Herrenschuhmodelle

Inhaltsverzeichnis

  1. Blücher
  2. Brogue

  3. Budapester (Karlsbader)
  4. Chelsea-Boot

  1. Derby
  2. George-Boot
  3. Herrenstiefel
  4. Jodhpur-Stiefel

  1. Monkstrap
  2. Norweger
  3. Oxford

  1. Schuhmodelle Inhaltsverzeichnis
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Blücher

(Bluecher)
Ein schwarzer Blücher
Grundmodell eines klassischen herrenhalbschuhs mit einteiligem Schaftgrundschnitt und offener Schnürung. Die aufgesetzten Schnürungsteile (Quartiere) sind als aufgesetzte Bänder (Deckbänder) seitlich auf den Schaft genäht – ein charakteristisches Merkmal des Blücher.

Der Blücher war ursprünglich immer ein rahmengenähter Schuh mit einem sogenannten „Stormwelt“ (Sturmrahmen), welcher den Schuh besser gegen eindringende Feuchtigkeit schützte. Aus dem gleichen Grund (d.h. wegen der Wetterfestigkeit) wurden die Schaftteile welche die Schnürung aufnehmen, früher bestochen bzw. auf Stoß genäht; heute werden die Schaftteile meist einfach nur aufgenäht.

Weniger erfahrene verwechseln den Blücher oft mit dem Derby, da beide eine offene Schnürung haben. Allerdings weist der Blücherschaftschnitt keine zusätzlichen Quartiere zur Aufnahme der Schnürung auf und hat daher auch nicht den für einen klassischen Derby typischen Derbybogen. Der Blücher besteht, abgesehen von den beiden aufgenähten Schnürungsteilen, nur aus einem einzigen Schaftstück.


Ursprung und Bezeichnung

Die Bezeichnung „Blücher“ geht zurück auf den preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht Fürst Blücher von Wahlstatt (1742 – 1819), welcher seine Soldaten mit dem Schuhmodell (zu jener Zeit noch als Stiefel) für den Siegeszug gegen Napoleon ausstatten ließ.

Weil die Bezeichnung Blücher im Original mit einem Umlaut geschrieben wird (der nur in wenigen Sprachen verwendet wird), wird der Blücher international auch Blucher genannt. In den USA versteht man unter einem Blucher oft ein Schuhmodell mit offener Schnürung, daher sowohl einen Derby als auch einen Blücher.


Verwendung

Der Blücher gilt, seinem Ursprung als robuster Armeestiefel entsprechend, eher als rustikales Schuhmodell für die Freizeit, welches oft mit Scotchgrain als Oberleder und mit wetterfester (Profil-)Gummisohle verkauft wird. Aus diesen Gründen wird der Blücher eher zur Jeans oder Cordhose getragen und selten mit Geschäftskleidung kombiniert.

Siehe auch: Etikette des tragens von Schuhen


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Brogue

(von schott.-gäl. bròg, ir. bróg „Schuh“)
Halfbrogue/Semibrogue Fullbrogue
Brogue ist der Oberbegriff für eine Gruppe von Schuhmodellen, die dezente bis hin zu extravagante Lochverzierungen (Broguings) des Schafts (genauer an den Schaftteilkanten und der Vorderkappe) aufweisen. Alle Grundmodelle (wie Blücher, Budapester, Derby, Herrenstiefel, Monkstrap, Oxford) können Broguings aufweisen, das zu Grunde liegende Herrenschuhmodell spielt dabei keine Rolle.

Mit Broguings versehene Schuhe sind i.d.R. Herrenschuhe und als Half-Brogue (Semi-Brogue), Full-Brogue oder Full-Brogue Longwing erhältlich. Siehe: Gebräuchliche Modelle weiter unten


Ursprung

Hirten in Schottland und Irland bohrten sich einst Löcher in ihre Schuhe, damit das auf sumpfigem Boden eingedrungene Wasser ausfließen konnte (außerdem ermöglichten die Öffnungen eine schnellere Trocknung des Schuhs). Die Praxis wurde später durch Jäger des schottischen Adels gesellschaftsfähig und im 18. Jahrhundert kam der Brogue auch als fester Standardschuh der arbeitenden Landbevölkerung Großbritanniens zum Einsatz.

Im Laufer der Jahre wurde das Broguing dann nicht mehr durch das Leder gestanzt sondern nur als Zierde auf den Schaft gesetzt. Die zwei typischen Muster des Broguings sind die Lyralochung (je zwei übereinander stehende kleine Löcher folgen auf ein größeres Loch) und die Rosette (ornamentale große und kleine Löcherlinien). Auch heute noch gibt es die nach den schottischen Wildhütern benannten „ghillie brogues“ oder „ghillies“ - eine Variante ohne Zunge, die am Fußgelenk geschnürt und bevorzugt zu einem Kilt getragen wird.


Gebräuchliche Modelle

Half- oder Semi-Brogue, Full-Brogue und Full-Brogue Longwing, die drei heutzutage gebräuchlichen Varianten des Brogue, kamen erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts in Mode. Diese sind nicht mehr mit durchgehenden Löchern versehen, sondern haben stattdessen außen zusätzlich aufgesetzte Schaftteile welche mit der Lochverzierung versehen sind.


Half- oder Semi-Brogue
Half-Brogues sind meist aus glattem Boxcalf (Leder vom Milchkalb) oder Rindbox (entspricht dem Boxcalf, unterscheidet sich jedoch deutlich in der Faserdicke seiner Fläche) gefertigt und meist mit der offenen Derby- oder der geschlossenen Oxfordschnürung (siehe auch: Schnürung) ausgestattet.

Die außen zusätzlich auf den Schaft aufgesetzte gerade Vorderkappe (die Querkappe) ist mittig an der Schuhspitze mit einer ornamentalen Lochlinienverzierung (Rosette) versehen, der Rand der Vorderkappe meist mit einer Lyralochung (eine Stanztechnik bei welcher jeweils zwei übereinander stehende kleine Löcher auf ein größeres Loch folgen) - sehr selten sind andere Schaftteilkanten mit Lochungen oder Auszackungen verziert.

Ein Half-Brogue mit seiner zurückhaltenden Eleganz, ist durchaus noch mit einem (Geschäfts)Anzug kombinierbar.
Siehe auch: Etikette des tragens von Schuhen


Full-Brogue
Dieses (in den USA entwickelte) Modell wird meist mit geprägtem Scotchgrain Oberleder gefertigt und hat statt der geraden Vorderkappe (Querkappe) des Half-Brogue eine Flügelkappe, welche bis zur Seite des Schafts reicht. Die Kanten der Flügelkappe wie auch sonstige Schaftteilkanten, sind mit einer Lyralochung versehen und/oder ausgezackt - das Muster variiert meist nur in der Lochgröße, seltener auch in der Lochform. Oberhalb der Schuhspitze (mittig auf der Oberseite der Flügelkappe) ist als Lochverzierung eine Rosette angebracht. Typisch für einen Full-Brogue ist auch die aufgesetzte Fersenkappe.

Dieses Modell gibt es sowohl mit offener (Derbytyp) oder geschlossener (Oxfordtyp) Schnürung. Er gilt als sportlicher Schuh (betont durch das Scotchgrain Oberleder) der eher mit sportlichen Kombinationen bzw. (besonders in braun und mit gröberen oder rauen Oberledern) zur Freizeitkleidung getragen wird. Weltweit bekannt wurde der Full-Brogue zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den Herzog von Windsor, der dieses Schuhmodell nicht nur zum Golfspielen trug sondern in einer dezenteren Variante auch bei gesellschaftlichen Anlässen.
Siehe auch: Etikette des tragens von Schuhen


Anmerkung: Fullbrogues im Derby-Schnitt werden manchmal mit dem Budapester verwechselt - ein Brogue ist jedoch schlanker, hat eine normal gerundete, abfallende Schuhspitze und daneben noch weitere optische Unterscheidungsmerkmale.


Full-Brogue Longwing
Longwings sind eine Weiterentwicklung des Full-Brogues. Sie haben eine Flügelkappe, deren seitliche Ausläufer (Flügel) bis nach hinten an die Fersennaht verlaufen - weshalb auch keine zusätzlich aufgesetzte Fersenkappe vorhanden ist - ansonsten hat das Modell die Merkmale des Full-Brogues. Im Gegensatz zu Half- oder Full-Brogues, gibt es den Longwing nur mit offener Schnürung.

Durch die aufgesetzte Fersenkappe und die offene Schnürung, wirkt der Full-Brogue Longwing sehr sportlich und gilt daher als passender Schuh zu Freizeitkleidung (und dementsprechend unpassend zu Anzügen).

Siehe auch: Etikette des tragens von Schuhen


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Budapester

(Karlsbader)
Der Budapester ist ein klassisches Herrenschuhmodell in zwiegenähter Machart, der auf einem breiten und relativ geraden Leisten gefertigt wird.

Der Schuh im Derby-Schaftschnitt (offene Schnürung) hat eine aufgesetzte Hinterkappe (Fersenkappe) und eine hohe (aufgeworfene) und relativ breit gerundete Spitze (Vorderkappe). Weitere Merkmale sind die Flügelkappe, eine Full-Brogue-Lochverzierung, die doppelte Sohle und ein großer Absatz.

Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem Full-Brogue im Derbyschnitt, gilt unter Fachleuten (neben der relativ breiten und gerundeten Spitze) die unverwechselbare Leistenform (Budapester Leisten) als Hauptkennzeichen des Budapesters. Budapester sind im Grunde kein eigenes Schuhmodell sondern eher eine eigene Leistenform – genauer gesagt ein rahmengenähter Derby mit offener Schnürung, aufgesetzter Fersenkappe und Flügelkappe, verziert mit einer Lyralochung.


Ursprung

Es ist nicht überliefert woher die Bezeichnung Budapester stammt bzw. wer diese zum ersten Mal verwendet hat. Fest steht das dieses Schuhmodell typisch osteuropäische Merkmale aufweist (wie z.B. Lochungsmuster und Leistenform) und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Budapest hergestellt wird. Der Ursprung der Modellbezeichnung ist also vermutlichauf auf die ungarische Stadt zurückzuführen, wo der Schuh übrigens als Karlsbader bezeichnet wird.


Verwendung

Wegen der eher klobig wirkenden Form, eignet sich der Budapester optisch weniger für schmächtige Männer sondern für groß gewachsene, stattliche bis vollschlanke Männer (auch weil der Schuh belastbar ist). Lochverzierungen (Broguings) und die Zwienaht oberhalb der Sohle, geben dem Modell eine sportliche aber auch schlichte Note. Der Budapester passt daher eher zu Textilien wie Jeans oder Cord.
Siehe auch: Etikette des tragens von Schuhen


Anmerkung: Fullbrogues im Derby-Schnitt werden manchmal mit dem Budapester verwechselt - ein Brogue ist jedoch schlanker, hat eine normal gerundete, abfallende Schuhspitze und daneben noch weitere optische Unterscheidungsmerkmale.


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Chelsea-Boot

(Chelsea-Stiefel)
Der Chelsea-Boot ist ein klassisches Herrenschuhmodell, genauer gesagt ein überknöchelhoher Stiefel mit zwei seitlich (rechts und links vom Fußgelenk) angebrachten elastischen Gummibandeinsätzen, durch welche sich der Schuh komfortabel an- und ausziehen lässt. Höherwertige Chelsea-Boots werden in rahmengenähter Machart gefertigt.

Da aufgrund der fehlenden Schnürung die Passform nicht unmittelbar angepasst werden kann, wird der Schaft vor der Befestigung am Schuhboden gewalkt. So wird das flache Leder der zukünftigen Stiefelform leicht angepasst, was beim fertigen Stiefel einen engen Sitz im Bereich der Fußbeuge bewirkt und so ein Hochlupfen der Ferse beim Gehen verhindert. Siehe auch: Schuhgröße und Passform


Modelle

Vom Chelsea-Boot gibt es zwei Modellvarianten, deren Unterscheidung aber erst bei genauer Betrachtung sichtbar wird: Das Modell mit Schaftschnitt, welcher unterhalb der Gummibandeinsätze eine kurze vertikale Naht aufweist und das Modell ohne diese zusätzlichen Nähte. Die Nähte ermöglichen das Verarbeiten kleinerer Schaftteile, wodurch die Verarbeitung einfacher und der Materialverschnitt geringer ist (und daher auch der Verkaufspreis niedriger ist als beim Modell mit den Nähten). Von Schuhliebhabern wird i.d.R. der seltenere Stiefel ohne Nähte bevorzugt.

Viele Chelsea-Boots haben eine hinten bzw. hinten und vorne am oberen (inneren) Schaftrand angenähte Zugschlaufe aus Gewebe, welche den Zweck hat den Stiefel einfacher Anziehen zu können.

Vom Chelsea-Boot gibt es auch ein Damenmodell, welches auf einem dem weiblichen Fuß entsprechenden Damenleisten gefertigt wird und einen etwas höheren und schmaleren Absatz hat.


Ursprung

Der Chelsea-Boot basiert auf einem Modell von J. S. Hall, einem Schuhmacher von Königin Victoria in den 1830er Jahren in London, das sich seit damals in den klassischen Herrenschuhkollektionen vieler Anbieter gehalten hat. Das Modell erlangte in den 1960er Jahren als „Beatle-Boot“ große Popularität, wobei sich die Bezeichnung auf die Popgruppe „The Beatles“ bezieht, welche den Stiefel in einer Variante mit höherem, leicht geschwungenem Absatz und sehr eng zulaufender Schuhspitze trugen.


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