Echte Wespen

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung

  2. Nestarten und -bau
  3. Gründung eines Wespenstaates

  4. Umgang mit Wespen und Gegenmaßnahmen



Einleitung


Kopf der Deutschen Wespe (Vespula germanica) im Stereomikroskop


Echte Wespen (Vespinae) sind eine Unterfamilie der Faltenwespen (Vespidae) mit weltweit 61 Arten.

In Mitteleuropa existieren elf Arten der Echten Wespen, darunter u.a. die beiden Wespenarten Deutsche Wespe (Vespula germanica) und Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) sowie die Hornisse (Vespa crabro). Die Echte Wespe bildet Staaten oder lebt sozialparasitisch (die sogenannten Kuckuckswespen).

Kopf der Gemeinen Wespe Die Hornissen sindmit einer Körperlängen von etwa 20 mm (Arbeiterinnen) die größten Echten Wespen.


Die Gemeine Wespe kann von der sehr ähnlichen Deutschen Wespe anhand ihrer Zeichnung auf der Stirnplatte (Clypeus) unterschieden werden. Die Deutsche Wespe zeigt 1 bis 3, linienförmig angeordnete schwarze Punkte bzw. einen geraden und kleinen, häufig leicht unterbrochenen schwarzen Strich, während sich auf der Stirnplatte der Gemeinen Wespe ein breiter schwarzer Strich befindet, welcher sich nach unten hin verdickt.

Die gelb-schwarze Hinterleibszeichnung ist sehr unterschiedlich ausgeprägt und lässt daher keine sichere Artbestimmung zu.


Verbreitung

Die relativ artenarme Gruppe der Echten Wespen, kam ursprünglich nur in Europa, Asien und Nordamerika vor. Zuerst die Deutsche Wespe und später auch die Gemeine Wespe, wurden in den frühen 1980er Jahren unbeabsichtigt in Neuseeland eingeschleppt. Weil natürliche Feinde fehlen und zumindest in einigen Regionen ein für sie ganzjährig vorteilhaftes mildes Klima herrscht (im tropischen milden Klima auf der Nordinsel, überlebt ein ganzer Wespenstaat den Winter), haben sich die beiden Wespenarten rasant vermehrt. Jedoch hat die Gemeine Wespe die Deutsche Wespe fast nahezu vollständig verdrängt und bildet in Neuseeland Kolonien von über 100.000 Tieren. Da die Gemeine Wespe auf auffallend aggressive Weise alle anderen Insekten angreift, ist sie zu einer erheblichen Gefahr für das ökologische Gleichgewicht geworden.

Die Gattungen Vespula und Dolichovespula sind in ihrem Lebensraum auf die gemäßigte Zone und die Subtropen beschränkt. Die Gattung Vespa ist ebenfalls in der gemäßigten Zone verbreitet, ist mit einer Reihe von Arten aber bis nach Südostasien vorgedrungen.

Die 3 nachtaktiven, einheitlich gelb-braun gefärbten Arten der Gattung Provespa sind ganz auf die Tropen Südostasiens beschränkt.


Morphologie einer sterilen Wespen-Arbeiterin

Aussehen

Alle Wespenarten weisen die typische schwarz-gelbe Warnfärbung auf, bei einigen Arten (wie bspw. die Hornisse) kommen Rot- oder Rotbrauntöne hinzu.


Die Echte Wespe ist in ihrem Körperbau den übrigen Faltenwespen ähnlich, ist im Durchschnitt aber größer als diese.

Das wichtige Unterscheidungsmerkmal der Echten Wespe zu den Feldwespen und Solitären Faltenwespen, ist ihr Hinterleib welcher direkt hinter der „Wespentaille“ eine breite Basis hat (annähernd so breit wie die Maximalbreite des Hinterleibs).


Morphologie einer sterilen Wespen-Arbeiterin (siehe Abbildung)
A: Kopf | B: Rumpf (Thorax) | C: Hinterende (Abdomen)

1: Schläfe | 2: Scheitel – Vertex | 3: Punktaugen – Ocellen | 4: Komplexauge | 5: Kopfschild – Clypaeus | 6: Antenne | 7: Wange | 8: Oberkiefer – Mandibel | 9: Vorderbein | 10: Hüfte – Coxa | 11: Oberschenkel – Femur | 12: Schienbein – Tibia | 13: Sporn | 14: Fuß – Tarsus | 15: Klauengleid – Tarsalklaue | 16: Hinterbein | 17: 5. Sternit | 18: Stachel | 19: 3. Tergit | 20: Hinterflügel | 21: Vorderflügel


Nahrung

Ausgewachsene Echte Wespen verzehren überwiegend Nektar, Pflanzensäfte, Pollen, Steinfrüchte, tierische Bestandteile und Insekten. Die Larven werden mit diversem Fleisch von toten bzw. erbeuteten Tieren gefüttert.
Stachel der Deutschen Wespe im Rasterelektronenmikroskop, Vergrößerung 130×

Verhaltensweise


Der Stachel der Wespen hat anders als jener der Bienen keinen Widerhaken, wodurch die Insekten beliebig oft zustechen können um ihr Gift zu injizieren.

Ihren Stachel setzen die Wespen ein um eine mögliche Beute zu überwältigung und zu Lähmen oder um Feinde abzuwehren - der Stichreflex ist auch bei zerteilten oder gerade verendeten Tieren noch vorhanden.

Durch den Stich werden Pheromone freigesetzt die weitere Tiere anlocken und zum Stich animieren.


Siehe auch: Umgang mit Wespen und Gegenmaßnahmen


Natürliche Feinde

Zeichnung eines Wespenbussards


Gartenkreuzspinne mit Wespe Der in Europa verbreitete Wespenbussard (linke Abbildung) ist ein natürlicher Feind der Echten Wespen. Er öffnet das Nest mit den Füßen und bricht die Waben heraus, um die Larven und Puppen an seine Jungen zu Verfüttern. Sein sehr dichtes und steifes Gefieder schützt ihn dabei vor Stichen.


Andere natürliche Feinde der Echten Wespen sind unter anderem der Neuntöter, Hornissen, Libellen, die Gartenkreuzspinne (rechte Abbildung) sowie Schlupfwespen (welche Eier in die Larvenkammern der Wespen legen - die Larven töten dann als Parasitoide die Wespenlarve).


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Nestarten und -bau

Beim Nestbau kann je nach Art in „Dunkelhöhlennister“ (wie bspw. die Rote Wespe, Deutsche Wespe und Gemeine Wespe) oder in solche die ihre Nester an einem Stielchen frei hängend (bspw. an Bäumen, Hecken oder auf Dachböden) aufhängen, unterschieden werden. Auch die Nester der Dunkelhöhlennister werden gelegentlich in größeren Hohlräumen wie Dachböden frei aufgehängt, jedoch sitzt das Nest immer breit mit einer oder mehreren Seiten an der Unterlage an. Diese beiden Gruppen sind am Nestbau leicht voneinander zu unterscheiden.

Wespennest der Gemeinen Wespe
So besitzen die Nester der Dunkelhöhlennister eine Außenhülle mit halbkreisförmigen und isolierenden Lufttaschen, die bei Aufsicht ein Schuppenmuster zeigt (siehe Abbildung). Die anderen Arten bauen in die Nesthülle röhrenförmige Lufttaschen, wodurch diese wie quergestreift wirkt.

Außerdem können die Nester anhand des verwendeten Baumaterials unterschieden werden: Alle Echten Wespen bauen Papiernester aus Holzfasern, die Hornisse und die Gemeine Wespe verwenden dazu morsches und verfallenes Holz von verrottenden Baumstämmen und Ästen - ihr Nest ist dadurch hell-beigefarben.

Alle anderen Arten nutzen zum Bau nur oberflächlich verwittertes Holz (d.h. bspw. Totholz an Bäumen sowie von Weidepfählen oder Holzzäunen) und ihre Nester sind von grauer Farbe.


Das Ausgangsmaterial für die papierartige Masse des Nests ist morsches und trockenes Holz, welches zu Kügelchen zerkaut wird. Zu Beginn wird das Nest allein von der Königin betreut und es gibt 5 bis 10 Zellen in meist leicht abgerundeter Wabenform. In diesem Stadium sind sie den Nestern der Feldwespen sehr ähnlich, unterscheiden sich aber durch den von Anfang an mit angelegten Ansatz der Nesthülle der noch nicht geschlossen wird.

Bei Hornissen sind die Nester nach unten hin geöffnet, bei den übrigen Wespenarten ist die Hülle bis auf ein Einflugloch geschlossen.

Das Nest besteht später aus mehreren übereinander angeordneten Etagen von Waben, die immer nach unten geöffnet und waagrecht ausgerichtet sind und einer mehrschichtigen Außenhülle, welche die Waben verhüllt und isolierend wirkt. Wird das Nest vergrößert bauen die Insekten die Hülle ab um neue Waben anzufügen und schließen sie anschließend sofort wieder.

Abhängig von der Größe des Volkes sind die Nester im Endausbau unterschiedlich groß. In Mitteleuropa erreichen nur die beiden Arten Deutsche Wespe und Gemeine Wespe Staaten von bis zu 7.000 Tieren, die anderen sechs staatenbildenden Arten erreichen meist nur einige hundert Mitglieder.


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Gründung eines Wespenstaates

Echte Wespen bilden immer einen Staat in einjährigen Nestern, einzelne Arten sind aber auch zu einer sozialparasitischen Lebensweise übergegangen.

Eine junge gallische Feldwespenkönigin (Polistes dominula) gründet eine neue Kolonie
Der Staat wird von einer jungen Königin gegründet, welche im Frühjahr in die ersten Zellen des von ihr gebauten Nests jeweils ein Ei legt. Kurz vor der Eiablage werden die Eier mit Spermien (ein Vorrat den sie aus dem letzten Herbst mit sich trägt) aus einer Samentasche befruchtet. Die sich entwickelnden Larven werden von der Königin mit einem Brei aus zerkauten Insekten gefüttert. Im Anschluß an die Fütterung geben die Larven einen zuckerhaltigen Tropfen ab, welcher der Ernährung der Königin dient. Es ist für die Larven die einzige Möglichkeit Flüssigkeit abzugeben bevor sie kurz vor der Verpuppung Kot abgeben (so wird eine Nestverschmutzung mit faulenden Ausscheidungen vermieden).

Eine junge gallische Feldwespenkönigin (Polistes dominula) gründet eine neue Kolonie Die Pheromone welche die Königin verströmt, bewirkt das sich aus den Larven nur unfruchtbare Arbeiterinnen entwickeln und keine neuen befruchtungsfähigen Weibchen. Mit Ausnahme des Eierlegens übernehmen anschließend die zuerst geschlüpften Arbeiterinnen alle weiteren Arbeiten und die Königin fliegt immer seltener aus, bis sie nur noch Eier legt aber das Nest nicht mehr verlässt.


Siehe auch: Wikipedia - Eine junge gallische Feldwespenkönigin (Polistes dominula) gründet einen neuen Staat


Organisation

Die Organisation eines Wespenstaates erfolgt arbeitsteilig: Die einzelnen Insekten sind entweder mit dem Ausbau des Nests, der Säuberung der Zellen, der Fütterung der Larven (wie auch bei den Bienen, ist die Brutpflege sehr intensiv), der Versorgung der Königin oder der Beschaffung von Nahrungs beschäftigt.

Durch die verminderte Abgabe von Pheromonen der Königin und die bessere Versorgung der Larven, entwickeln sich im Spätsommer oder Herbst fruchtbare Weibchen, die nächsten Generation der Königinnen, welche auch sofort Eier legen. Aus den unbefruchteten Eiern entwickeln sich die befruchtungsfähigen Drohnen (Männchen), die wie bei den Bienen nach erfolgter Paarung sterben. Um Inzucht zu vermeiden, verlassen einige der Männchen das Nest und suchen nach fruchtbaren Weibchen anderer Völkern.

Nachdem die alte Königin im Herbst stirbt, löst sich der von ihr gegründete Wespenstaat auf und mit dem ersten Kälteeinbruch sterben auch die letzten nun heimatlos gewordenen Arbeiterinnen des alten Staates. Nur die befruchteten Jungköniginnen suchen ein geschütztes Versteck auf (wie bspw. morsches Holz, Hohlräume, Rinden oder Moos), um in dem in dem geeignetem Mikroklima den Winter schlafend (Winterstarre; als Diapause bezeichnet) zu überstehen. Im daruf folgenden Frühjahr beginnt die Jungkönigin mit dem Nestbau an geeigneter Stelle und gründet einen neuen Staat - ein altes Nest aus dem Vorjahr wird nie wieder besiedelt.


Kuckuckswespen

Es existieren drei Sozialparasiten unter den einheimischen Arten, die sogenannten Kuckuckswespen. Die Weibchen dieser Arten suchen die Nester einer verwandten Art auf, dringen in den Bau ein und töten die Königin um deren Stelle einzunehmen. Beeinflusst durch Pheromone, werden die Arbeiterinnen dazu gebracht die Nachkommen der Kuckuckswespe aufzuziehen, bis das Volk am Ende des Sommers nur noch aus Weibchen und Männchen der Kuckuckswespenart besteht (Arbeiterinnen gibt es dabei keine). Die Kuckuckswespenarten sind so gut angepasst, das sie optisch nur schwer von ihren Wirten unterschieden werden können (es gibt nur geringe Abweichungen der bei der Stirnschildzeichnung).


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Umgang mit Wespen und Gegenmaßnahmen

Für den schlechten Ruf den Wespen allgemein haben, sind ausschließlich die Deutsche und die Gemeine Wespe verantwortlich. Beiden Arten bilden mit mehreren tausend Arbeiterinnen die größten Völker und sind auch die einzigen, welche Menschen gegenüber aufdringlich werden und über menschliche Nahrung herfallen.

Das geschieht insbesondere dann wenn sich die Nester im Spätsommer auflösen und die noch lebenden Arbeiterinnen einzeln auf Nahrungssuche gehen.


Nest

Siehe auch: Nestarten und -bau


Wespennest Dachboden

Treten Wespen in großer Zahl auf, wurde in der Umgebung vermutlich ein Nest gegründet.

Bewohnte Nester sollten nur von Experten umgesetzt werden (von Beginn der Nestbauphase im April bis Mitte August, da die Nester später zu groß sind), da bei einigen Menschen das Gift zu einer allergischen Reaktion führt und vor allem auch weil durch einen Stich Pheromone freigesetzt werden, die weitere Tiere anlocken und zum Stich animieren.

Ein Nest das aufgrund seiner Größe nicht mehr umgesiedelt werden kann, kann im Herbst entfernt werden wenn das Wespenvolk untergegangen ist oder das Volk wird abgesaugt und das Nest dann entfernt.

Zur Umsiedelung werden die kleinen Nester abgeschnitten und in einen Papiersack gegeben, welcher in eine Bienenkiste kommt. Das Nest wird dann zu einem mindestens 3 Kilometer entfernten Ort gebracht und an einem passenden Platz mit dem Papiersack befestigt.


Vorbeugen

Kommen einem Wespen nahe, nicht hektisch mit den Arme herumfuchteln - so werden die Insekten nur unnötig gereizt da sie sich angegriffen fühlen und stechen zu. Das gilt besonders auch beim Autofahren! In so einem Fall die Geschwindigkeit verringern und Fenster aufmachen. Sollte das nichts nützen, kurz anhalten und alle Türen aufmachen.



Vertreiben und Fallen


Wespenstich

Siehe auch: Mückenstiche



Sollten die Hautreaktionen nach einem Insektenstich heftiger werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden.


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