Schuhmodelle

Unisexmodelle, Grundmodelle,
Schuhe nach Einsatzzweck und
historische Modelle

Inhaltsverzeichnis

  1. Sandale
  2. Sneaker

  1. Stiefel
  2. Tanzschuhe

  1. Turnschuh
  2. Wanderschuh

  1. Badeschuhe
  2. Bergschuh
  3. Balmoral-Boot
  4. Birkenstock
  5. Bootschuh
  6. Bundschuh

  1. Caliga
  2. Calceus
  3. Carbatina
  4. Clog
  1. Crocs
  2. Espadrilles

  1. Flipflops
  2. Gummistiefel
  3. Gymnastiksandale
  4. Gymnastikschuhe

  1. Halbschuh
  2. Hausschuh
  3. Holzschuh
  4. Hüttenschuh

  1. Kinderschuhe
  2. Loafer
  3. Mokassin
  4. Moonboot
  5. Opanken
  6. Pantoffel

  1. Schuhmodelle Inhaltsverzeichnis

Sandale


Sandalen aka Jesuslatschen
Die Sandale ist eine der ältesten Schuhgrundformen und neben dem Halbschuh und dem Stiefel, eines der 3 Grundmodelle.

Ihr Aufbau beschränkt sich auf eine mit Riemen am Fuß befestigte Sohle mit üblicherweise keinem bzw. einem sehr flachem Absatz und zeichnet sich durch ihre große Luftigkeit und in der Regel auch Leichtigkeit aus. Das Wort Sandale stammt von dem griechischen Wort „sandálion“ für Riemenschuh.

Holzsandalen werden in der Schweiz als Zoccoli bezeichnet (vom italienischen Zoccolo "Holzschuh"). Der Ausdruck stammt aus dem Kanton Tessin, wo Holzsandalen die traditionelle Fussbekleidung waren und auch heute noch zur Tessiner Volkstracht getragen werden.

Die Sandalette ist eine feminine Form der Sandale, gekennzeichnet durch ihren höheren Absatz, schmälere Riemen und manchmal auch Verzierungen.

Anmerkung: Barfuß gilt als korrekte Trageweise von Sandalen, das Tragen von Sandalen mit weißen Socken wird allgemein als spießig betrachtet.



Die meisten Sandalenarten sind heute weltweit verbreitet. In Japan, einem Land mit einer jahrhundertealten Sandalenkultur, findet seit Mitte des 20. Jahrhunderts eine starke Orientierung an den westlichen Zivilisationen statt, wodurch die Kultur des Sandalentragens stark verdrängt wurde.

Akzeptanz

Trotz der Tatsache das die Sandale eines der meistgetragenen Schuhmodelle der Welt ist und das sie aufgrund ihrer Luftigkeit bei heißen Umgebungstemperaturen unbestrittene Vorteile bietet, haftet ihr vor allem in den westlichen Industrienationen ein zweifelhaften Ruf an (vor allem bei Männern). Die Ursache dafür findet sich in der Geschichte der Sandale, die seit dem 19. Jahrhundert häufig von Gesellschaftsgruppen getragen wurde, die sich vom Establishment abgrenzen wollten. Deutlich wird ihr Ruf anhand von häufig abschätzig gemeinten Bezeichnungen wie bspw. Jesuslatschen (für Ledersandalen) – Sandalen wie sie u.a. von den Hippies der 68er-Generation, der Blueserszene in der DDR oder auch Aktivisten der Anti-AKW-Bewegung getragen wurden.


Grundformen der Sandale

Sandalen gibt es in 6 verschiedenen Schaftvarianten, welche ihren Ursprung in verschiedenen Kulturen bzw. Regionen der Welt haben.

  • Schrägriemensandale - sie stammt ursprünglich aus Subsahara-Afrika (Schwarzafrika)
  • Kreuzriemensandale - aus Südamerika
  • Zehenpflocksandale - aus Indien
  • Bäckersandale - entwickelt in Europa; hat einen weitgehend geschlossenen Schaft mit schlitzartigen Durchbrüchen
  • Zehenring- bzw. Zehenstegsandale – auf Ägypten und Japan (Geta, Zori) zurückzuführen; in ihrer Form von Flipflops aus Kunststoff seit Beginn des 21. Jahrhunderts beliebt
  • Querriemensandale - ebenfalls eine Grundform der Sandalen; bspw. in Form der bekannten Gymnastiksandale


Für gewöhnlich ist der Boden einer Sandale flach, er kann aber auch mehrere cm messen wie bspw. bei der Plateausandale/-sandalette oder den orientalischen Kapkap. Anmerkung: In einigen Kulturen Afrikas wird der soziale Rang des Trägers an der Bodenhöhe erkenntlich.

In westlich geprägten Kulturen haben Ledersandalen meist keine Verzierungen an den Riemen oder im Leder des Bodens. Afrikanische, mittel- und südamerikanische sowie indische Sandalen hingegen, weisen oft aufwändige Verzierungen auf.


Bauweisen

Die Art der Bauweise ist prinzipiell vom Boden abhängig. So wird beispielsweise bei einer Querriemensandale mit Holzboden, der Querriemen entweder seitlich an die Sohle genagelt oder durch einen Schlitz hindurchgeführt. Bei Ledersandalen wird der Boden entweder geklebt oder sie sind von flexibel genähter Machart. Rahmengenähte Sandalen sind selten da sie der Biegefreudigkeit und Leichtigkeit dieses Schuhmodells eigentlich widersprechen. Flipflops bzw. moderne Trekkingsandalen, entstehen aus Kunststoffen die in Formen gespritzt werden - die Schaftriemen werden entweder mit verankert oder anschließend durch Öffnungen gezogen.


Bezeichnung bzw. Kategorisierung

Neben einer Einteilung nach den Grundformen, werden die unterschiedlichen Sandalen häufig auch anhand des Sandalenbodens kategorisiert:

  • Holzsandale - Eine Sandale mit einem aus Holz gefertigten Schuhboden, welche bereits von den Etruskern und Kopten getragen wurde und in den sechziger Jahren durch die Berkemann-Gymnastiksandale wieder populär wurde. Die verbreitetsten Modelle haben nur einen Querriemen über den Zehengrundgelenken. Auch die japanischen Geta-Sandalen besitzen eine Holzsohle.

    Mittlerweile gibt es viele Varianten der Holzsandale, besonders verbreitet sind bspw. die Holzsandalette (Damenmodell; Sohle mit höherem Absatz) und die Gymnastiksandale (nur ein Querriemen). Um das Gehen mit der harten Holzsohle etwas bequemer zu gestalten, haben einige Modelle flexible Sohlen mit einem eingebautem Gummigelenk, welches das Abrollen des Fußes unterstützt.

  • Korkfußbettsandale – Eine Erfindung von Birkenstock Anfang der 1960er Jahre.
  • Kunststoffsandale
  • Ledersandale - hochwertige und fußfreundliche Modelle bestehen aus pflanzlich gegerbten Rinderhäuten (sogenanntes Sandalenleder), heute bestehen Ledersandalen jedoch meist aus chromgegerbten Ledern.
  • Strohsandale - wie z.b: die japanischen Reisstrohsandalen „Waraji“. Einige Sandalen bstehen aus anderen Pflanzenmaterialien (bspw. aus Papyrus im antiken Ägypten)


Trekkingsandalen

Die jüngste Entwicklung in Sachen Sandalen, stammt von dem US-Amerikaner Mark Thatcheraus dem Jahr 1982: Die Sportsandale (auch Outdoor- oder Trekkingsandale). Diese zeichnet sich aus durch ihre Wasserunempfindlichkeit, die Formsohle mit hochstehendem und den Fuß schützenden Rand und ein ausgeklügeltes Riemenverschlusssystem mit Klettbändern. Eine weiteres Merkmal ist der vergleichsweise feste Sitz am Fuß, der allerdings auch die Schweißentwicklung unter der Fußsohle begünstigt.

Sandalen werden manchmal auch nach ihrem Herstellungsort bezeichnet, wie bspw. die Kneipp-Sandalen (auch unter Jesuslatschen, Wörishofener Sandale oder einfach Kursandale bekannt). Die Kneipp-Sandale wurde schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts 10.000-fach in Bad Wörishofen (in Verbindung mit den Kneipp-Kuren Sebastian Kneipps) in verschiedenen Modellvarianten hergestellt und verkauft.

Der umgangssprachlich teilweise scherzhaft bzw. spöttisch verwendete Oberbegriff Jesuslatschen (in der DDR auch als Römersandalen bezeichnet), bezieht sich nicht auf ein einheitliches Sandalenmodell sondern steht allgemein für einfache Ledersandalen mit flachem Boden.


Siehe auch: Geschichte des Schuhs - Antike und Frühmittelalter | Birkenstock | Flipflops | Gymnastiksandale


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Sneaker


Adidas Sneaker
Webster's Timeline History, 1514 - 2007
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Sneaker (engl. für Schleicher) ist die englische Sammelbezeichnung für meist dem Laufschuh ähnliche Sportschuhmodelle, die wider erwarten nicht zum Sport sondern als modischer Alltagsschuh getragen werden.

Ihr Bestehen und die weltweite Verbreitung, haben die Sneaker u.a. dem wesentlich geringeren Pflegeaufwand (da der Schuh größtenteils aus Kunstfasern besteht hat er keinen Glanz und benötigt in Folge keiner Lederpflege) und ihrem im Vergleich zu hochwertigen Lederschuhen (siehe: Maß- und Konfektionsschuhe) wesentlich geringeren Preis zu verdanken (Massenfertigung durch angespritzte und vulkanisierte Machart).


Aufbau und Merkmale

Wie auch Sportschuhe, werden Sneaker fast ausschließlich in angespritzter Machart erzeugt. Als Schaftschnitt liegt dem Sneaker der sogenannte Oxfordschnitt zugrunde, der Schaft selbst besteht überwiegend aus Kunstfasern, event. zusätzlich vorhandene Verstärkungen sind häufig aus Leder bzw. Rauleder.

Die gestrobelte (mit einer Zickzacknaht befestigte) Innensohle besteht i.d.R. aus einem Natur-Kunststofffaser-Gemisch, welches in fernöstlichen Billiglohnländern produziert wird. Der Boden mit Langkeilabsatz, besteht meist aus einzelnen Kunststoffschichten (Sandwichboden) und weist daher i.d.R. gute Dämpfungseigenschaften auf. Die Einlegesohle soll für ein besseres Schuhklima (durch Schweißaufnahme) sorgen und gleichzeitig die Brandsohle (Innensohle) des Schuhs schützen. Die Laufsohle hat wie auch die der Sportschuhe eine leichtes Profil aus Gummi, eine gute Haftung und ist abriebfest.

Reinigung

Gegenüber einem hochwertigen Lederhalbschuh, verursachen gewöhnliche (billig) Sneaker ein wesentlich ungünstigeres Schuhklima, oder direkter formuliert: Schweißfüße. Der so kreierten Geruchsentwicklung versucht die Schuhndustrie mit Entwicklungen wie Schuhdeos und antibakterieller Ausrüstung zu begegnen. Viele Sneaker können, mit einem Pflegeleichtprogramm bei 30 °C, auch in der Waschmaschine gewaschen werden um der Gerüche Herr zu werden. Die Schuhe dazu im besten in einen (alten) Kopfkissenbezug geben oder in ein Handtuch wickeln und zubinden - Einlegeshole und Schnürsenkel vorher sicherheitshalber entfernen.


Ursprung

Um 1860 wurden in England (und etwa zeitgleich in den USA) die ersten Sportschuhe gebaut, es handelte sich dabei um Krockettschuhe mit flexibler Gummisohle und einem Schaft aus Leinen. Die knapp über dem Boden liegende, auf dem Gummisohlenrand den Schuh umlaufende Linie (im farblichen Kontrast) brachte diesen Modellen den Namen Plimsolls ein (mit Bezug auf den Erfinder der Ladelinie bei Schiffen, Samuel Plimsoll).

In den USA kamen 1917 die sogenannten „Keds“ von der U.S. Rubber Company auf den Markt. Es waren in Massenfertigung produzierte Sneaker für Kinder, die bald auch von den Erwachsenen als Sportschuhe (zum Tennis) entdeckt wurden. Im Jahr 1919 kam der knöchelhohe Converse All Star auf den Markt, ein Schuh der in Nordamerika über Jahrzehnte zum Inbegriff des Sneakers wurde.


Modellbezeichnung

Die Bezeichnung Sneaker stammt aus dem 20. Jahrhunderts und geht zurück auf den Werbefachmann Henry Nelson McKinney. Hintergrund: Der ursprüngliche Grund Sportschuhe im Alltag zu tragen, war der sich neben dem Lebensstil auch in der Kleidung manifestierende Protest der Jugend gegen das herrschende Establishment und die Kultur der Erwachsenen, welche glanzpolierte Lederhalbschuhe bevorzugten.

Außer den Mokassins hatten damals daher alle anderen Schuhe, bedingt durch deren Ledersohlen, einen lauten Auftritt (also das Gegenteil zu Sneakern; engl. "to sneak": schleichen). Als sich nun James Dean, das damailge Idol der Jugend, in den 1950er Jahren mit Sneakers ablichten ließ, wurden die billigen und pflegeleichten Schuhe schnell zur bevorzugten Fußbekleidung der Jugend und bescherten auch ganzen Turnschuhgeneration in den Folgejahrzehnten diese Bezeichnung.

Der qualitativ höherwertige Sneaker (auch Edelsneaker genannt) geht vermutlich auf ein Modell von Ludwig Reiter zurück, der Ende der 1970er Jahre erstmals einen in Preis und Material abweichenden Sneaker herstellte. Im Laufe der allgemeinen Sporteuphorie der 1980er Jahre, setzte sich der Sportschuh bzw. Sneaker schließlich auch in weiten Teilen der Bevölkerung als akzeptierter Freizeitschuh durch.

Im deutschsprachigen Raum (im allgemeinen Sprachgebrauch und im Marketing) wird der Begriff "Sneaker" für ein Schuhmodell, erst seit den späten 1990er Jahren benutzt, davor waren die Begriffe "Turnschuh" oder "Sportschuh" gebräuchlich. Sneaker und Sportschuh unterscheiden sich jedoch optisch und funktional deutlich voneinander. So werden verschiedene Sportschuhe (Turnschuhe) speziell zum Einsatz bei Sportarten entwickelt, während ein dem Sportschuh optisch ähnlicher Sneaker, mehr als Freizeitschuh für den alltäglichen Gebrauch als für den funktionalen Einsatz im Sport konzipiert ist.


Modellvarianten

In den USA und in England, werden Sneaker nach ihrem Verwendungszweck in Sneaker für den Alltag (Joints, Grips, Kicks, Trainers) und Performance-Sneaker für den Einsatz im Sport unterschieden.

Edelsneaker unterscheiden sich von normalen Sneakern durch die Verwendung höherwertiger Materialien (wie einem Schaft aus Leder) und die bessere Verarbeitung (oft in rahmengenähter Machart). Dadurch sind solche Modelle nicht nur teurer sondern zeichnen sich durch eine längere Haltbarkeit und einen besseren Tragekomfort (u.a. durch das bessere Schuhklima) aus. Bekannte Hersteller solcher Edelsneaker sind bspw.: Greve (Niederlande), Ludwig Reiter (Österreich), Santoni (Italien) und Schuh-Bertl (Deutschland).

Heelys, Alltags-Sportschuhe die im Fersenbereich eine ausklappbare Rolle haben, sind gegenwärtig bei US-amerikanischen Jugendlichen populär.

Als sogenannte Re-issues (Neuauflagen) werden Sportschuhmodelle bezeichnet, welche früher populär waren und heute erneut produziert werden.


Der Unterschied zwischen Sportschuhen und Sneakern zeigt sich u.a. auch in Klubs und Diskotheken, wo einem der Einlass mit Sportschuhen meist verwehrt wird, das Tragen zeitgemäßer Sneaker dagegen als Dresscode akzeptiert wird.


Hersteller
Im Schuhhandel gibt es im Mid- und Low-Cost-Bereich viele Schuhhersteller, die Schuhe im "Sneaker"-Design anbieten. Sneaker der höheren Preisklassen, werden im allgemeinen Schuhhandel fast ausschließlich von Adidas, Nike und Puma geliefert. Daneben gibt es zahlreiche Designer-Modelabel (wie bspw. Bikkembergs, Dolce & Gabbana, Diesel, Dirk, Prada, Replay, ...) die sogenannte Edel-Sneaker produzieren.


Siehe auch: Tanzsneaker | Turnschuhe


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