Vorratsschädlinge

Inhaltsverzeichnis

  1. Ratten
    (Rattus)

  2. Gemeiner Speckkäfer
    (Dermestes lardarius)

  3. Wühlmaus
    (Arvicolinae)


  1. Vorratsschädlinge
    Beschreibung und Grundlegende Gegenmaßnahmen


Seite 6

Seite 1: Brotkäfer (Stegobium paniceum) | Dörrobstmotte (Plodia interpunctella)
Seite 2: Getreidekapuziner (Rhyzopertha dominica, Synonym Rhizopertha dominica) | Getreideplattkäfer (Oryzaephilus surinamensis)
Seite 3: Kornkäfer (Sitophilus granarius; syn.: Calandra granaria Fabricius) | Kräuterdieb (Ptinus fur)
Seite 4: Gemeine Küchenschabe (Blatta orientalis; Kakerlake, Bäckerschabe oder Orientalische Schabe) | Hausmaus (Mus musculus)
Seite 5: Mehlkäfer / Mehlwurm (Tenebrio molitor) | Mehlmotte (Ephestia kuehniella) | Mehlzünsler (Pyralis farinalis)


Siehe auch: Nützlinge


Ratten

(Rattus)

Wanderratte, Rattus norvegicus
Sind eine Nagetiergattung aus der Gruppe der Altweltmäuse (Murinae). Die Gattung umfasst etwa 65 Arten, die meisten davon sind in Südostasien, Neuguinea und Australien verbreitet.

Die Arten der Ratten die dauernd bzw. zeitweilig in der Nähe des Menschen leben sind die: Hausratte (R. rattus), Wanderratte (R. norvegicus; siehe Abbildung links), Pazifische Ratte (R. exulans), Reisfeldratte (R. argentiventer), Himalajaratte (R. nitidus) und Rattus pyctoris.


Aussehen

Die einzelnen Arten der vielgestaltigen Gruppe der Ratten unterscheiden sich beträchtlich. Sie haben eine spitze Schnauze mit 16 Zähnen (wurzellos und dauerwachsend wie bei allen Nagetieren) und erreichen eine Länge von 8-30 cm (vom Kopf zum Rumpf), die Schwanzlänge ist variabel (je nach Art kann der Schwanz deutlich kürzer bzw. länger als der Rumpf sein).


Mit 200 bis 400 g (einzelne Tiere bis zu 500 g), ist die Wanderratte (siehe Abbildung) eine der schwersten Arten, viele Arten sind deutlich leichter (Polynesische Ratten bspw. haben ein Durchschnittsgewicht von 38 Gramm).

Das Fell kann weich oder auch hart sein, bei einigen Arten sind die Haare zu Stacheln gebildet. Pfoten und Schwanz mit Schuppenringen, sind meist nur spärlich bzw. gar nicht behaart. Die Färbung an der Oberseite reicht von schwarz über diverse Grau- und Brauntöne bis hin zu gelblich und rötlich, die Unterseite ist es meist weißlich oder hellgrau.


Entwicklung

Günstigen klimatische vorausgesetzt, können sich Ratten das ganze Jahr über fortpflanzen, obwohl es abhängig von der Region (Klima) auch feste Paarungszeiten gibt. Bei einer Fortpflanzung über das ganze Jahr hinweg sind bis zu zwölf Würfe möglich, bei anderen Arten dagegen nur einer bis drei.

Die Tragzeit bei der Hausratte beträgt rund 21-22 Tage, bei anderen Arten ca. 19-30 Tage. Ein Wurf umfasst durchschnittlich 8-9 Junge (bei den meisten Arten jedoch deutlich weniger), bei Wanderratten können es bis zu 22 sein.


Lebensweise

Ratten leben zum überwiegenden Teil in Wäldern (von tief gelegenen Regenwäldern bis zu Gebirgswäldern) und die meisten Arten meiden die Nähe des Menschen. Einige Arten jedoch, haben sich als Kulturfolger an die Nähe des Menschen angepasst und treten daher sowohl in Häusern als auch auf Reisfeldern und anderen landwirtschaftlich genutzten Flächen auf.

Viele Arten der Ratten können gut klettern und errichten Unterschlupfe (Nester) in den Bäumen, andere wiederum hausen in Erdbauen, Felsspalten oder in hohlen Baumstämmen.


Über die Lebensweise der meisten Arten der Ratten ist kaum etwas bekannt. Die genauer erforschten kulturfolgenden Arten leben in Gruppen aus einem oder mehreren Männchen und mehreren Weibchen (beide Geschlechter etablieren eine Rangordnung) mit insgesmt bis zu 60 Tieren, die sich untereinander am Geruch erkennen. Ratten sind territoriale Tiere die ihre Reviere gegen Eindringlinge verteidigen.


Ratten sind Allesfresser von denen die meisten Arten zwar Früchte, Körner, Nüsse und Samen bevorzugen, aber manchmal auch Insekten und andere Kleintiere verspeisen. Einige Arten wie beispielsweise Wanderratten, verzehren vorwiegend fleischliche Kost (kleine Säugetiere, andere Wirbeltiere, Fische, Vögel und deren Eier). Arten in der Nähe des Menschen suchen ihre Nahrung meist auf Feldern, in Vorratslagern oder im Abfall. Außerdem verzehren Haus- und Wanderratten manchmal auch Bienenwachs, Papier, Seife und Stoffe wie Pelze.


Verbreitung

Als Kulturfolger des Menschen haben insbesondere die Wanderratten (von der wilden Wanderratte stammt die domestizierte Farbratte ab) und die Hausratte eine weltweite Verbreitung erreicht. Ursprünglich umfasste das Verbreitungsgebiet der Ratten Südostasien - von Indien, China über die indonesischen Inseln bis nach Neuguinea und Australien.

Nach Mitteleuropa gelangten die Hausratten vermutlich auf Schiffen im Laufe der römischen Besiedlung - die Wanderratte erreichte Mitteleuropa vermutlich erst im 18. Jahrhundert, wo sie die Hausratte im 20. Jahrhundert weitgehend verdrängte. Auf abgelegenen Inseln welche die Ratten durch den Menschen erreicht haben, stellen sie oft eine Bedrohung für die einheimische Tierwelt dar. Vor allem die Wanderratten, welche Eier und Jungvögel sowie kleine Wirbeltiere fressen - sie sind dadurch oft für den drastischen Rückgang oder gar das Aussterben von Arten verantwortlich.

Als Laborratten in Tierversuch wird häufig eine spezielle Züchtung der Wanderratten eingesetzt, die sogennate Farbratte, welche manchmal auch als Haustier gehalten wird.


Schadwirkung

Freilebende Ratten sind kaum spezialisiert und dadurch sehr anpassungsfähig. Neben der Verbreitung diverser Krankheitserreger (bspw. Hantaviren, Leptospiren, Salmonellen, Streptobacillus moniliformis und diverse Borrelienarten = Bakterien) durch freilebende Ratten, gelten sie gemeinhin als Nahrungsmittelschädlinge die enorme Schäden in der Landwirtschaft verursachen aber auch in Gartenanlagen auftreten, wo sie vor allem Wurzeln und Knollen abnagen.

Gegenmaßnahmen

Freilebende Ratten werden meist mit dafür speziell entwickelten Giftstoffen (Rodentizide) bekämpft, insbesondere Cumarinderivate, welche die Blutgerinnung behindern. Gifte die zum sofortigen Tod der Tiere führen, würden andere Ratten abschrecken.



Siehe auch: Wühlmaus (Arvicolinae) | Hausmaus (Mus musculus)


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Gemeiner Speckkäfer

(Dermestes lardarius)


Gemeiner Speckkäfer, Dermestes lardarius
Der Gemeine Speckkäfer ist ein Käfer aus der Familie der Speckkäfer (Dermestidae). Die Insekten die zu den Kulturfolgern gehören, sind auf der ganzen Welt verbreitet und können in den Niederungen bis auch in hohe Lagen angetroffen werden, welche noch von Menschen bewohnt werden. Dort bewohnen sie fast ausschließlich menschliche Siedlungen, vor allem Wirtschaftsgebäude wie Lagerhäuser.

In der Natur können sie in Vogelnestern, Bienenstöcken und im Mulm (Lockersediment aus organischem Material) von Laubbäumen gefunden werden.


Aussehen

Der Gemeine Speckkäfer wird 7 - 9,5 mm lang und hat einen länglich ovalen, komplett beschuppten Körper. Kopf, Halsschild sowie die hintere Hälfte der Deckflügel sind schwarz, gefärbt mit kleinen unregelmäßigen hellen Flecken, die vordere Hälfte der Deckflügel ist weißlich bis beige gefärbt. Mittig auf jeder Flügelhälfte sitzen drei dunkle bis rötliche Punkte, die kurzen Fühler sind rot gefärbt und verdicken sich am Ende zur Form einer Keule.

Entwicklung

Die Larven mit schlankem Körper werden ca. doppelt so lang wie die Imagines (das aus den Jugendstadien hervorgegangene geschlechtsreife Insekt) und tragen zahlreiche lange Borsten. Sie häuten sich fünf mal bevor sie sich verpuppen (meist im Holz), die Überwinterung erfolgt als Larve.

Schadwirkung

Käfer sowie Larven ernähren sich von verschiedenen organischen Stoffen wie bspw. von Textilien, tierischen Überresten, Vorräten, Wolle usw.

Für die Schäden in Behausungen sind in erster Linie die Larven verantwortlich, die auch in zoologischen Sammlungen Schäden verursachen können. Abgesehen davon, werden die Käfer zur Präparation (Abnagen) von Tierskeletten genutzt.

Siehe auch: Vorbeugende Maßnahmen


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Wühlmaus

(Arvicolinae)

Die Wühlmäuse sind eine der 150 Arten umfassenden Unterfamilie der über 700 Arten umfassenden Wühler (Cricetidae) - zu den bekanntesten Arten zählen Bisamratte, Feldmaus, Rötelmaus (zu sehen in der Abbildung unten), Schermaus und die Lemminge.

Rötelmaus in freier Wildbahn

Aussehen

Wühlmäuse sind, je nach Gattung, zwischen 7-23 cm lang und wiegen etwa 80–200 g (aber auch bis zu 2600 g wie die Bisamratte). Der Kopf ist stumpf und die Ohren aufgrund der wühlenden Lebensweise meist klein (manchmal fast vollständig im Pelz versteckt).

An den Vorderfüßen haben Wühlmäuse je nach Art 4 oder 5 Zehen, an den Hinterfüßen immer 5. Der kurze bis mittellange Schwanz ist nur wenig behaart und die Ringelung daher gut zu sehen. Die unterschiedlichen Farben des Fells reichen von braungrau über rotbraun bis hin zu schwarz.


Lebensweise

Wühlmäuse sind tag- und nachtaktiv und sie sind in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet. Ihr bevorzugter Lebensraum sind leichte bis mittelschwere Böden (besonders Lössböden), in denen sie leicht ihr Gangsystem anlegen können. Manche Wühlmausgattungen leben auch auf Wiesen oder sogar auf Bäumen (Tannenmäuse).

Die bei der Wühltätigkeit aufgeworfenen, länglich flachen Erdhaufen, unterscheiden sich von Maulwufshügeln durch die weniger runde Form und die geringere Erdmenge.


Schadwirkung

Wühlmäuse können schwere Schäden an Kartoffeln, Obstbäumen, Stauden, Wurzelgemüsen und anderen Nutzpflanzen verursachen.

Gegenmaßnahmen

Das Bekämpfen von Wühlmäusen geschieht i.d.R. durch Begasungsmittel, Giftköder oder Mausefallen. Vor Anwendung solch drastischer Mittel und aus Respekt vor demLeben an sich, ist die folgende Methode jedenfalls einen Versuch wert: Kaffeesatz wirkt als Repellent (Vergrämungsmittel) gegen Wühlmäuse - den Kaffeesatz dazu in die Wühllöcher einstreuen.


Siehe auch: Hausmaus (Mus musculus) | Ratten (Rattus)


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