Maß- und Konfektionsschuhe

Inhaltsverzeichnis

  1. Maßschuhe (Einleitung)

  2. Konfektionsschuhe (Einleitung)

  3. Maßschuhe im Vergleich zu
    (hochwertigen) Maßkonfektionsschuhen

  1. Schuhe Inhaltsverzeichnis
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Maßschuhe

Siehe auch: Schuhfertigung | Passform und Schuhgröße | Schuhmodelle


Es wird zwischen dem klassischen Maßschuh (handgefertigt nach den individuellen Kundenvorstellungen) und dem orthopädischem Maßschuh (ausschließlich nach medizinischer Indikation hergestellt und weniger elegant als der klassische) unterschieden.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts waren fast ausschließlich Maßschuhe erhältlich, die in der Regel von einem Schuhmacher nach den Wünschen des Kunden hergestellt wurden. Zwar wurde dafür nicht zwangsläufig ein neuer Leisten hergestellt, aber ein individuell gut passender ausgewählt - dieses Verfahren ist heute als Maßkonfektion bekannt und wird nur von einigen wenigen Herstellern angeboten.


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Anatomie und Paßform

Der menschliche Fuß besteht aus einem Viertel aller Knochen des Körpers, hat fast 30 Muskeln und ebensoviele Gelenkflächen. Außerdem verändert sich die Form des Fußes in jeder Stellung und mit jeder neuen Belastung. Demensprechend viele voneinander abweichende Meinungen gibt es und selbst in den grundlegendsten Fragen, gehen die Fachmeinungen von Medizinern sowie Schuhmachern seit etwa 80 Jahren teils stark auseinander.

So gibt es viele, sich miteinander kaum in Beziehung setzen lassende Schuhgrößensysteme die für die Praxis allerdings wenig Wert haben. Denn es ist selten genug einen Schuh anhand von Größenangaben zu kaufen – ein Schuh muss immer anprobiert werden um annähernd spüren zu können, ob dieser auch die richtige Passform hat. Annähernd weil bspw. das Zusammendrücken des Fußes (aufgrund seiner guten Anpassungsfähigkeit) überhaupt erst ab 5 mm bewußt wahrgenommen wird, darunter scheint es als wäre der Schuh nicht zu eng und auf Dauer können so ungesunde Effekte am Fuß auftreten.


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Ermitteln der Paßform

Ein Maßschuhmacher vermißt mithilfe bewährter, quasi standardisierter Verfahren und eindeutiger Maßbezeichnungen (wie bspw. anatomisches Ballenumfangsmaß, Ballenbreite, Hackenmaß, Risthöhe usw.) eine Vielzahl unterschiedlicher Breiten-, Höhen- und Umfangmaße – jedoch weicht jeder Meister aufgrund persönlicher Erfahrung und der Auffassung wie ein Schuh am besten passt, an einigen Stellen von diesen Vorgaben ab.

Zusätzlich ist es wichtig in welchem Zustand der Belastung (sitzend oder stehend) die Füße vermessen werden. Die ermittelten Maße werden noch durch weitere Beobachtungen ergänzt, bspw.: Art des Gangs, Gewicht des Trägers, fleischiger oder knochiger Fuß, kantige oder birnenförmige Ferse, usw.

Anhand der so ermittelten Maße, wird vor den verkaufsfertigen Maßschuhen noch ein Paar sogenannter Probeschuhe gebaut. Diese werden von dem Kunden 1-2 Wochen getragen und anschließend vom Schuhmacher überprüft: Dazu wird der Schuh mit Kreide ausgerieben und nach einem Probegehen ermittelt, wo die Kreide stärker abgerieben wurde (der Schuh wird dazu der Länge nach aufgeschnitten). Das sich selbst ein Schuhmachermeister nicht ausschließlich auf die von ihm abgenommenen Maße verlassen kann zeigt, wie zuverlässig allgemein verbindliche Konfektionsmaße sein können.


Beim orthopädischen Schuh bzw. Stiefel nach ärztlicher Verordnung, wird der Leisten durch den Orthopädieschuhtechniker anhand eines Gipsmodells geformt.


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Konfektionsschuhe

Angetrieben durch die rasant ansteigende Nachfrage bzw. den Bedarf an Schuhen, wurden in den USA der Mitte des 19. Jahrhunderts erste Maschinen für die industrielle Schuhproduktion entwickelt und gebaut – dazu zählten u.a.: Doppelmaschine, Einstechmaschine, Durchnähmaschine, Gradiermaschine, Steppmaschine, Zwickmaschine.

Dadurch wurden in wenigen Jahrzehnten die von Hand gefertigten Maßschuhe weitgehend durch die industriell produzierten Konfektionsschuh ersetzt. Und nur wenige Jahre später dominierte die maschinelle Schuhproduktion auch in Europa den Schuhmarkt, denn die Vorteile des Verfahrens waren zahlreich:


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Geschichte

Bald kam es zu einem erbittertem Widerstand der Handwerker gegen diese Entwicklung – es wurde gestreikt und die Maschinen wurden teilweise sogar zerstört. Auch wurde versucht durch Wettbewerbe die Überlegenheit des von Hand rahmengenähten Schuhs zu Beweisen, doch die industrielle Entwicklung lief davon unbeeindruckt unaufhaltsam voran. Während der Schuh früher als teure Anschaffung oder gar Luxusartikel galt, war er nun plötzlich zu einem erschwinglichen Gebrauchsgegenstand geworden und Menschen die sich davor nur holzgenagelte Schuhe leisten konnten, waren nun in der Lage auch genähte Schuhe zu bezahlen.

Für die industrielle Massenfertigung war die Normierung der Schuhgrößen eine wichtige Voraussetzung. Die englischen Schuhgrößen (Size) waren zwar bereits seit dem 14. Jahrhundert bekannt, denoch kamen verschiedene neue Größensysteme hinzu: Pariser Stich/kontinentale Größe (0,666 cm), halbe Größen und kurzfristig sogar Viertelgrößen. Allen Bestrebungen zur Normierung (Mondopoint-System) und Vereinheitlichung zum Trotz, existieren bis heute verschiedene Maßsysteme für Schuhlängen und -weiten und auch die Umrechnungen sind nicht immer einheitlich.


Und am Horizont des Schuhmarktes kündigten sich rund 100 Jahre nach den ersten Produktionsmaschinen schon die nächsten dunklen Wolken an. Denn trotz aller Automatisierung war bei der industriellen Schuhproduktion immer noch ein relativ hoher manueller Arbeitsaufwand notwendig und die damit verbundenen Lohnkosten, führten bspw. in Deutschland seit den 1960er Jahren zu einer zunehmenden Produktionsverlagerung ins Ausland.

Anfangs nach Italien, bald darauf nach Spanien und Portugal und nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs, auch in den Osten Europas nach Ungarn und Rumänien bzw. auch nach Nordafrika. Der ursprüngliche Schwerpunkt der deutschen Schuhproduktion in und um Pirmasens (Rheinland-Pfalz), war bereits gegen Ende des 20. Jahrhunderts weitgehend verschwunden. Gegenwärtig werden Schuhe mehrheitlich in Indien und Fernost (China, Vietnam, Indonesien) produziert.

Diese Verlagerung der Produktion brachte viele neue Probleme mit sich: Zum einen haben westliche Hersteller meist keine hundertprozentige Kontrolle mehr über den Produktionsprozess und die dabei verwendeten Materialien in Fernost. Was aber noch schwerer wiegt: Gesundheitliche, soziale und arbeitsrechtliche Missstände wie Kinderarbeit, Ausbeutung der fast ausschließlich weiblichen Arbeitskräfte und Missachtung von Arbeitsschutzmaßnahmen waren und sind seither die Konsequenz einer sich primär am Produktpreis orientierenden Produktion. Zudem führt die konsequente Missachtung von Umweltschutzmaßnahmen zur Kontaminierung von Böden und Gewässern.


Als ob das alles nicht genug wäre, werden bei Kontrollen importierter Schuhe regelmäßig schadstoffbelastete Materialien festgestellt, bspw. verursacht durch mangelhafte Gerbung oder die Verwendung verbotener Farbstoffe. Die Konsequenzen des Preiskampfes westlicher Schuhhersteller, die neben der Gewinnmaximierung zur Kursteigerung auch auf die Preisorientierung der Konsumenten reagieren, tragen schlußendlich Mensch und Natur – mit noch gar nicht abzusehenden Langzeitfolgen.


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Maßschuhe im Vergleich zu (hochwertigen) Maßkonfektionsschuhen


Ein klassischer, nach den individuellen Kundenvorstellungen und seinen Fußmaßen handgefertigter Maßschuh, wird im Vergleich zum Konfektionsschuh i.d.R. als der „bessere Schuh“ betrachtet. Im Vergleich mit einem hochwertigen Konfektionsschuh ist diese Ansicht, sachlich betrachtet, jedoch unbegründet. Denn qualitativ vergleichbare Herren-Konfektionsschuhe werden in verschiedenen Weiten und Leistenformen angeboten (wodurch eine ebenso gute Passform möglich ist wie bei einem Maßschuh), kosten aber nur rund 300 € - ein Maßschuh hingegen ab etwa 1.200 €.

Auch in der Qualität der verwendeten Bauteile gleichen sich hochwertige Konfektionsschuhe der Oberklasse und Maßschuhe. Die Verarbeitungsqualität eines Maßschuhs ist nichtzwangsläufig besser – so ist bspw. eine per Hand ausgeführte Naht nicht automatisch besser als eine maschinell erstellte. Ein echter Maßschuh ist vor allem für den sinnvoll, der keine passenden Konfektionsschuhe findet bzw. besonders individuelle Ansprüche an das Schuhdesign hat.

Einige Unternehmen bieten auch die Möglichkeit Maßschuhe online zu Bestellen – dazu bestimmt der Kunde mittels eines Formverfahrens selbständig die Maße der eigenen Füße und die so entstandene Form bildet die Basis für die Herstellung des Leisten, mit welchem die Schuhe dann von Hand individuell genäht werden können. Die Kosten für solcherarts gefertigten Schuhe liegt in einem (für Maßschuhe günstigen) Bereich ab 350 €.


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