Die Geschichte der Schuhe

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Geschichte des Schuhs

  2. Gesellschaftliche Bedeutung von Schuhen

  1. Schuhe Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte des Schuhs

Einen „Urschuh“ gab es nie: In kalten Regionen wickelte man sich wahrscheinlich Tierfelle um die Füße und Waden und andere Völker wiederum legten sich die Felle als sogenannten Fußsack nur um die Füße – daraus entstand später der Mokassin. In wärmeren Regionen nutzte man unter die Füße gebundene Palmblättern für Sohlen als Schutz gegen den heißen Boden (quasi der Vorläufer der Sandale).



Steinzeit

(in Mitteleuropa bis etwa um 2200 v. Chr.)

Die Neandertaler Europas und Westasiens wickelten sich während der letzten Eiszeit vermutlich zunächst Tierfelle um Füße und Waden.

Wann genau die ersten Schuhe zugeschnitten und verschnürt wurden, kann nur anhand entsprechender Werkzeuge vermutet werden: So stellt der Fund eines Knochenpfriems (ca. 120.000 Jahre alt) die potenziell älteste Ahle (ein einfaches Werkzeug mit dem Löcher in ein Material gestochen oder vorhandene Löcher geweitet werden können) eines Schuhmachers aus der Neandertalerzeit dar. Während der Spätphase der Neandertaler (vor 40.000 bis 30.000 Jahren) treten Funde dieser Knochenpfrieme vermehrt auf.

Vergleichende anatomische Untersuchungen altsteinzeitlicher Fuß- und Beinskelette, lassen darauf schließen dass der moderne Mensch (Homo sapiens) möglicherweise bereits bei seinem ersten Auftreten im nördlichen Eurasien Schuhe benutzte - ein Fuß im Schuh ist einer anderen Belastung als barfuß ausgesetzt und zeigt dadurch Unterschiede in der Knochenentwicklung der Zehen. Die ältesten Hinweise darauf stammen vom Beginn des Jungpaläolithikums vor etwa 40.000 Jahren („Fossil Tianyuan 1“ aus der Tianyuan-Höhle nahe Peking). Bei diesem und auch anderen Gräbern, wurden zudem aufgereihte Elfenbeinperlen (vom Wollhaarmammut) im Bereich der Füße gefunden - ein klarer Hinweis auf eine Dekoration an den Schuhen.

Die ältesten bekannten Funde (ca. 8300 v.Chr.) von Schuhen, stammen aus Nordamerika in Fort Rock, Oregon (USA) – hier wurden 1938 Sandalen von Paläoindianern (den ersten menschlichen Bewohnern Amerikas) gefunden, hergestellt aus der Bastfaser des Wüsten-Beifuß.


Der ältesten bekannten Überreste eines Lederschuhs stammen aus dem Jahr 4300 v.Chr. und wurden am Schnidejoch in den Berner Alpen gefunden. Ein vollständig erhaltener Lederschuh (bestehend aus einem Stück Rindleder ausgestopft mit trockenem Gras) aus dem Jahr 3630–3380 v.Chr., wurde in der der Höhle Areni I (Provinz Wajoz Dsor in Armenien) gefunden - siehe rechtes Bild.


Zeichnung des Ötzischuhs Die Schuhe der Gletschermumie „Ötzi“ (Kupfersteinzeit, ca. 3359 - 3105 v.Chr.) zeigen einen speziell für Erfordernisse im Hochgebirge gemachten Schuh - der Schaft bestand aus Rindleder (die Haarseite zeigte als Schutz vor Feuchtigkeit nach außen), die Sohle bestand aus gut isolierendem Bärenfell mit der Haarseite nach innen, der Innenschuh war aus gedrillten und verzwirnten Grasschnüren aufgebaut (durch einen umlaufenden Lederriemen fest mit der Sohle verbunden), Schaftleder und Sohle wurden durch ein mittels Vorstichtechnik eingezogenes, umlaufendes Lederband gehalten (zwischen das Geflecht des Innenschuhs und dem Schaftleder war Heu gestopft, das als Polster und Isolierschicht diente) und an der Unterseite der Sohle verlief quer ein sich überkreuzender Lederstreifen (die älteste bekannte Profilsohle eines Schuhs) - verschlossen wurde der Schuh mit einem „Schnürsenkel“.

Die Sandale, die einfachste Grundform des Schuhs wurde vmtl. von den Ägyptern erfunden, wie Funde die auf 3000 v. Chr. datiert werden konnten belegen. Sie dienten offenbar als Schutz gegen die Hitze des Sandes.


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Bronze- und Eisenzeit

(in Mitteleuropa etwa umfasste die Bronzezeit den Zeitraum von 2200 bis 800 v. Chr., die Eisenzeit begann im 8. Jahrhundert v. Chr.)

Bundschuh der Hallstatt-Kultur (800-400 v. Chr.) Schuhe aus der Bronze- und Eisenzeit sind wurden unter anderem an Moorleichen entdeckt und im Siedlungsgebiet der Kelten waren Opanken (meist absatzlose Schuhe an deren hochgebogener Sohlen mit schnabelförmig aufgebogener Spitze der Schaft angeflochten wird) als Fußbekleidung gebräuchlich.

Ab etwa 500 v. Chr. kommt der Bundschuh auf, ein Lederschuh der mit einem langen Riemen gebunden wurde (siehe linkes Foto).


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Antike und Frühmittelalter

Während der Antike (etwa zwischen 1200 v. Chr. bzw. 800 v. Chr. bis ca. 600 n. Chr.), der ersten (zumindest offiziell anerkannten) Blütezeit der menschheitsgeschichte, gab es auch die erste Hochphase der Schuhentwicklung - einfache Schuhe wurden immer mehr zum Allgemeingut wie Darstellungen verschiedenster Schuhmodelle, getragen in diversen Regionen, auf vielen Wand- und Tonmalereien beweisen.


Zehenstegsandalen Große Bekanntheit erfreuten sich bspw. die ägyptischen Zehenstegsandalen (Abbildung rechts) mit ihren diagonal über den Fußrücken laufenden Schaftriemen sowie die römischen Sandalen, deren Riemen bei dem Modell der sogenannten Stiefelsandalen zum Teil bis unter das Kniegelenk reichten. Mit dem Ende des 4. Jahrhunderts treten, vor allem in den byzantinischen Ländern, geschlossene Schuhe und auch Pantoffeln in Erscheinung.


Sandale oder Opanke, Schuhe waren bereits in der Antike ein Indikator für den jeweiligen sozialen Stand seines Trägers in der Gesellschaft. Beispielsweise durften bei den Ägyptern nur Priester oder der Pharao selbst Sandalen tragen, im Griechenland der Antike durfte nur der freie Bürger Schuhe besitzen während ihr Besitz den Sklaven untersagt war.

Die Carbatina (Plural Carbatinae), die lateinische Bezeichnung für ein Modell des Bundschuhs, bestehend aus einem einfachen Stück Leder, war ein im antiken Römischen Reich weitverbreiteter Schuhtyp der etwa bis zur ersten Jahrtausendwende gängig war (aber teilweise auch noch heute getragen wird). Aufgrund ihrer Herstellungsweise werden die Carbatinae den einfacheren Bevölkerungsschichten zugeschrieben, wohlhabendere römische Bürger trugen dagegen Calcei.

Der Calceus (Plural Calcei), ein aus Leder bestehender Schuh der mit Lederbändern um Fuß und Knöchel gewickelt und mit Binderiemen befestigt wurde, war die übliche Fußbekleidung des römischen Bürgers. Die Anzahl der Bänder gab Auskunft über den Rang. Dieser knöchelhohe, entweder geschlossene oder zehenfreie Stiefel, wurde außer Haus zur Toga getragen. Zur Tunika und innerhalb des Hauses trug man Sandalen die den Caligae (Militärschuh des römischen Legionärs) ähnelten.

Besonders gestaltete Calcei zu tragen war verschiedenen Ständen vorbehalten. Die Patrizier bzw. später nur mehr die curulischen Magistrate, hatten das Recht einen aus rotem Leder gefertigten Calceus patricius mit hoher Sohle, Lederzunge (ligula) und einer halbmondförmigen Agraffe aus Elfenbein (lunula) zu tragen. Am schwarzen Calceus senatorius, welcher zu Zeiten Ciceros von den Senatoren getragen wurde, fehlte die Agraffe. Die Frauen dieser Zeit trugen ähnliche Calcei die aus weicherem und buntgefärbten Leder gefertig waren, Sklaven hingegen durften keine Calcei tragen.


Caliga Der Caliga war der aus Leder gefertigte Militärschuh des römischen Legionärs. Dieser wird öfter mit Sandalen verwechselt, ist aber völlig anders konstruiert als diese. Bei einem Caliga handelt es sich vielmehr um einen (überaus robusten) offenen Marschschuh mit aus bis zu drei Lagen Rindsleder bestehenden und mit Eisennägeln besetzten Sohlen. Bei den einfachen Legionären wurden je 80 - 90 Eisennägel mit halbkugeligen Köpfen (lat. clavi) in die Sohle geschlagen. Die oberste Schicht der Sohle (die zugleich das Oberleder bildete) war ein einziges Stück Leder, welches an der Ferse zusammengenäht und so geschnitten wurde, dass ein System von Laschen auf dem Fußrücken entstand - diese wurden mit einem Lederriemen verschnürt.


Die frühen Formen der Schuhe blieben über Jahrhunderte hinweg unverändert, bis ab dem 4. Jahrhundert verschiedene Stile der Mittelmeerländer nach Mitteleuropa gelangten. So dominierten in Europa Opanken (absatzlose Schuhe deren hochgebogene Sohle mit einer schnabelförmig aufgesetzten Spitze an den Schaft geflochten wurde) und Bundschuhe (Lederschuhe die mittels eines langen Riemens gebunden wurden) die Schutrends.

Im keltischen Raum waren die Opanke das traditionel bevorzugte Schuhwerk der ländlichen Bevölkerung. Die Germanen und Franken, welche ursprünglich primitive oft bis zum Knie reichende und aus ungegerbtem Fell bestehende Fußsäcken trugen, verwendeten ab etwa 500 v. Chr. Bundschuhe.

Echte Stiefel kamen im 4. Jahrhundert aus dem Orient und waren zu Beginn nur den Männern vorbehalten, obwohl die Modelle der Antike sonst eigentlich für beide Geschlechter (Unisex) waren.


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Hoch- und Spätmittelalter

Archäologische Funde und zeitgenössische Abbildungen aus der Epoche des Mittelalters, zwischen dem Ende der Antike und der Neuzeit (ca. 6. bis 15. Jhdt.), lassen darauf schließen das in den städtischen Siedlungen des nördlichen und mittleren Europas hauptsächlich Leder-Wendeschuhe getragen wurden, welche vor allem im Hochmittelalter (11. – 13. Jhdt.) modischen Einfluss ausübten – bei den Wendeschuhen sind Schaft und Sohle auf links zusammengenäht und werden dann nach rechts gewendet, so dass die Sohlennaht innen liegt (wendegenähte Machart) - Verstärkungen wie eine zusätzliche Teilsohle mussten nachträglich eingenäht werden. Für diese Machart konnte nur leichtes und biegsames Leder verwendet werden, dafür lagen die Nähte so geschützt auf der Innenseite.

Ab Beginn des 12. Jahrhunderts wurden Schafthöhen und -schnitte der Wendeschuhe vielfältiger und es gab auch verschiedene Verschlussarten wie Schnür-, Knöpf-, Schlupf- und Riemenschuhe - im 13. Jahrhundert auch Stiefel. Das 11. und 12. Jahrhundert wurde von Schuhen mit konisch zulaufende Schuhspitzen und spitzen Fersen dominiert und auch Ziegenleder wurde zu dieser Zeit als Schaftleder genutzt, die folgenden 150 Jahren wiederum wurden eher von runden Formen dominiert und im 13. Jahrhundert kamen die Stiefel auf.

Schiffsschnabelschuhe mit Glöckchen Schiffsschnabelschuhe mit Kette In der Zeit nach den Kreuzzügen, mit besonderer Ausprägung im 14. Jahrhundert, hielt bei der Oberschicht der extravagante sogenannte Schnabelschuh Einzug, der sich aus den konischen Schuhen des 11. und 12. Jahrhunderts heraus entwickelt hat (siehe die 2 Abbildungen rechts). Diese wendegenähten Schuhe (Wendeschuhe) hatten eine auffällig lange, vorne aufgebogene und spitz zulaufende Schuhspitze und waren auch unter dem Namen „Poulaines“ bekannt. Dabei gab die Länge der Spitze Auskunft über die Zugehörigkeit zu einem Stand und wurde in Kleiderordnungen streng reglementiert. Bei Fürsten und Prinzen betrug die Schnabellänge 2,5 Fuß, bei den Rittern war sie auf 1,5 Fuß beschränkt und Bürgern bzw. Bauern wurden ein halber Fuß Schnabellänge zugestanden.

Trippen Trippen So genannte „Trippen“, Unterschuhe aus Holz welche unter den richtigen Schuhen getragen wurden, schützten die Füße gegen Nässe und Kälte bzw. die Schuhe vor dem Unrat (Abfälle, Kot, ...) in den Straßen und waren vmtl. gleichzeitig auch eine Art Statussymbol.

Das Holz hatte einen Überzug von Leder und war genau nach der Form der Sohle und zur Unterstützung der Schnabel langspitzig gestaltet. Zur Befestigung waren die Trippen mit Spannriemen versehen. (Abbildungen links und rechts).

Anmerkung: Der Ausdruck „trippeln“ stammt aus dieser Zeit. In manchen Gegenden wurden alternativ Clogs (Holzschuhe) als Schutz vor dem Schmutz getragen.


Ab dem 15. Jahrhundert und bis ins 19. Jahrhundert wurden sogeanannte Patten zum Schutz der Schuhe genutzt – diese glichen den Trippen, waren aber aus Metall gefertigt. Mit dem aufkommen von Galoschen und Gummistiefeln einerseits und der fortschreitenden Straßenbefestigung und -reinigung andererseits, kamen Trippen schließlich außer Gebrauch.


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Schuhwerk der einfachen Bevölkerung

Neben diesen Modeerscheinungen existierten immer auch schon breite Schuhe, die vmtl. zum Arbeiten dienten und erst im 16. Jahrhundert modern wurden - die sogenannten Entenschnabel-, Kuhmaul- und Bärenklauenschuhe (Abbildung links). Bärenklauenschuhe Diese Schuhe mit ihren betont breiten und kurzen Schuhspitzen markierten eine klare Abkehr von der vorhergehenden Schuhmode.

Sie wurden zu dieser Zeit bereits in der rahmengenähten Machart hergestellt, einer Machart die auch heute noch für hochwertige Schuhe zum Einsatz kommt und bereits im späten Mittelalter (15. Jahrhundert) zur Herstellung von Schuhen genutzt wurde.

Darüber was die ärmere und ländliche Bevölkerung des Mittelalters als Fußbekleidung getragen hat ist relativ wenig bekannt, jedoch kann die oft vertretene These dass Bauern barfüßig oder in einfachen Holzschuhen arbeiteten widerlegt werden: Denn bei größeren Schuhfunden wurden viele Paare einfacher Schuhe entdeckt, bei denen es sich um Arbeitsschuhe handeln dürfte. Und außerdem gibt es Quellen des späten Mittelalters, die klar auf Zuteilungen von Schuhen an Knechte und Arbeiter landwirtschaftlicher Betriebe deuten (pro Jahr durchaus mehrere Paare).

Das Missverständnis das in den ärmeren Bevölkerungsschichten Barfüßigkeit vorherrschte, beruht wahrscheinlich auf der teilweise üblichen Darstellung der mittelalterlichen Malerei, in welcher gesellschaftliche Ränge von Personen durch betimmte positive bzw. negative Symbole dargestellt wurden: Dabei wurden Bauern teilweise barfüßig, mit knolligem Gesicht und unmodischer Kleidung dargestellt, wobei die meisten Abbildungen die arbeitende Bevölkerung mit Schuhwerk zeigt. Beim nachahmen historischer Fertigungsmethoden hat sich zudem gezeigt, dass ein einfacher wendegenähter Schuh in wenigen Stunden erzeugt werden kann und ein Paar Schuhe daher auch damals durchaus erschwinglich sein musste. Außerdem wurden alte Schuhe nicht einfach weggeschmissen sondern repariert bzw. zerlegt und runderneuert.

Die in der Antike belegten Bundschuhe waren im Hoch- und Spätmittelalter unüblich. Der ab 1493 als Zeichen der Unterdrückung und Armut auf den Fahnen der aufständischen Bauern der sogenannten Bundschuh-Bewegung abgebildete Bundschuh, war dagegen ein überknöchelhoher Arbeitsstiefel fixiert mit einem gebundenen Riemen.


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Aufkommen der Absätze

Siehe auch: Schuhaufbau - Absatz (Aufbau und Bezeichnungen, Funktion, Absatzhöhe und Absatzstand)


Verschiedene Absätze Die Herkunft des Absatzes ist nach wie vor ungeklärt. So besagt einer der Theorien dass Absätze das Reiten mit Steigbügeln vereinfachten, weil man sich damit einhängen konnte. Eine andere Theorie wiederum besagt, das sich der Absatz entwickelte um das Schuhwerk vor dem Schmutz der Straßen zu schützen (in den Städten des Mittelalters gab es keine Kanalisation). Aus dieser Not heraus entstanden im 13. Jahrhundert erste Schuharten mit hohen Absätzen, die sogenannten „Trippen“ (Unterschuhe aus Holz die unter den richtigen Schuhen getragen wurden) bzw. im 17. Jahrhundert die „Patten“, das Äquivalent zu den Trippen allerdings aus Metall gefertigt - diese Unterschuhe ähneln im Aussehen den japanischen Geta-Schuhen. Die hohen Sohlen wurden, um Gewicht einzusparen, entweder aus Kork gefertigt oder in Höhe der Fußsohlenmitte wurde Material ausgespart (wie auch bei den Sohlen von Geta-Schuhen).


Chopine aus dem Italien des 16. Jahrhunderts Die Chopine (ein kunstvoll gearbeiteter Sockelschuh; siehe Abbildung rechts), ein historischer Damenschuh mit hoher Plateausohle, ist in Spanien seit 1438 nachgewiesen – die Schuhe hießen dort „los chapines“ (singular: el chapín von arab. chippin – Korkeiche). Die aus Kork bestehende Sohle war rund 10 cm hoch und überzogen mit sehr weichem Ziegenleder (span. cordobán). Die Chopinen waren einige Zeit so gefragt, das die Korkvorräte des Landes nicht ausreichten die Nachfrage zu decken.

Hohe Chopine Von Spanien ausgehend verbreiteten sich die Schuhe im 15. Jahrhundert vor allem nach England, Frankreich und Italien (dort als „Zoccoli“ bezeichnet). Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erreichte der Trend auch die Damenschuhmode von Venedig und gelangte dort mit den bis zu zwischen 25 und 74 cm hohen Sohlen zu einem extravaganten Höhepunkt - die Trägerin benötigte eine Dienerin oder Stöcke zum Abstützen um mit diesen Modellen überhaupt noch gehen zu können! (siehe link Abbildung)

Der hinten offene Schaft bestand meist aus Brokat (einem schweren, atlasbindigen und gemusterten Stoff aus Seide oder Rayon/Viskosefilamentgarn, dem Gold- oder Silberfäden eingewoben wurden). Auch die hohen Sohlen waren auf den sichtbaren Außenseiten mit Brokatstoff überzogen. Die Schuhe wurden von Patrizierdamen und erfolgreichen Kurtisanen getragen und dienten einerseits dazu dem Schmutz zu entgehen und andererseits auch als Statussymbol. Die Chopinen waren vor allem in Spanien und Italien fast 200 Jahre in Mode.

Im 17. Jahrhundert setzten sich Schuhe mit Absätzen dann in Europa durch, Männer wirkten damit größer und kriegerischer und den Frauen verhalf der Absatz durch die veränderte Körperhaltung und Beckenstellung, zu einer Betonung des Dekolletees und einem erotischeren Gang. Zwischendurch wurden die Absätze zwar flacher, lediglich die Höhe variiert – damals waren die höheren Absätze meist den Herren vorbehalten, heutzutage zum Glück – aus optischen Gründen - den Damen.

Bis zur Französischen Revolution (von 1789 bis 1799), welche die Absätze kurzfristig wieder abschaffte, waren diese vor allem ein Zeichen von Wohlstand und Adel. Unter anderem auch weil Absätze mit dem Besitz eines Reitpferdes verknüpft waren, da das Reiten in Steigbügeln mit absatzbewehrten Stiefeln besser funktionierte. Auch wurden die damals häufig aus kostbaren Stoffen gefertigten Schuhschäfte der Reicheren, durch die Erhöhung eines Absatzes besser geschützt.

Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert kam der Absatz langsam wieder in Mode und höhere Absätze von mehr als 3 cm waren zunächst nicht an das Geschlecht gebunden. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden höhere Absatz fast ausschließlich mit Damenschuhen assoziiert. Eine der Ausnahmen bilden die Westernstiefel mit etwa 4–5 cm hohen Kubaabsätzen, welche in den 1970er Jahren eine Modeerscheinung waren.


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19. Jahrhundert

Siehe auch: Konfektionsschuhe


Im 19. Jahrhundert begann eine zunehmende Differenzierung bei den Schuhmodellen und auch der Grundstein für die heutige Herrenschuhmode wurde damals gelegt, denn vieles was heute als Standard in Design und Machart gilt wurde in diesem Jahrhundert definiert und ist bis heute nahezu unverändert auch so geblieben.

Die Männer zu Beginn des 19. Jahrhunderts trugen vorallem Halbschuhe und durch das Aufkommen der ersten Modezeitschriften entstanden neue Modelle. Auch die sich wandelnde Gesellschaft bewirkte Änderungen in der Schuhmode, denn die Unterteilung in Adel und Volk fiel weg und eine klare Geschlechtertrennung bekann sich abzuzeichnen.

Die Dandys (laut Friedrich Kluges etymologischem Wörterbuch „junge Leute, die in auffälliger Bekleidung Kirche oder Jahrmarkt besuchen“ ) bewirkten Entwicklungen neuer Modelle – viele Modelle die zu jener Zeit entstanden sind auch heute noch gebräuchlich. Der geschnürte Herrenhalbstiefel wurde durch George Bryan Brummell salonfähig, das gerade erfundene Gummiband, wurde 1837 erstmals in Schlupfstiefeletten als seitlicher Elastikbandeinsatz (Chelsea-Boot) verwendet und gegen Ende des Jahrhunderts wurde bei jüngeren Herren die Knöpfbottine Mode.

Frauen trugen zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem Sandalen und Escarpins (absatzlose Pumps aus Satin mit Knöchelbändern) und später absatzlose Stiefeletten. Ab ca. 1840 - 1850 kamen in der Damenwelt Stiefeletten mit Absatz und einem Schaft aus Seide in Mode (auch mit Seitenverschluss bzw. Gummibandeinsatz). Die erste größere Thematisierung weiblicher Schuhmode, kam mit dem Kürzerwerden der bis dahin bodenlangen Röcke ab 1870 auf.

Im Laufe der die Industrialisierung im 19. Jahrhundert entwickelte sich eine Schuhindustrieund so wurden Schuhe ab den 1860er Jahren vermehrt in Fabriken erzeugt. Mit der einsetzenden Massenfertigung konnte Schuhe in größeren Mengen und preisgünstiger als je zuvor produziert werden, dementsprechend sank der Preis und gutes Schuhwerk wurde plötzlich auch für die breite Masse erschwinglich.

Die in den Jahren 1880 bis 1889 von europäischen Schuhmachern während einer Art von Wettbewerb entwickelten rahmengenähten Modelle, gelten bis heute als klassischen Vertreter von Herrenschuhen.


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Die aufgrund der Fußform vorgegebene spiegelsymmetrische Form der beiden Schuhe eines Schuhpaares, die uns heute so selbstverständlich erscheint, war lange Zeit denoch nicht üblich. Und obwohl es schon den Griechen und Römern der Antike und auch den Menschen im Mittelalter wie selbstverständlich bewusst war, ging diese an die Füße angepasste Form im Laufe des 17. Jahrhunderts irgendwo verloren ...


Erst der holländische Arzt Peter Camper wurde 1796 aufgrund der daraus folgenden Fußschäden auf das Problem aufmerksam und denoch dauerte es ganze 60 Jahre bis eine Streitschrift des Anatoms Georg Hermann von Meyer (1815–1892) die Rückbesinnung zur Rechts-Links-Unterscheidung im Schuhbau bewirkte. Dabei erfuhr Meyer die für seine Reform wichtigste Unterstützung durch die Kriegsministerien und die damals aufstrebende amerikanische Schuhfabrikation – die mit rechten und linken Schuhen von Mayer ausgestatte Armee der Nordstaaten, waren u.a. auch deshalb siegreich weil die Soldaten schneller und weiter marschieren konnten (so weist der klassische amerikanische Militärstiefel bis in die jüngste Vergangenheit Einflüsse der Meyerschen Linie auf).

Trotz der Innovation konnte sich die Meyersche Linie aber nicht halten, weil sie die Wichtigkeit des äußeren Strahles (Kleinzehenballen) nicht beachtete. Anders die Leitlinie des modernen Schuhs - diese geht geht von der Mitte der Ferse durch das Grundgelenk der zweiten Zehe.


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20. Jahrhundert

Siehe auch: Konfektionsschuhe


Die Gestaltungsmöglichkeiten von Schuhen, die bis dahin mit rein pflanzlich gegerbten Oberledern erzeugt wurden, erweiterte sich mithilfe neuer Gerbverfahren auf Basis von Chromsalzen. Die dünneren chromgegerbten Leder ließen sich vielfältiger färben und immer öfter für die Schäfte verwendet (neue Schaftschnitte boten jetzt gute Voraussetzungen). Entwickelt wurden zu dieser Zeit auch die noch heute üblichen Schuhcremen in Blechdosen.

Das Klebeverfahren (eine Machart) mit Zelluloidkitt zur Schuhherstellung, wurde 1910 von Rampichini entwickelt und ermöglichte neue Fertigungstechniken in der Massenschuhproduktion (die sogenannte AGO-Schuhe: Another Great Opportunity).

Die beiden wichtigsten Entwicklungstrends welche die 1920er und frühen 1930er Jahre prägten, waren die Einführung des Halbschuhs und der Übergang zum einem modischen Gebrauch von Schuhwerk, vor allem bei Frauen und jungen Menschen.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden neue thermoplastische Gummis und Kunststoffe entwickelt, welche ein kostengünstiges Anvulkanisieren und Anspritzen der Sohlen an den Schaft ermöglichten (Direktansohlverfahren). Dieses und andere kostensparende Herstellungsverfahren (u.a. die Verwendung von Kunstfasergeweben sowie die Massenproduktion) machten Schuhe immer billiger und die Konsumenten konnten sich so häufiger neue Modelle leisten, welche wiederum in immer kürzer werdenden Zyklen neue Modetrends durchliefen - besonders die Damenschuhmode wurde von den wechselnden Moden stark geprägt.Die Preise für Schuhe wurden dank der neuen Möglichkeiten zwar immer niedriger, aber mit den Preisen sank im Vergleich zu genähten Lederschuhen auch die Qualität des Schuhwerks.

In den USA und England entstanden die ersten Sportschuhfabriken, im Deutschland der 20er Jahren wurde Addas (die heutige Marke „Adidas“) gegründet und James Dean machte Sneaker für die Jugend der fünfziger Jahren populär. Ab den 1960er Jahren trat der Sportschuh seinen Siegeszug an, seine höchst Popularität erfuhr dieser durch den Fitnessboom in den 1980er Jahren. Sneakers (Sportschuhe für den Alltagsgebrauch) werden von allen Altersklassen und großen Teilen der Bevölkerung in vielen Ländern getragen und sind dadurch die am weitesten verbreiteten Freizeitschuhe der Welt. Deren Entwicklung wurde vor allem zur Zeit der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts, aufgrund der zunehmenden Freizeitaktivitäten bestimmter Bevölkerungsgruppen, stark begünstigt.

Die in vergangenen Jahrhunderten oft reich verzierten Herrenschuhe wurden im 20. Jahrhundert von eher schlichteren und eleganten Modellen abgelöst. Und mit dem Auftreten von Gesundheitsschuhen (bspw. die Birkenstocksandalen) Ende des 20. Jahrhunderts, lief die Funktionalität der Ästhetik teilweise den Rang ab.


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Der Schuh im Nationalsozialismus
Eine Produktgeschichte im deutsch-britisch-amerikanischen Vergleich
[von Amazon]


Gesellschaftliche Bedeutung von Schuhen


Neben der reinen Schutzfunktion der Füße und der für viele Träger wichtigen modischen Funktion, waren Schuhe von jeher auch ein Symbol für den gesellschaftlichen Status bzw. die Gruppenzugehörigkeit seines Trägers. So durften bspw. im alten Ägypten nur Pharaonen Sandalen tragen die aus Gold- oder Silberblech gefertigt waren und ausschließlich hohe Beamte und Priester überhaupt einfache Sandalen - das einfache Volk ging generell barfuß.

Die Griechen haben 700 v.Chr. eine Verordnung erlassen, welche das Anbringen von Juwelen auf Sandalen regelte. Auch im Römischen Reich war klar geregelt wer welches Schuhwerk mit welcher Verzierung tragen durfte und im Mittelalter konnte anhand der Schuhspitzenlänge der damals modernen Schnabelschuhe, die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stand erkannt werden.

Zur Zeit des Sonnenkönigs (Ludwig XIV, 1638-1715) war es nur dem König selbst und den hohen Adligen erlaubt rote Absätze zu tragen. Und heute sind es die Träger von Businesskleidung in Kombination mit hochwertigen Herrenschuhen, die allein durch ihre Erscheinung vermitteln dass ihr Träger keine körperliche Arbeit zu verrichten braucht da seine Bestimmung schließlich das reine managen derselben ist.

Und nicht zuletzt die verschiedenen Jugendkulturen, die durch ihre Schuhe als eines der manigfaltigen äußeren Erkennungszeichen ihre Gruppenzugehörigkeit darstellen um sich von anderen abzugrenzen – die Bedeutung mag sich im Laufe der Zeit gewandelt haben, aber der Schuh als Statussymbol ist fast so präsent wie eh und je.


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