Der Prozess der Schuhfertigung

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Abteilungen der Schuhfertigung (Kurzbeschreibung)
  3. Modellabteilung und Leistenbau


  1. Stanzerei
  2. Stepperei
  3. Montageabteilung

  4. Shoeroom (Finishabteilung)


  1. Schuhe Inhaltsverzeichnis
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Stanzerei

In der Stanzerei werden anhand der in der Modellabteilung angefertigten Modellschablonen die Schnittmuster der einzelnen Schaftteile erstellt und mithilfe der so entstandenen Schablonen die benötigten Stücke aus dem jeweiligen Leder ausgeschnitten bzw. ausgestanzt.

Um eine spätere Verwechslung beim Vernähen zu vermeiden, werden die einzelnen Schaftteile außerdem markiert (gestempelt) und auch die Stepppunkte an denen später die Schaftteile aufeinandertreffen und die Positionen der Schnürlöcher (siehe auch: Schnürung) werden markiert (zusätzlich werden die Kanten der Schaftteile ausgedünnt, um möglichst harmonische Übergänge zu erreichen). Außerdem werden in der Stanzerei die Löcher von Lochverzierungen (Broguings) ins Leder gestanzt.


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Stepperei

In der Stepperei werden die fertig zugeschnittenen Lederteile miteinander vernäht. Siehe auch: Genähte Macharten

Vernähen Zuerst werden die Lederteile an den Kanten mit Klebepunkten fixiert um deren Verrutschen zu verhindern. Dann erfolgt das Steppen des Oberleders (Außenschaft) und im Anschluß das des Futters – sind beide miteinander vernäht werden die Nähte versäubert, der Schaft ist damit fertiggestellt. Zur Verstärkung des Schafts wird diesem im Fersenbereich (zwischen Futter- und Oberleder) eine Hinterkappe und in der Schuhspitze eine Vorderkappe hinzugefügt.

Zum Schluß erfolgt noch die Kennzeichnung der jeweiligen Schuhgröße.


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Montageabteilung

Siehe auch: Aufbau eines (Herren)Schuhs | Schuhmodelle

Schuster bei der Arbeit


Schuhbau (Rahmengenäht)

Um die dreidimensionale Hohlform eines Schuhs zu erhalten, werden die einzelnen Teile aus denen er aufgebaut ist auf dem Leisten montiert (um den Leisten herum gebaut) – daher stammt auch der Ausdruck Schuhbau bei der Schuhherstellung.


  1. Zuerst wird die Innensohle (Brandsohle) des Schuhs provisorisch mit drei Nägeln auf der Unterseite des Leistens befestigt.
  2. Das Gemband (ein 2x4 mm starker Kunststoffbalken) wird auf der Unterseite der Brandsohle angebracht - es dient später zum Annähen von Schaft und Rahmen. Von Hand eingestochenen Schuhen wird kein Gemband eingesetzt - die Kante wird stattdeßen direkt aus dem Material der wesentlich robusteren Brandsohle (Innensohle) gearbeitet.
  3. Anschließend wird das geschnürte Schuhoberteil (der Schuhschaft) über den Leisten gezogen („gezwickt“) und mit Nägeln und Heißkleber an der Innensohle (Brandsohle) befestigt.
  4. Das Leder muss jetzt einige Zeit auf dem Leisten ruhen, um sich permanent und bestmöglich an diesen anzupassen. Dies nimmt zwischen 30 Minuten und 2 Wochen in Anspruch.
  5. Im nächsten Schritt wird der Rahmen (ein stabiles Lederband) mit Oberleder und Futter vernäht. Dazu wird der Rahmen an den Schaft und so eng wie möglich ans Gemband gedrückt. So kann der Rahmen mithilfe der Goodyear-Einstechmaschine in einem Arbeitsschritt mit Oberleder, Futter und Gemband vernäht werden (diese sogenannte Einstechnaht oder Bodennaht, ist charakteristisch für rahmengenähte Herrenschuhe).

    Bei den meisten Schuhen wird der Rahmen nicht komplett um die Brandsohle (Innensohle) geführt sondern stattdessen das Fersenstück ausgespart und der Schaft hier direkt an die Innensohle genagelt.

  6. Zur Verbindung von Oberleder und Brandsohle, wird ein hufeisenförmiger Lederstreifens (der Keder) unter der Ferse platziert und durch den Schaft hindurch mit kleinen Messingstiften an der Brandsohle festgenagelt.
  7. Der Leisten wird aus dem geformten Schuh entfernt (einige Leisten können dazu zerlegt bzw. geklappt werden).
  8. Weil die Oberfläche der Brandsohle (Innensohle) im Verhältnis zu der sie umlaufenden Kante (d.h. Gemband und Rahmen) tiefer liegt, wird zur Verstärkung zwischen dem Absatz und dem Vorderfuß das Gelenkstück eingearbeitet.
  9. Verbliebene Unebenheiten und Vertiefungen werden mithilfe der sogenannten Ausballschicht (bestehend dehnbaren und flexiblen Stoffe, meist Kork) begradigt.
  10. Auf der jetzt ebenen und einheitlichen Fläche wird nun die Laufsohle angebracht. Zuerst wird diese mit einer schmalen Klebefläche an den Rahmen geklebt und im Bereich des AbsatzAbsatzes mit Messingstiften fixiert, abschließend mittels Goodyear-Doppelmaschine permanent mit dem Rahmen vernäht (dabei entstandene Löcher werden in die ggf. vorhandenen Lochverzierungen des Schuhschafts, das sogenannte Broguing, miteinbezogen).
  11. Abschließend werden die Messingstifte in der oberen Fersenpartie (welche das Verrutschen des Schaftes verhinderten) entfernt und die verbliebenen Löcher geschlossen bzw. bei Schuhen mit Lochverzierungen in das Broguing miteinbezogen. Bei glatten Lederoberflächen werden vorhandene Nahtlöcher zum Kaschieren genutzt, welche nach dem folgenden Bügeln, Einfärben und Polieren nicht mehr sichtbar sind.

    Nachdem Sohlen und Absatzkante beigeschliffen, der sichtbare Teil des Rahmens verziert, die Doppelnaht verdichtet, der Sohlenschnitt und der Absatzmantel eingefärbt wurden und der Hersteller sein Emblem mittels halber Deckbrandsohle angebracht hat, werden die fertigen Schuhe gründlich gereinigt.


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Shoeroom (Finishabteilung)

Im Shoeroom (wörtl. Schuhraum) erhält der Schuh den optischen Feinschliff vor der Auslieferung an den Händler.

Schuhputzmaschine Eine Schuhcreme wird aufgetragen, der Schuh auf Hochglanz poliert und danach werden die Schnürsenkel eingezogen. Nach der finalen Qualitätsüberprüfung können die Herrenschuhe schließlich verpackt und ausgeliefert werden.


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