Schuhcreme

Inhaltsverzeichnis

  1. Geschichte
  2. Beschreibung
  3. Die zwei Arten von Schuhcreme (Einleitung und Definition)

  4. Bestandteile
  5. Wirkung einer Schuhcreme im Detail
  6. Pflegeresultate der verschiedenen Cremearten

  7. Anwendungshinweise
  8. Aufbewahrung und Haltbarkeit
  9. Praktische Tipps zur Handhabung
    von Schuhcreme

  10. Wichse

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Schuhcreme

Siehe auch: Grundlegende Behandlung von Schuhen | Reinigung und Pflege von Lederschuhen | Reparatur/Korrektur von (hochwertigen) Lederschuhen



Geschichte

Der Vorläufer der modernen Schuhcreme war die vor allem bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts verwendete Schuhwichse. Die erste moderne Schuhcreme der Welt, wurde von dem Chemiker Philipp Adam Schneider für die Mainzer Wachswarenfabrik Werner & Mertz entwickelt – das „Erdal“ genannte Produkt erhielt im Jahr 1901 ein Patent in Deutschland und löste die Schuhwichse bald ab.


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Beschreibung

Mit dem Begriff „Schuhcreme“ werden verschiedene cremeartige Schuhpflegemittel bezeichnet, deren grundlegende Unterscheidungsmerkmale historisch (wirtschaftliche Erfordernisse der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg) zurückzuführen sind - die Hersteller versuchten damals die verwendeten knappen Rohstoffe (Lösungsmittel) durch Wasser zu ersetzen.

Eine Unterscheidung zwischen Misch- und Wasseremulsionen ist nicht ohne weiteres möglich - aussagekräftig ist bspw. der Hinweis auf Lösungsmittelfreiheit auf der Verpackung von Wasseremulsionscremen. Mit etwas Erfahrung, können die beiden Arten auch aufgrund der unterschiedlich stark ausgeprägten Wirksamkeit und ihrer Anwendungmerkmale, wie bspw. der Dosierbarkeit, voneinader unterschieden werden. Heutzutage dominieren in Europa Wasseremulsionen den Markt der Schuhcremen.


Die Schuhcreme ist ein oberflächenwirksames Schuhpflegemittel, genauer ein wachshaltiges Gemisch zur Pflege von Schuhschäften aus Glattleder, welches entweder eine salben-, pasten- oder gelartige Konsistenz aufweist. Wie viele Cremen, ist eine Scuhcreme chemisch gesehen entweder eine Dispersion (d.h. ein Gemisch aus mind. zwei Stoffen welche sich nicht oder kaum ineinander lösen bzw. chemisch miteinander verbinden) oder eine Suspension (ein Stoffgemisch aus einer Flüssigkeit und darin fein verteilten Festkörpern, das zur Sedimentation und Phasentrennung tendiert).


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Die zwei Arten von Schuhcreme

Grundlegend wird zwischen wei verschiedene Arten von Schuhcreme unterschieden: Hartwachscreme und Emulsionscreme.


Weil die verwendeten Bezeichnungen für Schuhcreme oft mehrdeutig sind, sagt der Begriff „Schuhcreme“ alleine nicht aus ob es sich dabei um eine Hartwachscreme oder eine Emulsionscreme handelt. Auch die Bezeichnung „Emulsionscreme“ ist ungenau, da der Begriff nichts über deren grundsätzliche Zusammensetzung aussagt. So gibt es zwischen Wasseremulsionscremes und Mischemulsionscremes, sowohl was deren Inhaltsstoffe als auch die praktische Anwendbarkeit betrifft, große Unterschiede – hinzu kommen viele handelsübliche und synonym gebrauchte Bezeichnungen.

Das in einigen Dosen- und Mischcremes als Lösemittel eingesetzte Terpentinöl, wird oft mit dem gesundheitsschädlichen Terpentin (der stark fettlösende Balsam ist für Lederpflegemittel nicht eignet) verwechselt. Terpentinöl als Bestandteil einer Schuhcreme ist ein Qualitätsmerkmal und ist daher vornehmlich in teureren Dosencremes enthalten.

Ein äußeres Unterscheidungsmerkmal zwischen Hartwachs- und Emulsionscremes ist ihre Konsistenz: Hartwachscremes sind wesentlich härter als die weichen Emulsionscremen, was die unterschiedliche Art der Verpackung ergibt.


Anmerkung: Zur Pflege von Rauleder (Velours, Nubuk) ist Schuhcreme ungeeignet, weil dessen Oberflächen durch das Wachs der Creme optisch und haptisch (speckig und fleckig) verändert wird.


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Hartwachscreme

Auch Dosencreme, Dosenware, Glanzwachs, Hartwachspaste, Ölware, Terpentinölcreme, Wachspaste, Wachs-Terpentin-Paste) genannt,

haben eine wesentlich härtere Konsistenz als Emulsionscremen und werden daher immer in flachen Blechdosen angeboten.

Siehe auch: Pflegeresultate einer Hartwachscreme


Emulsionscreme

Auch Emulsion, Emulsionsware, Tubencreme, Tubenware genannt.

Die Konsistenz einer Emulsionscreme ist wesentlich weicher al die einer Hartwachscreme. So genannte Ledermilch hat sogar eine flüssige Konsistenz. Daher wird Emulsionsware in Tuben, Tiegeln oder flachen Kunststoffbehältnissen und Ledermilch in Kunststoffflaschen angeboten; Eisenblech würde durch den Wassergehalt der Emulsionen rosten.


Siehe auch: Pflegeresultate einer Emulsionscreme


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Bestandteile


  1. Hauptwirkbestandteile einer Schucreme sind Wachskompositionen aus harten und weichen Wachsen - diese sorgen für die Wasserabweisende Wirkung der Creme, den Glanz und, im Fall von harten Wachsen (im speziellen Karnaubawachs, das härteste natürlich vorkommende Wachs), auch für die Schutzwirkung der Creme.
  2. Öle bzw. Fette (die sogenannte "Nahrung" des Leders) – bei allen Cremetypen enthalten.
  3. Geringe Mengen (< 1%) Farbstoffe bzw. Pigmente – zur Farbauffrischung
  4. Löse- bzw. Verdünnungsmittel (Testbenzine, Terpentinöl u. a., bzw. bei Emulsionscremes grundsätzlich auch Wasser), bilden mit mehr als der Hälfte der Gesamtmasse den Hauptbestandteil einer Schuhcreme. Sie werden benötigt, damit sich die einzelnen Bestandteile gleichmäßig in der Creme verteilen, diese besser in die Lederoberfläche eindringen kann und um eine gebrauchsfertige Konsistenz der Salbe zu erreichen.

    Eine Emulsionscreme benötigt zusätzlich auch Emulgatoren, damit sich die mit Wasser normalerweise nicht vermischbaren Wachse und Fette in der Creme fein verteilen.

  5. Zusatzstoffe dienen nur einer Anpasung der Creme selbst und sagen nichts über die Qualität der Schuhcreme aus. Bspw. bewirkt Bienenwachs einen als angenehm empfundenen Geruch und sorgt (weil es ein weiches Wachs ist) für eine gute Elastizität des Wachsfilms. Paraffin dient der Konsistenzgebung und Silikonöle erleichtern das Anpolieren.

    Insbesondere Wasseremulsionscremes benötigen eine Vielzahl weiterer, für die lederpflegende Wirkung überflüssiger Inhaltsstoffe – z.B. verhindern die darin enthaltenen Konservierungsmittel ein Schimmeln der Creme und andere Zusatzstoffe widerum verstärken die Kälteresistenz usw.


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Wirkung einer Schuhcreme im Detail

(Unbedingt beachten, das vor der Pflege immer eine Vorreinigung notwendig ist! - außer bei neuen Schuhen ;-)


Das Auftragen einer Schuhcreme bewirkt ...

  1. Die Wachsteilchen haften schuppenartig an der Oberfläche und erzeugen so ein mattes Aussehen. Dabei sorgen die Wachse für den wasserabweisenden Effekt (Imprägnierwirkung) und auch die Schutzwirkung.
  2. Abgesehen von Wasseremulsionscremes, bewirken die Lösemittel beim Auftragen der Creme mit einem Tuch, eine zusätzliche Reinigung weil sie die (nach der unerlässlichen Vorreinigung) noch verbliebenen Verschmutzungen entfernen und zusätzlich die verbliebenen (mit mikroskopisch kleinen Schmutzteilchen durchsetzten) Cremereste der vorherigen Creme lösen.

    Außerdem wird etwas von den in der Creme enthaltenen Ölen und Fetten von dem Lösemittel in die oberste Lederschicht eingebracht - bei Emulsionscremes auch die öllöslichen Farbstoffe (Farbpigmente von Hartwachscremen verbleiben auf der Lederoberfläche).

  3. Nachdem die Lösemittel verdunstet sind, haben sich die Öle und Fette einige zehntel Millimeter tief in das Leder eingezogen – so ersetzen sie zuvor ggf. aus der obersten Lederschicht ausgewaschene Fettungsstoffe. Lipidmoleküle setzen sich zwischen die einzelnen Lederfasern, wodurch diese gegeneinander verschiebbar bleiben und so die Geschmeidigkeit des Leders erhalten bleibt. Die in der Creme enthaltenen Farbstoffe sorgen für eine Auffrischung der Farbe, die optisch noch stumpf wirkenden Wachse verbleiben an der Oberfläche.
  4. Sobald die optisch matte Wachsschicht poliert wird, schmelzen die einzelnen Wachsplättchen aufgrund der punktuell entstehenden Hitze beim Polieren - es bildet sich eine stärker geschlossene und vor allem sehr glatte Oberfläche (ein hauchdünner und mit dem bloßen Auge nicht sichtbarer Schutzfilm), an welcher Schmutz nicht so leicht anhaften kann. Außerdem wird das auf die Oberfläche auftreffende Licht so reflektiert, dass ein Glanzeindruck entsteht.


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Pflegeresultate der verschiedenen Cremearten


Entscheidend für die Pflegewirksamkeit einer Schuhcreme ist der Schutzfilm, dieser muss:


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Hartwachscreme

Der Carnaubawachsanteil einer Hartwachscreme sorgt im Gegensatz zu den weicheren Wachsen der Emulsionscreme, für einen längerfristigen Schutz:

Der Schutzfilm widersteht Reibung und Stößen besonders gut und schützt das Leder somit effektiver vor mechanischen Beschädigungen. Zudem hält die Glanzwirkung länger an und kann ohne einen Neuauftrag der Creme mehrfach aufpoliert werden – wodurch man Geld spart und die Schuhe auf die schnelle Pflegen kann.

In Kombination mit den rein organischen Lösungsmitteln, welche in Hartwachscremes verwendet werden, bleibt gleichzeitig die Wasserabweisende Wirkung länger erhalten.


Emulsionscreme

Emulsionscremen bieten im Vergleich zu Hartwachscremen eine größere Auswahl unterschiedlicher Farben und eine stärkere Farbwirkung, da neben den Pigmentfarben zusätzlich auch öllösliche Farbstoffe enthalten sind. Der Glanz einer Emulsionscremes wirkt seidiger, jener einer Hartwachscremes spiegelnder.

Im Vergleich zu Mischemulsionen und Hartwachscremen, sind Wasseremulsionen in ihren positiven Wirkungen weniger ausgeprägt - die Schutzwirkung ist schwächer und von kürzerer Dauer. Experten weisen darauf hin, das Wassercremen keine empfehlenswerte Lederpflege darstellen, da diese statt einer nachhaltigen Pflegewirkung nur kurzfristige und rein optische Effekte erzielen.


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Anwendungshinweise

Siehe auch: Reinigung und Pflege von Lederschuhen


Das wichtigste Qualitätsmerkmal einer Schuhcreme, ist die oberflächenwirksame Schutzwirkung:

Beim täglichen Gebrauch von Schuhen, sind diese durch das Gehen ständig mechanischen Belastungen der Lederoberfläche ausgesetzt - Druck, Zug und Reibung greifen die Oberfläche beständig an. Bei einer Beschädigung des durch die Creme bewirkten Schutzfilms, ist das darunter liegende Leder ungeschützt, weshalb eine regelmäßige Pflege erforderlich ist um den Schutzfilm zu erneuern und die sonst durch chemische oder mechanische Einflüsse bewirkte Schädigung des Leders zu vermeiden (hier bieten Hartwachscremen die effektivste Schutzwirkung bei weniger Pflegeaufwand).

Durch eine qualitativ hochwertige Schuhcreme sowie deren richtiger Anwendung, werden sowohl die Optik als auch Faktoren wie Atmungsaktivität, Elastizität, Dehnbarkeit und Flexibilität des Leders erhalten und positiv beeinflusst.

  1. Eine zu stark aufgetragene Cremeschicht bewirkt lediglich Nachteile statt Vorteile: Bspw. wird die Wasserdampfdurchlässigkeit (Atmungsaktivität) des Leders behindert und bewirkt dadurch eine negative Wirkung auf das Schuhklima.

    Eine regelmäßig und sehr dünn aufgetragene Schuhcreme hingegen schützt die Lederoberfläche und erhält die Eigenschaften des Schuhoberleders, welche für den Tragekomfort und die Haltbarkeit der Schuhe entscheidend sind.

  2. Sprödes oder verhärtetes Leder, kann mit Schuhcreme (egal welchen Typs) nur unzureichend wieder geschmeidig gemacht werden. Solange es dem Leder nicht an Feuchte mangelt (zu trockenes Leder ist hart und spröde), kann nur der Einsatz von tiefenwirksamen Pflegemitteln wie Lederöl oder Lederfett die Geschmeidigkeit wiederherstellen.

    Möchte man bei deren Anwendung mögliche unerwünschte Nebenwirkungen wie eine dauermatte Oberfläche, lappiges Leder, mangelhafte Passform oder sich auf die Socken durchschlagendes Fett usw. ausschliessen, sollte die Behandlung von einem Fachmann durchgeführt werden!

  3. Stark beanspruchte Schuhschäfte (wie bspw. von Arbeitsstiefeln oder Bergschuhen), werden durch eine gewöhnliche Schuhcreme möglicherweise nicht ausreichend geschützt und gepflegt - für solche (häufig stärker und pflanzlich gegerbten Oberleder) gibt es daher spezielle Pflegemittel.
  4. Schuhcreme ist zur Pflege von Rauleder (Velours, Nubuk) ungeeignet, da dessen Oberflächen durch das Wachs der Creme optisch und haptisch verändert (speckig und fleckig) wird.


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Aufbewahrung und Haltbarkeit

Die optimale Aufbewahrungstemperatur für Schuhcreme liegt etwa bei 15–20 °C - die Haltbarkeit beträgt so mehrere Jahre.

Vor allem bei Hartwachscremen (mit einer vergleichsweise großen Verdunstungsoberfläche) führen flüchtige Lösemittel im Laufe der Zeit zu einem langsam fortschreitenden Aushärten und zu einem schrumpfenden Volumen (Klappern in der Dose) der Creme - je härter die Creme wird, umso schwieriger gestaltet sich ihre Anwendung.


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Praktische Tipps zur Handhabung von Schuhcreme

Siehe auch: Reinigung und Pflege von Lederschuhen



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Wasserpolitur (Wasserglanzpolitur)

Die Wasserpolitur ist eine vor allem bei Schuhliebhabern beliebte Methode, um Lederschuhe auf Hochglanz zu polieren.


Die Voraussetzung für eine Wasserpolitur, ist eine vorherige Pflege des Oberleders (Schaftleder) mit einer dünnen Schicht Hartwachscreme (die klassische Schuhcreme in den flachen Blechdosen). Ist das gegeben, wird die Oberfläche mit einem mit wenigen Tropfen Wasser befeuchteten (Baumwoll-) Tuch auf Hochglanz gerieben:

  1. Das Tuch um einen oder zwei Fingerspitzen wickeln, ein wenig Schuhcreme aufnehmen und diese Stelle leicht mit Wasser befeuchten (Draufspucken erfüllt den Zweck auch).
  2. Mit dem Tuch wird das Leder nun poliert: Entweder mit kleinen kreisenden Bewegungen oder mit langen, streichenden Zügen.


Anmerkungen:


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Wichse

Handwerklich produzierte Wichse (Schuhwichse) war bis Ende des 19. Jahrhunderts das übliche Pflegemittel für Lederschuhe, bis sie von der industriell erzeugten Schuhcreme abgelöst wurde (die in der Rezeptur vergleichbar geblieben ist und umgangssprachlich oft ebenfalls als Schuhwichse bezeichnet wird). Im alltäglichen Sprachgebrauch wurde Wichse auch für wachsartige Putzmittel verwendet, welche eine Oberfläche zum Glänzen bringen konnten.


Bestandteile


Schuhwichse besteht aus einer Mischung aus Fetten (Harz, Öl, Talg, Wachs - um so mehr Harz und Wachs enthalten ist, desto intensiver wird der Glanz aber umso schlechter ist die Haftwirkung) mit Ruß und erhält Leder geschmeidig und wasserdicht. Aus Gummi, Leim, Seife und Zucker bestehende seifige Wichsen, ergeben einen matten Glanz und es bleibt weniger Staub anhaften als bei den fetten Wichsen.

Wässrige Wichsen bestehen aus Gummi, Eiweiß und Zucker und liefern einen schönen Glanz und können leicht von Staub gereingt werden – allerdings halten sie Wasser nicht ab und machen das Leder spröde.

Englische Glanzwichsen enthalten Baumöl, Beinschwarz (ein Mischung aus Knochenkohle, Sirup und Schwefelsäure) und Gummi – damit das Leder nicht leidet, muss dieses Pflegemittel mit größter Vorsicht Aufgetragen werden.


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