Aufbau eines Schuhs

Inhaltsverzeichnis

  1. Aufbau eines Herrenchuhs

  2. Der Absatz


  1. Schuhe Inhaltsverzeichnis

Aufbau eines (Herren)Schuhs

Siehe auch: Schuhfertigung | Maß- und Konfektionsschuhe | Schuhmodelle


Je nach seiner jeweiligen Machart kann ein klassischer Herrenschuh aus bis zu 30 Einzelteilen bestehen und sein Aufbau hat sich seit dem 19. Jahrhundert kaum verändert. Der Begriff Schuhaufbau ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen, denn alle Bestandteile vom Laufabsatz (Oberfleck) bis zur Vorderkappe, werden Schritt für Schritt um den Leisten herum aufgebaut.


In seiner Basis besteht der Schuh aus zwei Hauptkomponenten:

  1. Dem oberen Teil der als Schaft bezeichnet wird
  2. und dem unteren Teil, auch Schuhboden genannt
Schaft und Boden werden beim Schuhbau durch eine der Macharten miteinander verbunden werden (beim klassischen Herrenschuh die genähte Machart). Durch hochwertige Materialien, Verstärkungen und eine Vielzahl von kleinen Details, wird der klassische Herrenschuh zu einem qualitativ hochwertigen Produkt, das idealerweise wie aus einem Guß geformt scheint.


Die richtigen Etikette des tragens von Schuhen ist auch eine Stilfrage, die richtige Pflege des Leders aber eine Voraussetzung um den Schuh auch über viele Jahre hinweg zu erhalten – der Schuh dankt es einem durch seine (hoffentlich) optimale Passform, welche die Fußgesundheit erhält und fördert.


Die vielen Schuhmodelle unterscheiden sich zwar optisch stark voneinander, in ihrem prinzipiellen Aufbau sind sie sich alle aber sehr ähnlich. Nur sehr wenige Modelle (wie bspw. Mokassins) weichen grundsätzlich davon ab.

Als Beispiel zur Erklärung wie ein Schuh grundsätzlich aufgebaut ist, eignet sich am besten ein zeitgenössischer Herrenhalbschuh aus Leder - dieser Schuhtyp hat sowohl funktional als auch seine Konstruktion (Machart) betreffend, alle schuhrelevanten Merkmale. Andere Modelle sind entweder gleich aufgebaut oder basieren in vereinfachter Weise darauf.


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Schaft

Der Schaft besteht häufig aus mehreren, miteinander verklebten oder vernähten Schichten und Einzelteilen:

  1. Innenschaft (Futter)
  2. Zwischenschaft (Zwischenfutter)
  3. Außenschaft (Oberleder)
    Dieser kann verschiedene Besatzteile haben, wie zum Beispiel eine rund um den Fersenbereich aufgesetzte Hinterkappe (um den Fuß zu stabilisieren und zu führen). Der Außenschaft gliedert sich außerdem in verschiedene Bereiche: Vorne das Vorderblatt mit der Lasche (Zunge) und im hinteren Teil die seitlichen Quartiere.


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Boden

Die Schuhsohle (Fachbegriffe: Laufsohle oder Außensohle), ist die Lauffläche des Schuhs, also der untere Teil des Schuhbodens (dem Bereich des Schuhs, der sich zum Schuhschaft unterhalb des Fußes abgrenzt). Der Boden des Schuhs besteht modellabhängig aus zumindeste einer Sohle (bspw. Mokassins) bzw. kann, wie bei einem typischen Lederhalbschuh, aus mehreren Lagen/Schichten (Sohlen) bestehen.

Vom Fuß in Richtung Untergrund kann der Aufbau wie folgt sein:

  1. Deck(brand)sohle / Teildeck(brand)sohle – ist auf den hinteren Teil der Innensohle nur aufgeklebt
  2. Innensohle (Brandsohle)
    Die zum Fuß hin weisende Schicht des Schuhbodens , an der bei den meisten Macharten (unter Machart versteht man bei Schuhen die Verbindung von Schuhschaft/Oberteil und Schuhboden/Sohle) Schuhoberteil und Schuhboden (Zwischen-, Laufsohle und Absatz) befestigt sind und damit als das Fundament des Schuhs gilt. Die Innensohle verleiht dem Schuh nicht nur Passformerhalt und Stabilität, sondern ist auch für die Haltbarkeit und den Tragekomfort sehr wichtig.
  3. Zwischensohle – ggf. auch mehrere Schichten (Zwischensohlen)
  4. Laufsohle (Außensohle)
    Eine nicht aus Leder gefertigte Laufsohle hat in der Regel ein mehr oder weniger tiefes Profil. Die im Fersenbereich häufige Erhöhung des Schuhbodens ist der Absatz – ist dieser nicht vorhanden spricht man von einem Nullboden.

    Weitere Informationen zur Sohle bei Wikipedia


Eine Einlegesohle ist eine aus Gründen des Tragekomforts oder aus orthopädischen Gründen zusätzlich in den Schuh gelegte lose Innensohle. Einlegesohlen dienen bspw. dazu Fußschweiß aufzunehmen, gegen eine Auskühlung zu isolieren, zur Dämpfung, einem Größenausgleich usw. Medizinisch kann eine Einlage (Fußbettung) der Gesundung des Fußes oder der Schmerzlinderung dienen (orthopädische Einlage).


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Grafische Darstellung des Aufbaus eines Herrenschuhs

Siehe auch: Imagemap des Schuhaufbaus (einzelne Begriffe sind verlinkt) | Schuhgloassar (Begriffserlärungen)


Detaillierter Aufbau eines Herrenschuhs(rahmengenäht)

Quelle: http://www.shoepassion.de | Wikimedia Commons


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Der Absatz

Siehe auch: Schuhboden | Geschichte der Schuhe


"Ich weiß nicht, wer die hohen Absätze erfunden hat, aber alle Frauen verdanken ihm eine Menge." - Marilyn Monroe


Verschiedene Absatzformen

Ursprung

Die Herkunft des Absatzes ist nach wie vor ungeklärt. So besagt einer der Theorien dass Absätze das Reiten mit Steigbügeln vereinfachten, weil man sich damit einhängen konnte. Eine andere Theorie wiederum besagt, das sich der Absatz entwickelte um das Schuhwerk vor dem Schmutz der Straßen zu schützen (in den Städten des Mittelalters gab es keine Kanalisation).

Aus dieser Not heraus entstanden im 13. Jahrhundert erste Schuharten mit hohen Absätzen, die sogenannten „Trippen“ (Unterschuhe aus Holz die unter den richtigen Schuhen getragen wurden) bzw. im 17. Jahrhundert die „Patten“, das Äquivalent zu den Trippen allerdings aus Metall gefertigt - diese Unterschuhe ähneln im Aussehen den japanischen Geta-Schuhen. Die hohen Sohlen wurden, um Gewicht einzusparen, entweder aus Kork gefertigt oder in Höhe der Fußsohlenmitte wurde Material ausgespart (wie auch bei den Sohlen von Geta-Schuhen).


Die Chopine (ein kunstvoll gearbeitete Sockelschuh), ein historischer Damenschuh mit hoher Plateausohle, ist in Spanien seit 1438 nachgewiesen – die Schuhe hießen dort „los chapines“ (singular: el chapín von arab. chippin – Korkeiche). Die aus Kork bestehende Sohle war rund 10 cm hoch und überzogen mit sehr weichem Ziegenleder (span. cordobán). Die Chopinen waren einige Zeit so gefragt, das die Korkvorräte des Landes nicht ausreichten die Nachfrage zu decken.

Von Spanien ausgehend verbreiteten sich die Schuhe im 15. Jahrhundert vor allem nach England, Frankreich und Italien (dort als „Zoccoli“ bezeichnet). Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erreichte der Trend auch die Damenschuhmode von Venedig und gelangte dort mit den bis zu zwischen 25 und 74 cm hohen Sohlen zu einem extravaganten Höhepunkt - die Trägerin benötigte eine Dienerin oder Stöcke zum Abstützen um mit diesen Modellen überhaupt noch gehen zu können!

Der hinten offene Schaft bestand meist aus Brokat (einem schweren, atlasbindigen und gemusterten Stoff aus Seide oder Rayon/Viskosefilamentgarn, dem Gold- oder Silberfäden eingewoben wurden). Auch die hohen Sohlen waren auf den sichtbaren Außenseiten mit Brokatstoff überzogen. Die Schuhe wurden von Patrizierdamen und erfolgreichen Kurtisanen getragen und dienten einerseits dazu dem Schmutz zu entgehen und andererseits auch als Statussymbol. Die Chopinen waren vor allem in Spanien und Italien fast 200 Jahre in Mode.


Im 17. Jahrhundert setzten sich Schuhe mit Absätzen dann in Europa durch, Männer wirkten damit größer und kriegerischer und den Frauen verhalf der Absatz durch die veränderte Körperhaltung und Beckenstellung, zu einer Betonung des Dekolletees und einem erotischeren Gang. Zwischendurch wurden die Absätze zwar flacher, lediglich die Höhe variiert – damals waren die höheren Absätze meist den Herren vorbehalten, heutzutage zum Glück – aus optischen Gründen - den Damen.

Bis zur Französischen Revolution (von 1789 bis 1799), welche die Absätze kurzfristig wieder abschaffte, waren diese vor allem ein Zeichen von Wohlstand und Adel. Unter anderem auch weil Absätze mit dem Besitz eines Reitpferdes verknüpft waren, da das Reiten in Steigbügeln mit absatzbewehrten Stiefeln besser funktionierte. Auch wurden die damals häufig aus kostbaren Stoffen gefertigten Schuhschäfte der Reicheren, durch die Erhöhung eines Absatzes besser geschützt.

Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert kam der Absatz langsam wieder in Mode und höhere Absätze von mehr als 3 cm waren zunächst nicht an das Geschlecht gebunden. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden höhere Absatz fast ausschließlich mit Damenschuhen assoziiert. Eine der Ausnahmen bilden die Westernstiefel mit etwa 4–5 cm hohen Kubaabsätzen, welche in den 1970er Jahren eine Modeerscheinung waren.


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Aufbau und Bezeichnungen

Seitenflächen und die Rückfläche des Absatzes werden als Absatzmantel bezeichnet, die vordere Fläche als Absatzbrust bzw. -front. Der Bereich des Absatzes welcher den Boden berührt, wird als Absatzoberfleck bzw. Absatzlauffleck bezeichnet (dieser ist für Reparaturen austauschbar). Zur Erhöhung der Abriebfestigkeit eines großflächigeren Oberflecks (bspw. bei Trotteurabsätzen üblicher Herrenhalbschuhe) aus Leder, ist dieser aus zwei Teilflecken aufgebaut von denen der hintere i.d.R. aus besonders abriebfestem und gleichzeitig auftrittsdämpfendem (Gummi-)Material besteht.

Abhängig von der Mode haben Absätze verschiedene Höhen, Größen und Formen und werden aus unterschiedlichsten Materialien gefertigt, bspw aus Gummi, Holz, Kork, Leder, Metall, PVC, Stroh, usw. Absätze werden sowohl wegen der Gewichtsersparnis als auch der Einsparung von Materialkosten sowie für eine bessere Dämpfung, meist hohl bzw. nur durch ein Versteifungsskelett stabilisiert hergestellt. Der Absatz wird normalerweise mit Nägeln oder Schrauben von der Innenseite des Schuhs unterhalb der Sohle befestigt. Einige Absätze (bspw. der Langkeilabsatz), sind ein optisch integrierter Bestandteil der Schuhsohle und daher nicht als eigener Körper erkennbar.

Aufzählung einiger Absatzmodelle: Ballerinaabsatz, Blockabsatz, Diaboloabsatz, Keilabsatz, Kubaabsatz (bspw. bei Westernstiefeln), Louis-XV-Absatz, Shimmyabsatz (bspw. bei Herren-Tanzschuhen), Stilettoabsatz, Trichterabsatz, Trotteurabsatz, ...


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Funktion

Die grundlegenden Funktionen eines Absatzes sind die Erleichterung der Abrollbewegung beim Gehen und die Entlastung des Fußlängsgewölbes. Bei den höheren Absätzen der Frauenschuhe auch die erotisierende Veränderung der Körperhaltung durch die Betonung der Brust und des Gesäßes bzw. auch des Ganges. Durch die Erhöhung des Schuhschafts im Bereich des Auftrittspunktes, wird außerdem der Schaft besser geschützt und bleibt so sauberer.

Je kleiner die Absatzauftrittsfläche und je weiter sie von der Längsachse des Fersenmittelpunkts entfernt ist, umso unsicherer wird das Stehen bzw. Gehen in den Schuhen und die Gefahr des Umknickens im Sprunggelenk erhöht sich. Folgen können Verstauchungen, Bänder- und Sehnenrisse sowie Knochenbrüche sein.


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Höhe des Absatzes

Bereits bei der Modellgestaltung eines Schuhs, muss die Höhe des Absatzes eingeplant werden – sie wird durch die sogenannte Fersen- oder Absatzsprengung (die rückwärtige Kurve der Fersenkappe (Fersenkappe) einschließlich des Absatzes) des Leistens vorgegeben und kann daher im Nachhinein nur minimal verändert werden, ohne die Gesamtkonstruktion und den „Stand“ des Schuhs (Absatzstand) negativ zu beeinflussen. Neben der Absatzsprengung hat der Leisten außerdem auch eine Spitzensprengung (auch Spitzenhub), das ist der Abstand der Schuhspitze zum Erdboden (wenn der Schuh auf einer ebenen Fläche steht).

Die Absatzhöhe kann entweder an der Rückseite (die sogenannte Konstruktionshöhe) oder seitlich in der Mitte (mittlere Höhe) gemessen werden. Übliche Absatzhöhen bei Herrenschuhen betragen zwischen 2,5 - 3 cm, während die meisten Damenschuhe eine Absatzhöhe zwischen etwa 3 - 8 cm haben. Absätze die 6 cm oder höher sind, gelten per definitionem als hohe Absätze. Als extrem gelten Absätze mit Höhen von 14 cm und mehr (wie bspw. Ballettstiefel oder Skyscraper) – denn solche beeinflussen in der Regel nicht nur die Gang- und Standsicherheit negativ, sondern verursachen auch eine hohe Belastung des Fußes. Daher dient solches Schuwerk in erster Linie nicht alls Alltagsschuh sondern beflügelt als Fetischobjekt verschiedene, oft sexuell motivierte Fantasien.

Ist überhaupt kein Absatz vorhanden, spricht man von einem Nullboden.


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Absatzstand

Der „Absatzstand“ oder kurz „Stand“, wird durch Höhe und Ausrichtung des Absatzes definiert. Der „Stand“ beeinflußt den Auftritt des Fußes und die Gangbewegung und ist daher ein wichtiger Faktor für die Fußgesundheit. Für einen solchen guten Stand ist es vor allem wichtig, das bei der Ausarbeitung des Leistens (und damit der Schuhform) die Statik beachtet wird.

Ein gesunder Fuß steht (Barfuß) mit drei Hauptbelastungspunkten auf dem Boden: mit der Ferse und dem Groß- und Kleinzehenballen. Bei einem Schuh mit gutem Stand verhält es sich ebenso, d.h. die Laufsohle berührt mit der gesamten Absatzauftrittsfläche und dem Schuhvorderteil in Höhe der Ballenlinie (Achse durch Groß- und Kleinzehenballen) den Boden.

Bei einem für den jeweiligen Schuh zu niedrigen oder zu hohen Absatz (was in der Praxis oft vorkommt), verschiebt sich auch die Ballenlinie des Schuhs. Ist der Absatz zu niedrig verschiebt sich die Ballenlinie in Richtung der Ferse, ist der Absatz zu hoch, verschiebt sich die Ballenlinie zur Schuhspitze. Daraus resultiert eine falsche Belastung des Fußes, welche auf Dauer zu einer Überbelastung und zu diversen gesundheitlichen Schäden führen kann. Anzeichen dafür zeigen sich auch am Schuh – aufgrund der Überlastung durch die falsche Statik entstehen oft unnatürlich tiefe Gehfalten und der Schuh verschleißt vorzeitig.


Der richtige Absatzstand lässt sich erkenen, indem der unbelastete (leere) Schuh auf einer ebenen Fläche stehend seitlich betrachtet wird:

Der Absatzoberfleck sollte flächig und der Schuh sollte im Ballenbereich aufliegen, wobei ein geringer Hochstand der vorderen Absatzkante normal ist, da diese durch die Gewichtsbelastung beim Gehen ausgeglichen wird. Zudem sollte (bei statisch richtigem Stand) bei leichtem Druck von innen auf den Fersenbereich, der Vorderschuh seine Position nicht verändern – hebt sich jedoch der Schuhvorderteil bei Druck auf die Fersenpartie nach oben, hat der Schuh einen schlechten Stand.


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