprünglich vermutlich aus Vorderasien stammt.

Kornkäfer sind die in Europa am weitesten verbreiteten Getreideschädlinge und wurden schon in der frühen Jungsteinzeit (Bandkeramische Kultur) nachgewiesen.



Aussehen

Die Käfer sind 2,7 - 3,7 (5,1) mm lang und haben einen langgestreckten, parallelrandigen, leicht abgeflachten Körper. Nach der Metamorphose sind sie hell- bis rotbraun gefärbt, im laufe der Zeit werden sie dunkel- bis schwarzbraun. Der Kopf geht in einen Rüssel über, an dessen Ende sich die Mundwerkzeuge befinden (der Rüssel der Männchen ist kürzer und dicker als jener der Weibchen).

Die beiden sechsgliedrigen Fühler entspringen der Basis des Rüssels, die länglichen Komplexaugen sind hinter den Fühlern angeordnet. Der große Halsschild weist zahlreiche punktförmige Vertiefungen auf, die Deckflügel (mit einem abwechselnden Muster aus Längsreihen von Punkten und Leisten) sind etwa gleich lang wie der Halsschild und bedecken den Hinterleib vollständig. Aufgrund der rückgebildeten Hinterflügel sind die Käfer flugunfähig.


Entwicklung

Die Entwicklung vom Ei zum fertigen Insekt erfolgt innerhalb des Getreidekorns und nachdem die Käfer die Körner verlassen haben (und die Umgebungstemperatur mindestens 13 °C beträgt) erfolgt auch schon die Paarung. Etwa 5 Tage nach der Paarung (bei einer Temperatur von 25 °C), beginnen die Weibchen die Eier in ein ins Getreidekorn gebohrtes Loch abzulegen - die Öffnung verschließen sie mit einem Sekret, welches an der Luft schnell zu einem weißlichen Pfropf trocknet (der mit einer Lupe leicht zu erkennen ist).

Die 0,5-0,6 mm langen und 0,25-0,3 mm dicken Eier sind leicht oval, anfangs farblos und später milchig trüb.

Durchschnittlich legt ein Weibchen etwa 100-200 Stück, wobei in jedes Getreidekorn üblicherweise nur ein Ei kommt (bei zuwenig Getreide manchmal auch zwei). Die Größe der schlüpfbereiten Käfer ist dabei abhängig von der Größe der Getreidekörner, dem Nahrungsgehalt der Getreidesorte sowie von Umgebungstemperatur und der Luftfeuchtigkeit.

Die Larven mit braunem Kopf weißem Körper schlüpfen (ebenfalls bei 25 °C) nach etwa 4 Tagen und besitzen zu diesem Zeitpunkt noch keine Beine. 3 Brust- und 10 Hinterleibssegmente sind anhand ausgeprägter Furchen über den Körper zu erkennen. Bei einer Temperatur von 25 °C setzt nach 27 Tagen die Verpuppung ein, die Puppenruhe dauert etwa 8 Tage und die fertigen Käfer verweilen zunächst noch in ihren Getreidekörnern.

Anschließend bohren sie ein Loch mit dem Durchmesser ihres Körpers und verlassen das Korn. Bei Temperaturen um die 29 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 75 °, beträgt die Lebensdauer der Käfer etwa 5 Monate.


Endosymbiose

Die Kornkäfer bilden eine Symbiose mit fadenförmigen Bakterien, welche in den Zellen eines eigenen Organs (Myzetom) der Larven existieren – das Organ befindet sich ventral am Übergang von Vorder- und Mitteldarm. Bei adulten Käfern die für etwa 17 Tage einer Temperatur von 35 °C ausgesetzt sind, sterben diese Bakterien ab. Zwar entwickeln sich die Eier dieser symbiontenfreien Käfer bis zu fertigen Käfern normal, deren Nachkommen aber sterben im frühen Larvenstadium ab, da der von den Symbionten produzierte Vorrat lebenswichtiger Substanzen (welche in den Getreidekörnern nicht oder nicht ausreichend vorhanden sind) erschöpft ist.

Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei den Substanzen um Vitamine, die bislang aber noch nicht identifiziert wurden.


Verbreitung

Kornkäfer haben sich durch den Handel mit Getreide von ihrem ursprünglichen Habitat (vermutlich im vorderen Orient) über die gesamte gemäßigte Zone der Erde verbreitet.

Der Kornkäfer verträgt tropisches und subtropisches Klima nur schlecht, weshalb er in diesen Teilen der Erde keine wirtschaftliche Bedeutung hat, ist aber andernorts ein gefürchteter Schädling in Getreidespeichern, wo er in riesigen Mengen auftreten kann. In Europa kommen die Käfer bspw. häufig auf den Britischen Inseln vor, finden sich aber auch bis in den Süden Norwegens, Finnlands und auch noch in Zentralschweden.


Schadwirkung

Kornkäfer befallen diverse Getreidesorten (Buchweizen, Gerste, Hafer, Mais, Malz, Milo, Reis, Roggen, Weizen), wobei die Käfer Roggen, geschälte Eicheln sowie Teigwaren bevorzugen.

Bei einem starken Befall können Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufgrund der Aktivität der Käfer soweit ansteigen, das es zu Folgeschäden durch Milben und Schimmelpilze kommt.

Siehe auch: Vorbeugende Maßnahmen | Lagererzwespe (Lariophagus distinguendus)


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Kräuterdieb

(Ptinus fur)

Ein Käfer aus der Unterfamilie der Diebskäfer (Ptininae) in der Familie der Nagekäfer (Ptinidae).


Kräuterdieb, Ptinus fur

Aussehen

Die Käfer werden etwa 3 mm lang und zeigen Sexualdimorphismus (d.h. deutliche Unterschiede im Erscheinungsbild, Verhalten oder in der Physiologie zwischen männlichen und weiblichen Individuen einer Art, welche sich nicht auf die Geschlechtsorgane beziehen) – beiden geschlechtern gleich sind die langen, fadenförmigen Fühler und die langen Beine.

Die Männchen sind hellbraun gefärbt und von gestreckter Gestalt, Kopf und Thorax setzen sich deutlich vom Abdomen (Hinterleib) ab. Die gewölbten Augen sind breiter als die Stirn (Frons), auf der Mitte des Halsschildes ist eine eine glatte Längsschwiele sichtbar, welche auf beiden Seiten von hellen und nach hinten gerichteten Härchen umrandet wird.

Auf dem Vorder- und Hinterbereich der Flügeldecken finden sich gruppiert weiße Schuppen und helle, nach hinten gerichtete Härchen.

Die Weibchen zeigen eine gedrungene Gestalt, die Flügeldecken sind dunkler als der Halsschild und es finden sich ebenfalls Grüppchen heller Schuppen auf ihnen. Der in der Mitte vertiefte Halsschilde wird von dichten Reihen heller Härchen eingefasst, die sich an der rinnenförmigen Einschnürung vor der Halsschildbasis berühren.


Verbreitung

Die nachtaktiven Kräuterdiebe zählen zu den Kulturfolgern und kommen in jenen Gebieten der Paläarktis (*) und Nearktis (*) vor, in denen ein gemäßigtes Klima vorherrscht. In freier Wildbahn bewohnen die Käfer alte Bäume und Vogelnester bzw. Nester von Hautflüglern (Hymenoptera) und ernähern sich von getrockneten pflanzlichen und tierischen Substanzen.


(*) Paläarktis bezeichnet die Landmassen von Europa, Nordafrika (bis zum Südrand der Sahara) und Asien (südlich bis zum Himalaja, aber ohne den Indischen Subkontinent und die Arabische Halbinsel). Die Nearktis umfasst die Landmassen Nordamerikas, Grönlands und des Hochlands von Mexiko (Südmexiko, Süd-Florida, Zentralamerika, die karibischen Inseln und Südamerika gehören zur Neotropis).


Schadwirkung

Kräuterdiebe ernähern sich von getrockneten pflanzlichen und tierischen Substanzen und befallen bspw. auch Kräutervorräte. Die von den adulten Tieren verursachten Schäden sind in der Regel aber meist gering, jedoch bewirken die Larven bei einem Massenauftreten (vor allem in Getreidelagern) manchmal große Schäden.

Siehe auch: Vorbeugende Maßnahmen


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